Satire über LTU-Arena: Stadt setzt Lesung von Krimi-Autor ab
VON BIRGIT KRANZUSCH - zuletzt aktualisiert: 14.03.2006 - 17:35Düsseldorf (dto). Horst Eckert nimmt den Klüngel in der Kommunalpolitik gerne aufs Korn und verarbeitet ihn in seinen Krimis oder Geschichten. Rund um den Fußball geht es in seinem neuen Sammelband „Blutgrätsche“. Kaum veröffentlich und nur wenige Wochen vor der Fußballweltmeisterschaft herrscht auch in Düsseldorf Krisenstimmung. Die Premierenlesung, die für den 30. März in der städtischen Zentralbibliothek geplant war, wurde nach Angaben des Autors und seines Verlags abgesagt. Durch das Presseamt von Oberbürgermeister Joachim Erwin.
Wie in seinem Roman „617 Grad Celsius“ hat der Autor und gelernte Journalist Horst Eckert sich auch bei seinem neuen Buch „Blutgrätsche“ von der Politik inspirieren lassen und Begebenheiten aus der Politik zu einer literarischen Version weitergesponnen. Wahre Begebenheiten beim Bau und Betrieb der neuen LTU-Arena in Düsseldorf sollen den Anstoß gegeben haben. „Entstanden ist eine Satire auf das, was Kommunalpolitik manchmal bedeutet“, so der Autor.
Unmut erregt scheinbar die Geschichte "Wege zum Ruhm“. Es geht um den fiktiven Oberbürgermeister Kroll, der wegen seiner Machenschaften rund um die neue Arena in der Klemme steckt, Ratsherr und Anwalt Wagner bietet Hilfe an, kann jedoch eine blutige Eskalation nicht verhindern. Am Schluss steht eine überstürzte Flucht, ein glücklicher Betrüger und die verrückte Hoffnung: "Vielleicht werden wir doch noch Austragungsort ..." Am 30. März sollte das Buch in einer Autoren-Lesung der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Doch am Dienstag erklärte Eckerts Verlag, dass die Premierenlesung aufgrund einer Intervention des Presseamtes des Oberbürgermeisters abgesetzt wurde. "Die Geschichte geht zu weit. Wir müssen dies nicht auch noch unterstützen", zitiert eine Nachrichtenagentur einen Rathaussprecher zur Begründung für die Absage. Für eine Stellungsnahme gegenüber RP Online war das Presseamt nicht zu erreichen.
„In dieser Stadt scheint eine Angststimmung zu herrschen, so dass Angestellte der Stadt schon vorab Maulkörbe verteilen“, erklärte Eckert am Dienstag. "Offenbar kann in Düsseldorf Oberbürgermeister Joachim Erwin Kulturveranstaltungen zensieren, wenn ihm der Inhalt nicht behagt." Auch der Dortmunder Grafit-Verlag, in dem das Buch erschienen ist, protestiert gegen "diesen selbstherrlichen Zensurakt der Verwaltung". Man erwarte von Erwin, sich "nachdrücklich für die Freiheit des Wortes einzusetzen". Die Buchhandlung Grauert, Mitveranstalter der geplanten Lesung, will unterdessen an dem Vorhaben festhalten und nun nach einem Ausweichort suchen.
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