Immer mehr Leerstände: Sorge um den Worringer Platz
VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 25.02.2009 - 07:59Düsseldorf (RPO). Der Leerstand rund um den Verkehrsknotenpunkt wird immer gravierender. Anlieger schlagen Alarm: Die Gegend veröde, die Infrastruktur breche weg. Politik-Neulinge könnten Abhilfe schaffen – und etwas Hoffnung besteht.
Zunächst fällt ins Auge, was es alles nicht gibt: Viele Ladenlokale stehen leer, Türeingänge sind verbarrikadiert. Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten sind rar, Passanten ebenso. Stattdessen dominiert die Klientel, die schon frühmorgens Bierflaschen leert.
Um sie herum braust der Straßenverkehr, der dem Knotenpunkt mit schöner Regelmäßigkeit Platz 2 unter den Unfallschwerpunkten der Landeshauptstadt beschert. Eine Augenweide ist er nicht, der Worringer Platz. Auch nach der Umgestaltung vor vier Jahren ist er weniger Platz als Kreuzung, vielleicht mehr denn je.
"So kann es nicht weitergehen", sagt Wilhelm Weskamp, Miteigentümer der "Botschaft" (ehemals "Bauhaus" und Capitol-Kino). "Der Worringer Platz gehört noch zur Stadtmitte, aber er ist alles andere als ein Aushängeschild. Die Infrastruktur baut immer mehr ab, und eine vernünftige Urbanität ist nicht gegeben."
Gemeinsam mit Joachim Alxnat vom Drogenhilfezentrum will sich Weskamp nun an die Politik wenden. Im Vorfeld der Kommunalwahl sollen gezielt "Wahlprüfsteine" speziell an diejenigen Kandidaten geschickt werden, die neu in die Politik streben.
"Es geht um die Frage, ob es seitens der Politik frische Ideen gibt, wie man den Platz aufwerten kann, wie man vielleicht den Aufschwung der Ackerstraße noch etwas nach Westen ausdehnen kann", sagt Weskamp. Anlieger und Anwohner hätten ihre Möglichkeiten ausgereizt – beispielsweise könne man unmöglich noch weiter mit den Mieten heruntergehen. "Nun interessiert uns, inwiefern man uns hier subventionieren, unter die Arme greifen oder auch nur moralisch unterstützen kann. Die Verwaltung kann da vielleicht nichts Konkretes tun, aber sie kann zumindest Dinge ermöglichen."
An Ideen hat es jedoch auch in der Vergangenheit nicht gemangelt. Nach jahrelangen Diskussionen wurde der Platz Ende 2004 zu einer "grünen Insel" mit neuen Bäumen, türkisen Sitzbänken aus Glasbausteinen, LED-Modulen im Beton und einer Lichtsäule umgebaut, um ihm das Schmuddel-Image eines Drogenumschlagplatzes zu nehmen. Eine Imbiss-Bude und ein einzelner Marktstand sorgen darüber hinaus für ein wenig Belebung.
"Das Problem ist auch nicht so sehr die Optik, denn die ist ansatzweise schöner geworden", sagen Weskamp und Alxnat. "Das Problem ist der Leerstand. Die wirtschaftliche Lage hier ist ruinös." Ärzte fänden keine Nachfolger, und seitdem im Januar ein Drogeriemarkt dicht gemacht habe, sei der Platz noch toter, so Joachim Alxnat. "Hier ist viel los, aber wenig Leben", fassen die beiden das Grundübel zusammen. "Die Leute wohnen zwar hier, aber sie leben nicht hier."
So seien auch die Künstler, die den Pavillon auf dem Platz mit wechselnden Ausstellungen füllen, eine eher abgeschottete Gruppe, die keine echte Verbindung zur Örtlichkeit habe – Sinnbild für den luftleeren Raum, in dem der Worringer Platz hänge. Und Einrichtungen, die das Potenzial hätten, Publikum anzuziehen – "wie meine Botschaft", so Wilhelm Weskamp – litten zudem unter bürokratischen Hürden: "Bei mir dürfen nur 200 Leute rein. Unsinnigerweise."
Es besteht jedoch durchaus auch Anlass zur Hoffnung: Der Ordnungs- und Servicedienst soll demnächst mit 450 Mitarbeitern in die umgebaute Paketpost ziehen, zusätzlich soll schräg gegenüber noch ein Bürogebäude angemietet werden. "Das spült zumindest Menschen in die Gegend", freuen sich Weskamp und Alxnat.
Und da man nicht nur klagen, sondern auch selbst Initiative ergreifen wolle, überlege er, mit seinen Klienten künftig einen mobilen Bio-Mahlzeitendienst für die neuen potenziellen Kunden anzubieten, sagt Alxnat. Und ein neuer Taubenschlag auf der Paketpost könnte sich auf das Erscheinungsbild des Platzes ebenfalls positiv auswirken.
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