Düsseldorf: Sparkasse will Risiken reduzieren
VON MATTHIAS ROSCHER - zuletzt aktualisiert: 05.02.2009 - 07:49Düsseldorf (RPO). Das Düsseldorfer Geldinstitut schüttet in diesem Jahr keinen Gewinn an die Stadt aus. Unter dem Eindruck der Affäre um den Beratervertrag für den Kölner Ex-Bürgermeister Josef Müller und der Finanzkrise wird der Wille zur Rückbesinnung auf alte Qualitäten noch verstärkt.
Die Affäre um den von der Stadtsparkasse an den Kölner Ex-Bürgermeister Josef Müller (CDU) vergebenen Beratervertrag zieht Kreise. So wie die Mitglieder des Verwaltungsrates gestern in der Rheinischen Post die rückhaltlose Aufklärung des Falles verlangten, findet das Thema auch in der Wirtschaft kritischen Widerhall.
Als "kaufmännisch und politisch-moralisch fragwürdig" stuft der Präsident der Handwerkskammer, Wolfgang Schulhoff, das über die Sparkassentochter S-Kapitalbeteiligungsgesellschaft (SKBG) abgewickelte Geschäft ein. Wie Schulhoff stellt sich auch der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer,
Udo Siepmann, die Frage nach der Gegenleistung für einen Vertrag, der dem früheren Postboten Müller von 2001 bis 2003 rund 300 000 Euro eingebracht haben soll. "Abgesehen davon, dass gute Leistungen der Sparkassenmitarbeiter in Misskredit gebracht werden, lässt das Ganze nichts Gutes ahnen", sagte Siepmann.
Seit gestern beschäftigt sich die Kölner Staatsanwaltschaft mit dem vorrangig in der Domstadt spielenden Skandal. Nachdem der Düsseldorfer Sparkassenchef Peter Fröhlich die von seiner Revision zusammengestellten Unterlagen nach Köln bringen ließ, werden sich der damalige Sparkassenchef Hans Schwarz und sein ehemaliger SKBG-Geschäftsführer in den nächsten Tagen vermutlich unangenehmen Fragen der Ermittler stellen müssen. "Das wird richtig lustig", meinte ein Insider. So weit sei es aber noch nicht, verlautete aus Köln. "Wir haben nicht einmal einen Anfangsverdacht", sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld.
Schwarz, von dem angenommen wird, dass er mit seinem damaligen Kölner Kollegen Gustav Adolf Schröder das Geschäft um den Beratervertrag für Müller eingefädelt hat, weilt im Asien-Urlaub. Sein damaliger SKBG-Geschäftsführer war gestern zu einer Stellungnahme nicht bereit. Er steht heute an der Spitze von Equity Partners, einer weiteren Sparkassentochter. Auch Oberbürgermeister Dirk Elbers winkte ab: "Den Vertrag habe ich zwar gelesen, aber so lange nicht geprüft ist, was hinter der Vereinbarung steht und auch die Staatsanwaltschaft mit ihren Ermittlungen nicht zu Ende ist, werde ich zu Detailfragen nichts sagen."
Die Sparkasse trifft die Köln-Düsseldorfer Altlast in einem schwierigen Jahr. Das Betriebsergebnis von 78,6 Millionen Euro für 2008 sagt nichts über den zu erwartenden Gewinn aus. Mitglieder des Verwaltungsrates gehen sogar davon aus, dass die noch erforderlichen Wertberichtigungen bei Krediten und Wertpapieren die Bilanz sogar in die roten Zahlen treiben werden.
Den dann im Raum stehenden Verlust von 30 Millionen Euro will Sparkassenchef Peter Fröhlich nicht bestätigen. Seine Bemerkung "wenn wir unter der schwarzen Null bleiben, werden wir das auch zeigen" wird von der Mehrheit im Aufsichtsgremium mitgetragen. Das Konzept des Vorstands: Bei einer Eigenkapitalquote von zehn Prozent ist die Stadtsparkasse auch ohne Auflösung stiller Reserven stark genug, das zu erwartende Defizit bei moderaten Steigerungsraten in den verschiedenen Geschäftsbereichen 2009 wieder auszugleichen.
Ansonsten gilt: keine Tricks in der Bilanzierung, stattdessen volle Transparenz. "Wir werden jedes Ergebnis so zeigen, wie es ist", verspricht Fröhlich. Vor diesem Hintergrund verzichtet die Stadtsparkasse auf eine Ausschüttung an die Stadt als Gewährsträger, die 2007 immerhin noch neun Millionen Euro betrug. Oberbürgermeister Elbers kümmert das nicht, er setzt sich im Gegenteil von der Strategie seines verstorbenen Vorgängers ab. Joachim Erwin hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihm Sparkassenmittel, selbst aus einer Privatisierung, willkommen wären.
"Ich bin froh, dass die Stadtsparkasse wieder in den Schoß der Sparkassenorganisation zurückgekehrt ist", sagte Elbers. Damit sorgt er für Ruhe unter den 2167 Mitarbeitern, und stärkt dem neuen Vorstand – Bernd Eversmann geht als letzter aus der alten Riege in knapp 40 Tagen in Pension – den Rücken. Der Name Peter Fröhlich ist Programm, zumal unter dem Eindruck der Finanzkrise: Rückbesinnung auf alte Qualitäten, nämlich auf das traditionelle Rollenspiel eines dem Mittelstand und der Privatkundschaft verbundenen Instituts in der Region, solides Wirtschaften, Reduzierung der Risiken – die Zeiten des Glamours sind vorbei.
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