Fahrerflucht ist Alltag: So findet die Polizei flüchtige Fahrer
VON JENNIFER KOCH - zuletzt aktualisiert: 11.12.2008 - 07:56Düsseldorf (RPO). Mehr als 4000 Menschen begingen in diesem Jahr in Düsseldorf Fahrerflucht. Rund 200 davon sogar, nachdem sie einen Menschen verletzt haben. Dabei ist das Risiko relativ hoch, von der Polizei später gefasst zu werden: Knapp 50 Prozent der Unfallfluchten werden aufgeklärt.
Die Zeit ist knapp, die Parklücke eng, das andere Auto näher als gedacht: eine Schramme oder Beule an fremden Fahrzeugen entsteht in solchen Momenten schnell. Viele Fahrer kennen die Frage: Was tun? Die Polizei rufen, einen Zettel hinter die Windschutzscheibe legen oder flüchten? Mehr als 4000 Fahrer entschieden sich 2008 für die letzte Option. 212 Fahrer entfernten sich sogar vom Unfallort, nachdem Menschen verletzt wurden. In den vergangenen Tagen wurden zwei Kinder angefahren. Beide Fahrer begingen Fahrerflucht.
Kriminalistische Möglichkeiten
Das ist riskant: Fast die Hälfte aller Unfallfluchten werden in Düsseldorf aufgeklärt, bei Unfällen mit Personenschaden waren es in diesem Jahr sogar mehr als 70 Prozent. „Dann haben wir mit dem Verletzten schon einen Zeugen“, weiß Gundolf de Riese-Meyer, Leiter des Verkehrskommissariats 21 und Unfallsachbearbeiter.
Die Ermittlungsmöglichkeiten sind zahlreich: Am Unfallort nehmen Polizisten zunächst die Zeugenaussagen auf, danach geht es an die Spuren. „Wir sehen uns den Schaden genau an, daran erkennen wir meist den Unfallhergang und welche Art von Fahrzeug beteiligt war“, erklärt de Riese-Meyer.
Als im Oktober ein Fahrer in der Carlstadt eine Gaslaterne umgestoßen hatte, war die Polizei schnell sicher:Es war ein Lkw. Auch Lack- und Glassplitter oder Fahrzeugteile geben Hinweise. Die Hersteller wissen, welchen Lack und welches Glas sie wann verwendet haben. Im Labor wird so der Autotyp festgestellt. Bei Fahrzeugteilen gibt oft ein Stempel Autotyp und Herstellungsjahr an.
Bei der Fotogrammetrie, einem speziellen Ermittlungsverfahren, werden Fotos aus unterschiedlichen Entfernungen gemacht. Daraus wird der Unfallhergang berechnet. Dabei können sogar Hubschrauber eingesetzt werden.
Hat der flüchtige Fahrer im Schock sein Fahrzeug zurückgelassen, ist der Halter zwar sofort verdächtig, die Polizei muss aber beweisen, dass er hinter dem Steuer saß. Dazu nutzt sie alle Möglichkeiten der Kriminalistik: Fingerabdrücke, DNA, Haare. „Der beste Träger für Spuren ist der Airbag, denn der ist vor dem Unfall luftdicht verpackt“, erklärt de Riese-Meyer.
Nicht bei jedem Bagatellschaden werden alle Mittel eingesetzt. „Der Aufwand hängt vom Ausmaß des Unfalls ab“, so de Riese-Meyer. Werden Menschen schwer verletzt oder getötet, wird der Schuldige meist gefasst. Bei Bagatellschäden gilt: Wer einen Unfall verursacht oder beteiligt ist, muss sich melden. Ein Zettel hinter der Windschutzscheibe reicht übrigens nicht. Wer so handelt, dem droht dasselbe wie demjenigen, der einfach wegfährt: eine Anzeige wegen Unfallflucht.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





