Akademie Mode & Design: Spannungsbogen von der Reformation zur Winterkollektion
VON STEFAN FELTEN - zuletzt aktualisiert: 28.02.2005 - 09:23Düsseldorf (dto). Für die Studentinnen und Studenten der renommierten Akademie Mode & Design Düsseldorf AMD ist die Modenschau EXIT der Höhepunkt des Jahers und für die AMD Absolventen der Höhepunkt des Studiums. „unterwegs“ lautete das Motto der EXIT 05 in der Philipshalle, was auf die Lebenswege der Studenten anspielt. Auf dem Catwalk wurde in der gut dreistündigen Show ein Spannungsbogen von der Reformation bis zu den kommenden Winterkollektionen geschlagen. Wirklich Experimentelles, Gewagtes oder Ungewöhnliches wurde allerdings weniger gezeigt.
Die Schau machte deutlich, dass die Studenten der AMD weniger künstlerisches als absatzfähiges im Visier haben, selbst wenn die Absolventen eine eigene Handschrift in ihren Kollektionen nicht vermissen ließen. Auch später im harten Berufsleben der Modebranche können nur die überleben, die ihre Kollektionen auch verkaufen können. Die Winterkollektionen 05/06 der AMD-Absolventen, zeigten allerdings spannenderes als so mancher Hersteller auf der CPD in der Messe Düsseldorf.
Die Kollektionen der 18 Absolventinnen und Absolventen präsentierten auf sehr unterschiedliche Weise viel Farbe, schwarzes war eher die Ausnahme und wenn dann immer mit Farbtupfen. Ihre Kollektion für den kommenden Winter zeigen einen Trend: Pelze kommen wieder, auf dem Kopf, dezent als Stola, als Jacke oder Mantel. Immer wieder kehrendes Stil-Element für die Damen: möglichst grell farbene Strümpfe oder Söckchen in Pumps, auch in Form von wollenen Gamaschen. In der Herrenmode sehen die AMD-Absolventen eine Rückkehr des ‚old english Style’.
Eigene Handschrift wird den Absolventen abverlangt: Carina Shkodos Motto „Red Parade“ schlug sich in zackigen Militäroberteilen zu Seiden- und Chiffonkleidern nieder: Wenn die rote Arme so sexy wäre, hätte es den kalten Krieg nie gegeben. Auch Astrid Schmid und Martina Podlatis zeigten Affinität zu den Waffen einer Frau: Hier zogen Bonnie & Clyde-Doubles und Models mit Pistolen und geheimnisvollen Geigenkästen über den Laufsteg und führten feminine Jabotblusen zu tief sitzenden Hosen spazieren. Einen Waffenschein müsste man Frauen verordnen, die Sacha Mersch tragen: Catsuits zu Federboleros, Overalls, deren seitliche Öffnungen nichts verhüllen und Blusen mit Ausschnitten bis unter den Bauchnabel - Erotik pur. Eine zurückgenommenere Spielart der Verführung zeigten die nostalgisch angehauchten Kombinationen von Sia Bredow, die von Lolita träumen lassen. Fee Büllesbach jongliert gekonnt mit Farben, Formen und Mustern, und die von Hitchcock-Beauties inspirierte Kollektion von Laura Rosati und Anna Lettgen erfüllt schließlich, was Modeträume verheißen: Sie machen jede Frau geheimnisvoll und wunderschön.
Nicht weniger professionell als die Absolventen, waren auch die Kollektionsversuche des 3. und 4. AMD-Semesters. Dass die Studenten an der AMD auch aus der Vergangenheit lernen, zeigte das 4. Semester mit wunderschönen Kostümen aus der Reformationszeit (1500-1550; Foto oben), von der Küchenmagd bis zum mittelalterlichen Outfit der Adeligen. Und die Anfangssemester präsentierten ihre ersten Gehversuche auf der AMD EXIT 05 in Formfindungs-Versuchen zum Thema Rock und Kleid. Hier zeigte sich viel Experimentelles und Ungewöhnliches. Oskar Schlemmers Figurinen und antike Götterstatuen standen hier ebenso Pate wie die Kunst des Origami, Flechtwerk oder aufgeblätterte Buchseiten.
Die EXIT der Akademie Mode & Design war auch 2005 wieder eine spannende und unterhaltsame Leistungsschau des Modenachwuchses. Auch im Foyer und später bei der AfterShow-Party im Tor 3 wurde gezeigt, was in Sachen Fashion angesagt und stylish ist.
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