Überfall auf Kö-Juwelier vor rund einem Jahr: Spurlos in Holland
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 19.04.2006 - 08:42Düsseldorf (RP). Optimismus klingt anders. Wenn Staatsanwalt Johannes Mocken über den Kö-Raub vom 23. April 2005 spricht, dann ist ihm anzuhören, dass er derzeit nicht an eine Lösung des Falles glaubt. Die Lage sei unverändert, es gebe keine heiße Spur, die Ermittlungskommission (EK Kern) sei aufgelöst. Sehr professionell seien die Täter vorgegangen, kaltblütig, gewissenlos, man habe keinerlei DNA-Spuren gefunden.
Der 23. April 2005, vormittags. Mehrere Räuber stürmen René Kern an der Kö, bedrohen das Personal mit automatischen Waffen, schießen auf einen zufälligen Zeugen und raffen ausschließlich Luxus-Uhren aus den Vitrinen. Das Ganze dauert eine, vielleicht zwei Minuten. Dann springt die Gang draußen in einen Volvo, schießt auf einen herankommenden Polizeiwagen und rast davon. In der Nähe der Kniebrücke zündet man im Fluchtfahrzeug einen Brandsatz, steigt dann um in einen dunklen Audi A8 und fährt auf der A 52 Richtung Holland. 20 Minuten später ist die Grenze erreicht. Das beobachtet ein Zeuge. Er ist der Letzte, der die Räuber sieht.
Die Ermittlungen laufen schnell auf Hochtouren. In Düsseldorf entsteht Streit, ob die Polizei die Gangster mit der Schusswaffe hätte stoppen müssen. Eins ist klar: Die Räuber hatten keinerlei Skrupel, hätten auch Tote in Kauf genommen. Dass bei der Schießerei kein Mensch zu Schaden kommt, grenzt an ein Wunder.
In den folgenden Tagen und Wochen gehen mehr als 170 Hinweise ein. Ein Verdächtiger, wegen eines früheren (erfolglosen) Überfalls bei Kern hier vor Gericht, schweigt. Die Hoffnung, er wisse von dem späteren, erfolgreichen Raub, sei gar daran beteiligt gewesen, erhärtet sich nicht. Die Polizei tappt im Dunkeln. Der A8 bleibt spurlos verschwunden, in Holland gibt es keinerlei Hinweise auf die Täter.
Wieso sind sie nicht zu fassen? Die Planung: Offenbar hatten die Räuber sowohl die Lage des Geschäfts wie auch die Fluchtroute exakt ausgespäht. Im Geschäft griffen sie zielstrebig nach den teuersten Uhren, der Überfall an sich dauerte nur wenige Minuten. Die Schnelligkeit: Den Räubern war klar, dass sie vom Zeitpunkt des Überfalls bis hin zu so genannten Ringfahndungen der Polizei, vor allem auf den Autobahnen, maximal 20 Minuten Zeit zur Flucht haben würden. Tatsächlich waren sie weg, bevor Polizeikontrollen eingerichtet werden konnten.
Die Bewaffnung: Die Räuber waren den anrückenden Polizisten eindeutig überlegen, sie benutzten Maschinengewehre und zögerten auch nicht, sie einzusetzen. Die Beute: Luxusuhren sind vor allem im Osten leicht abzusetzen, da sie trotz hohen Preises in Serien gefertigt werden. Es sind also keine auffallenden Einzelstücke wie z.B. Juwelen. Es gibt für diese Uhren einen Markt, der nicht viel fragt. Zeugen: Keiner konnte die maskierten Männer beschreiben, also könnte sie keiner wieder erkennen.
Seit dem Überfall im April 2005 ist auf der Kö mehr Polizei präsent - sichtbar und unsichtbar. Außerdem wurden die Bürgersteige mit Pollern gesichert, die tief im Boden verankert sind. Juweliere schützen ihre Auslagen außerdem mit Betonpfeilern gegen Räuber, die mit Fahrzeugen die Scheiben knacken wollen.
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