Serie: Starke Politfrauen: So weiblich ist die Politik
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 25.07.2007 - 14:33Düsseldorf (RPO). Frauen mit politischem Schwergewicht kann Düsseldorf einige bieten: Staatsministerin, Staatssekretärin, Partei- und Fraktions-Chefinnen. In einer Serie stellen wir die starken Polit-Frauen vor. Zum Auftakt ein Überblick.
Frauen an die Macht - für Düsseldorf offenbar kein Thema: Mit Hildegard Müller stellt die CDU in Berlin eine Staatsministerin im Kanzleramt. Die SPD hat in Karin Kortmann nicht nur eine Staatssekretärin im Bundesentwicklungsministerium, sondern sie auch zur Chefin des Unterbezirks gemacht. An der Spitze der Düsseldorfer FDP steht Gisela Piltz, sie sitzt auch im Innenausschuss des Bundestags. Vier der fünf Düsseldorfer Bundestagsmandate besetzen Frauen. Die Spitze der FDP-Ratsfraktion ist mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann ebenfalls in weiblicher Hand. Bei den Grünen ist die Macht traditionell geteilt: Fraktion und Partei werden zur Hälfte von Frauen geführt.
Zufall? Der Parteienforscher Ulrich von Alemann sieht darin einen klaren, gesamtgesellschaftlichen Trend: „Das ist eine Kulturrevolution in Deutschland. Es ist unglaublich, wie stark die Frauen nicht nur in der Politik, sondern auch in den Medien vertreten sind - und zwar in verantwortungsvollen Positionen“, sagt der Wissenschaftler. „Vor 30, 40 Jahren wäre das undenkbar gewesen. Es ist nicht nur Kosmetik, sondern auch die Anerkennung der Fähigkeiten der Frauen.“
Die Frauenquote sei zwar ein nützliches Instrument gewesen, jedoch nur für den Übergang, sagt von Alemann. „Denn sie führt zu Ungerechtigkeiten.“ Bei den Grünen etwa gebe es das Phänomen der Überquote, der Anteil der Frauen unter den Mitgliedern sei niedriger als der in den Führungsgremien der Partei. „Die Frauenquote ist da ein reines Machtvehikel.“
Tatsächlich gibt es bei den Grünen diese Diskrepanz: Vier Männer und drei Frauen sitzen im Kreisvorstand - aber nur, weil ein (Frauen-)Platz leer geblieben ist. Es fand sich keine Interessentin. Denn ansonsten gilt bei der Öko-Partei die strengste Quotierung: 50:50 und im Zweifel haben Frauen mehr Rechte als Männer. Von den 341 Mitgliedern des Grünen-Kreisverbands sind aber nur 127 Frauen - das entspricht gerade mal 37 Prozent. Ähnlich ist es bei der SPD. Auch bei den Genossen werden Führungsposten nach dem Prinzip halbe-halbe verteilt. Im 15-köpfigen Parteivorstand sitzen zwar nur sieben Frauen, dafür eine an der Spitze: Karin Kortmann. Von den derzeit 3204 Mitgliedern sind allerdings nur 1089 weiblich, das sind 34 Prozent.
Das bürgerliche Lager kommt da auf realistischere Werte: Die Düsseldorfer CDU hat ihre Quote - 30Prozent der Posten für Frauen - sogar übererfüllt: 32,6 Prozent der 3570 Mitglieder sind Frauen, landesweit kommt die CDU gerade mal auf 26,5 Prozent. Der 27-köpfige Parteivorstand ist mit sieben Frauen zu 30 Prozent weiblich.
Die FDP hat schon immer auf eine Frauenquote verzichtet - dass sowohl an der Spitze der Partei als auch der Fraktion Frauen stehen, ist deshalb umso bemerkenswerter. 22 Prozent der 610 Mitglieder und 40 Prozent des Kreisverband-Vorstands sind weiblich. Bei der Ratsfraktion sind sogar drei der fünf Sitze mit Frauen besetzt.
Das ist aber kein Maßstab für die allgemeine Zusammensetzung der Gremien im Rathaus: Von den inklusive OB Erwin 83 Mitgliedern des Stadtrats sind jedenfalls nur 31 Frauen, was 37 Prozent entspricht. Der Ordnungs- und Verkehrsausschuss ist mit 19 Prozent Frauenanteil wohl die männlichste Domäne, der Planungsausschuss kommt immerhin auf 30 Prozent. Dafür ist CDU-Ratsherr Helmut Bosse im 15-köpfigen Frauenausschuss allein unter Frauen. Nur zwei der zehn Bezirksvertretungen und 30 Prozent der städtischen Gremien (Rat, Ausschüsse, Beiräte) werden von geleitet.
Morgen lesen Sie: Hildegard Müller (CDU), Staatsministerin im Bundeskanzleramt.
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