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Ruinöser Wettbewerb: Spediteure leiden unter Dieselpreis

VON UWE REIMANN - zuletzt aktualisiert: 12.07.2008 - 10:54

Düsseldorf (RPO). Hans-Dieter Severin ist seit 40 Jahren Geschäftsführer einer 110 Jahre alten Spedition in Wersten. Hohe Mautgebühren und nun 40 Prozent höhere Dieselpreise: Er spricht von ruinösem Wettbewerb. Viele kleine Firmen in Düsseldorf werden aufgeben, sagt der 61-Jährige.

Seit 40 Jahren leitet Hans-Dieter Severin das Familienunternehmen in Wersten. Die hohen Kosten für den Diesel machen auch seiner Spedition zu schaffen. „So schlimm war es noch nie“, sagt er.  Foto: RP, Christoph Göttert
Seit 40 Jahren leitet Hans-Dieter Severin das Familienunternehmen in Wersten. Die hohen Kosten für den Diesel machen auch seiner Spedition zu schaffen. „So schlimm war es noch nie“, sagt er. Foto: RP, Christoph Göttert

Er ist 61, kennt das Speditionsgeschäft aus mehr als 40 Jahren Erfahrung, aber einen solch „ruinösen Wettbewerb“ hat er noch nie erlebt. „Die astronomischen Dieselpreise sind einfach nicht mehr aufzufangen“, sagt Hans-Dieter Severin. Um 40 Prozent seien sie seit vergangenem Jahr gestiegen, dazu eine Mauterhöhung im Herbst 2007. „Wenn jetzt noch die Maut ab 1.Januar um teilweise 80 Prozent steigen wird, werden viele kleinere Speditionen nicht mehr weiterfahren können.“

Seine beiden Töchter haben diese Entscheidung bereits vor einigen Jahren getroffen. „Sie haben etwas anderes studiert und werden die Firma nicht weiterführen. Es lohnt sich langfristig nicht“, sagt Severin. Nach der vierten Generation wird die Familie das Unternehmen wohl aufgeben.

Die gesamte Speditions- und Logistikbranche ächzt unter den Kosten. „Die hohen Kosten werden auf die Fuhrunternehmer abgewälzt“, sagt Sven Kische, stellvertretender Geschäftsführer beim Verband Spedition und Logistik Düsseldorf (VSL). Er rechnet vor: „Die hohen Dieselpreise haben zu einem jährlichen Plus von durchschnittlich 20000 Euro pro Lkw geführt.“ Das sei in keiner Kalkulation mehr zu berücksichtigen und führe zu Existenz-Problemen bei den Speditionen.

Manche in Düsseldorf beheimateten Unternehmen ziehen deshalb die letzten Register. Der Chef fährt wieder selbst und immer öfter. Manche Fahrer werden entlassen, auch im Büro übernehmen wieder Familienangehörige die Tourenplanung und Buchführung, Gerade die kleinen Unternehmen mit bis zu fünf Lastern plus Fahrer haben’s immer schwerer. Sie machen laut Kische etwa Zweidrittel aller Speditionen in Düsseldorf aus. Für sie werde mit jeder Dieselpreiserhöhung die Lage immer bedrohlicher. Er rechnet damit, dass bereits im Herbst die ersten Fuhrunternehmen ihre Wagen für immer in der Garage lassen und aufgeben.

Dabei ist Nordrhein-Westfalen und insbesondere Düsseldorf ein wichtiger Logistik-Standort Deutschlands. 33 der 100 umsatzstärksten Logistikunternehmen haben ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen.

Die großen Unternehmen können die steigenden Kosten eher auffangen, sagt Marcus Hover vom Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW (VVWL) in Düsseldorf. Wo sich die großen Unternehmen spezialisiert haben auf Frachtarten, -wege, oder -gut, bleibe die Möglichkeit, sich die Kosten von den Kunden wiederzuholen.

„Kleine Firmen können das nicht“, sagt Hover. Sie könnten kaum einen Auftrag ablehnen. Das Ergebnis: Bei einer Umsatzrendite von unter einem Prozent gehe es an die Substanz des Betriebs. „Die Unternehmen haben einfach keinen Speck auf den Rippen“, sagt Marcus Hover.

Severins Firma ist ebenfalls eine kleine mittelständische. Sechs Fahrer für sechs Lkw und eine Mitarbeiterin im Büro. Severin transportiert vor allem für die Maschinenbauindustrie. Besonders im Nahverkehr im Umkreis von 100 Kilometern bewegten sich seine Fahrzeuge. „Da geht es noch mit den Kosten und Erlösen.“

Der Fernverkehr jedoch sei völlig unrentabel geworden. Früher habe er beispielsweise für eine Tour von Hamburg nach Düsseldorf etwa 600 Euro bekommen. „Heute fahren welche für unter 400 Euro“, sagt Severin. Und Anfang nächsten Jahres komme es möglicherweise zum großen Speditionssterben. „Wenn die Maut um teilweise 80 Prozent steigt, sind die Grenzen der Belastbarkeit erreicht. Dann ist das Maß voll“, schätzt Severin.

Quelle: RP

 
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