Nach Wahlniederlage: SPD: Gegenwind für Kortmann
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 03.09.2008 - 08:33Düsseldorf (RPO). Nach der deutlich verlorenen Wahl sind die Genossen uneins, was falsch gemacht wurde – und wie man bis zur Kommunalwahl 2009 wieder auf Linie kommt. Erneut droht die Spaltung in mehrere Lager.
Wie die Stimmungslage in seiner Partei ist? Günter Wurm, Fraktions-Chef der SPD im Rat, atmet tief durch: „Aufgeregt ist wohl das richtige Wort zur Stimmung.“ Damit meint er: Den Genossen ist nach der verlorenen Wahl klar geworden, wie stark ihre Posten im Rat, in Aufsichtsräten, in den Ausschüssen, in den Bezirksvertretungen gefährdet sind. Leicht lässt sich hoch- oder besser: runterrechnen, wo man landet, wenn es in neun Monaten ähnlich ausgeht wie vorigen Sonntag. 35,3 Prozent hat Karin Kortmann als SPD-Kandidatin geholt. Rechnet man die Grünen-Stimmen ab, würde man deutlich unter 30 Prozent liegen. Da ist man nicht mehr so weit von den Bundeszahlen entfernt.
Nun also hat man die Kommunalwahl im Visier. Aber die Meinungen, wie man die am besten angeht, gar gewinnt, gehen auseinander. Während Wurm eindringlich Einigkeit anmahnt, wird bei den Genossen längst aus dem Hinterhalt geschossen – einmal mehr von dem seinerzeit im Groll ausgeschiedenen ehemaligen Fraktions-Chef Heinz Otto Christiansen. Der erklärte gestern in einem Interview, seine Partei habe vieles falsch gemacht, vor allem der Umgang mit der früheren Spitzenkandidatin Gudrun Hock sei nach außen schädlich gewesen.
Dazu SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Annette Steller hörbar genervt: „Heinz Otto – die Stimme aus dem Off, das kennen wir ja schon.“ Dass Christiansen die in der Fraktion weitgehend isolierte Hock (die immer noch SPD-Bürgermeisterin ist) unterstützt, verwundert in der SPD keinen. Aber keiner glaubt an ein Comeback der früheren Essener Sozialdezernentin, die dringend einen neuen Job sucht. Ihren Wunsch, auch nach der Kommunalwahl Bürgermeisterin zu bleiben, kommentiert Steller so: „Jeder darf wollen, was er will!“ Führende Genossen ärgert es zudem, dass Hock im Verwaltungsrat der Sparkasse sitzt und sähen dort lieber die Finanzexpertin Helga Leibauer.
Aber die SPD mag offenbar auch nicht mehr nur mit Karin Kortmann als Spitzenkandidatin rechnen. Erstens, weil die nächste Wahl zum OB erst in sechs Jahren ansteht und keiner weiß, was bis dahin sein wird. Und zweitens, weil man zu der Einsicht gekommen ist, dass der nächste Mann/die nächste Frau an der Spitze aus der Mitte der Fraktion, also aus der Ratsarbeit kommen muss. Ein Mitglied: „Wir müssen da unser Personal-Tableau erweitern und neue Talente langsam aufbauen, damit wir in sechs Jahren eine echte Alternative vorzeigen können.“
Auch bei der Einschätzung ihrer künftigen Rolle als Opposition gegenüber einem Oberbürgermeister Dirk Elbers sind die Genossen unsicher. An Erwin hatte man sich reiben können und musste hinnehmen, dass er blitzschnell Themen besetzte, auch traditionell sozialdemokratische. Aber wie wird man diesen neuen Verwaltungs-Chef politisch angehen, wenn er auf die sanfte Tour agiert, also everybody’s Darling sein sollte?
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