Partei zerfleischt sich selbst: SPD-Theater: Tragödie oder Farce
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 16.03.2007 - 10:35Düsseldorf (RPO). Die SPD bietet seit Wochen ein wunderliches Schauspiel. Die Basis im Norden opponiert gegen den Süden, ein Staatssekretär kritisiert, dass eine Staatssekretärin an die Spitze will, nicht mal ein Gespräch kommt zustande. Alles nur, weil eine Bürgermeisterin die Machtfrage stellte.
Stell dir vor, eine Partei zerfleischt sich selbst - und alle schauen zu. Richtig, wir sind bei der Düsseldorfer SPD. Es ist kaum mehr zu erklären, was derzeit bei den hiesigen Genossen Düsseldorfer SPD passiert. Je nach Blickwinkel gerät das Schauspiel zur Tragödie oder zur Farce. Der Stoff hat es jedenfalls in sich: Es geht um Macht, Rache und Eitelkeiten. Einige Hauptdarsteller:
Gudrun Hock Die blonde Volkswirtin ist Ratsfrau und Bürgermeisterin. Sie wurde im Vorwahlkampf 2003 als Spitzenkandidatin aus dem Hut gezogen, verlor aber 2004 gegen OB Erwin. Da sie ab 1. Mai nicht mehr Sozialdezernentin in Essen ist und viel Zeit hat, wollte sie auch die Macht der Düsseldorfer Ratsfraktion. Hock unterlag Fraktionschef Günter Wurm und versprach, als Spitzenkandidatin nicht mehr zur Verfügung zu stehen.
Peter Knäpper Manche Genossen nennen den Düsseldorfer SPD-Chef inzwischen den „Ritter von der traurigen Gestalt“. Er und seine Vize Angelika Pick gelten als hauptverantwortlich, dass Hock nicht gebremst wurde bei ihrem Ritt um die Macht, der die Fraktion in zwei Lager spaltete. Nur zögerlich zog er die Konsequenzen und will sich nicht der Wiederwahl stellen. Konsequent blieb er - wie bei der Fraktion riskiert er auch die Spaltung der Partei. Der Wahlkreis Süd will Staatssekretärin Karin Kortmann, der Norden, Wahlkreis des Staatssekretärs Michael Müller, schlägt umgehend zurück, schickt mit Gerd Blatz einen Bezirkspolitiker ins Rennen, der dabei nur verbrennen kann. Ein klärendes Gespräch mit Knäpper als Moderator platzt auf dubiose Weise. Er gibt sich dennoch optimistisch. Aber sogar seine Anhänger fragen sich, wie er eine Lösung finden will. Und mit wem.
Karin Kortmann Die Spitzenpolitikerin hat sich gerne und oft zu den Vorgängen in der Düsseldorfer SPD geäußert und erklärte früh, Parteichefin werden zu wollen. Sie sei die einzige, die der CDU ernsthaft gefährlich werden könnte, raunen politische Gegner. Teile der eigenen Partei reden Kortmann lieber nieder: Sie sei als Staatssekretärin zu viel unterwegs, habe alles eiskalt geplant. Dass eine Strategie auch Stärke bedeutet und das der Partei vielleicht gut tun könnte - uninteressant.
Michael Müller Ist seit bald 25 Jahrenim Bundestag und gab stets vor, der Düsseldorfer Politik so fern zu sein. Müllers Position änderte sich, als Kortmann ihren Hut in den Ring warf. Ab diesem Zeitpunkt stimmte er in die Kritik des Nordens ein. Denn als Staatssekretär wisse er ja, dass man keine Zeit habe, nebenher Parteichef zu sein.
Gerd Blatz Ist Sprecher des Stadtbezirks 1, dem mit Ausnahme von Petra Kammerevert vor allem Hock-Anhänger, Knäpper-Stützer und Müller-Verteidiger angehören. Er wäre als Parteichef also eher Kontinuität als Neuanfang. Ein vom Parteivorstand formuliertes Kriterium kann er nicht erfüllen: Der ideale Kandidat darf sich im Hock/Wurm-Konflikt nicht positioniert haben.
In weiteren Nebenrollen Regierungspräsident Jürgen Büssow, der sich warmläuft - nur: keiner weiß, wofür. Hans-Otto Christiansen, ehemaliger Fraktions-Chef, Hocks Libero und bekennender Wurm-Hasser, will angeblich eine eigene Liste gründen.
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