Diskussion nach tödlichem Unfall: So gefährlich sind Haltestellen
VON J. BRABECK, U. REIMANN UND G. STENZEL - zuletzt aktualisiert: 31.10.2008 - 08:46Düsseldorf (RPO). Hätte der tödliche Bahnunfall vom Dienstag verhindert werden können? Müssen Haltepunkte umgebaut werden, um sicherer zu sein? Stichproben ergaben: Oft ignorieren Fußgänger die Warnleuchten oder nehmen riskante Wege.
Hätte der Bahnnfall, bei dem der 14-jährige Gymnasiast Youssef F. am Dienstag getötet wurde, verhindert werden können? Diese Frage stellen sich Anwohner und Fahrgäste immer wieder. Außerdem diskutieren sie, wie die Situation an der Straßenbahnhaltestelle Rather Broich verändert werden kann.
„Unsere Polizisten werden verstärkt den Rather Broich aufsuchen und aufklären, denn viele Verkehrsteilnehmer sind verunsichert“, erklärt Polizeisprecher Markus Niesczery.
CDU-Ratsfrau Sylvia Pantel kämpft seit Jahren für sichere Schulwege. Sie hat sich den Unfallort in Rath angeschaut. „Ich kann noch nicht beurteilen, ob hier schon alle Möglichkeiten zur Sicherung ausgeschöpft wurden. Die CDU-Fraktion wird die Verwaltung und die Rheinbahn auffordern, uns Verbesserungsvorschläge in der Bezirksvertretung vorzustellen.“
Umbau Kalkumer Schlossallee
Die Verwaltung hat am Mittwoch Gespräche mit der Rheinbahn geführt. Fachleute sollen nun die Unfallstelle begutachten und Verbesserungsvorschläge machen. „Wir wollen aber keinen blinden Aktionismus. Man muss bedenken, dass die Stelle 20 Jahre völlig unauffällig war“, sagt Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher. Er fordert Eltern und Lehrer auf, Kinder für den Straßenverkehr fit zu machen. „Alle Warnungen helfen nichts, wenn sie nicht beachtet werden.“
So wie gestern: Innerhalb einer Stunde war mehrfach zu beobachten, wie Fußgänger den Überweg über die Gleise benutzten, obwohl die Warnlampen blinkten und die einfahrenden Straßenbahnen klingelten. Ein junger Mann schaffte es gerade noch, sich mit einem Sprung und nur einem Meter Abstand von der Bahn auf den Bahnsteig zu retten.
Zu gefährlichen Situationen kommt es immer wieder, wenn der Bus der Linie 730 auf der anderen Straßenseite einfährt. Die Fahrgäste laufen dann über die rote Fußgängerampel oder zwischen den anfahrenden Autos hindurch. „Das ist hier gängige Praxis“, sagt Klaus Jansen, der an der Haltestelle einen Kiosk betreibt.
"Mal eben" quer über die Kreuzung
Ähnlich ist die Lage an der Kalkumer Schlossallee: Wenn die Schüler des nahen Fliedner-Gymnasiums ankommen oder abfahren, wird es voll auf den Bürgersteigen. Gerade die Großen sind es, die kurz vor Schulstart, „mal eben“ quer über die Kreuzung laufen.
Autos, Busse, dazwischen Bahnen: Der Ablauf ist nur deshalb reibungslos, weil alle Verkehrsteilnehmer besonders aufmerksam sind. Nach einem tödlichen Unfall an der Haltestelle 2006 wurden tief hängende Warnblinker installiert, ein größerer Umbau soll im nächsten Jahr beginnen und eine Schrankenanlage bringen.
Haltestelle Redinghovenstraße: Hier müssen Rheinbahnfahrer sehr aufpassen. Gerade vor Schulbeginn kommen 40 bis 50 Schüler allein mit einer Bahn. Sie gehen in Pulks über Gleise und Straße, die Bahn muss mitten durch die Gruppen fahren. Haarscharf drängen die Waggons zum Teil an ihnen vorbei.
Wer hier morgens nicht ganz ruhig bliebt, ist in Gefahr. Trauriger Höhepunkt kurz vor acht Uhr: Ein Mädchen ist zu spät, hastet aus der Bahn schnurstracks über Gleise, Bürgersteig und Straße. Leider ohne Blick nach links und rechts.
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