Jazz-Schmiede: Sonntag erstmals Comedyshow für Gehörlose
VON SIMONA MEIER - zuletzt aktualisiert: 15.01.2011 - 11:40Düsseldorf (RPO). Einen besonderen Übersetzungsservice bietet am Sonntag der "Culture Club" mit seinem Programm aus Kabarett, Comedy und Talk in der Jazz-Schmiede: Dann können auch Gehörlose und Schwerhörige die Live-Unterhaltung verfolgen.
Die Gebärdensprachdolmetscherin Marion Jokisch und ihre Tochter Tanja stehen mit auf der Bühne und übersetzen abwechselnd simultan in die Deutsche Gebärdensprache. "Gehörlose sind Augenmenschen. Mein Ziel ist es, sie durch meine Gebärden auf die gleiche Informationsstufe wie alle anderen Zuschauer im Raum zu bringen", erklärt Marion Jokisch. Teamarbeit sei dabei wichtig, nach 15 bis 20 Minuten wechseln sich die Dolmetscherinnen ab. Ein schneller Wechsel, der meist gemeinsam mit den Schauspielern erfolgt und dem Publikum kaum auffällt.
Seit elf Jahren ist Marion Jokisch auf den Brettern, die die Welt bedeuten, im Einsatz. Die Anregung kam von Gehörlosen, die auch einmal gerne ins Theater wollten. Neben ihren normalen Tätigkeiten, den Übersetzungen für Gehörlose in Krankenhäusern, bei der Polizei, in Schulungen, Unterricht oder Vorlesungen sind ihr diese Auftritte auch ein besonderes Anliegen: "Menschen, die nicht hören, werden oft vergessen. Sie haben große Barrieren und können nicht einfach teilhaben an alltäglichen Dingen", sagt Marion Jokisch. Das sei in den USA beispielsweise anders, da würden auch in Wahlkämpfen ganz selbstverständlich Gebärdesprachdolmetscher neben dem Präsidenten stehen.
Auch Lieder werden übersetzt
Wenn sie mit Tochter Tanja morgen Abend erstmals in der Jazz-Schmiede auftritt, sind besonders Witze eine Herausforderung: "Gerade wenn es um Sprachwitz geht, ist das schwierig, und ich muss mich fragen, wie mache ich das." Anders als beim normalen Sprechen hat die Gebärdensprache ihre eigene Dynamik. Der Satz: "Das Auto fährt schnell" umfasst beispielsweise nur eine einzige Gebärde. Bei Liedern stehen aus Sicht der Dolmetscherin vor allem Texte und Refrain im Mittelpunkt. Marion Jokisch: "Fehlende Musik ist für Gehörlose nicht das Problem, es ist viel mehr die fehlende Teilhabe."
Die Show Morgen ab 19 Uhr in der Jazz-Schmiede, Himmelgeister Straße 107g, Eintritt: sechs Euro. Reservierungen unter info@kulturetten.de







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