Wenig Bewerberinnen: Stadt sucht Feuerwehrfrauen
VON JAN WIEFELS - zuletzt aktualisiert: 29.06.2010 - 08:37Düsseldorf (RPO). Da die Zahl der geeigneten Bewerber für den Feuerwehrberuf sinkt, wirbt die Stadt verstärkt um weibliche Einsatzkräfte. Chi Sarah Bartel ist die zweite Feuerwehrfrau in Düsseldorf – sie musste sich durchbeißen.
Sie steht auf der Drehleiter, hilft Verletzten als Rettungsassistentin und ist bei den Einsätzen ganz vorne dabei: Ihre Arbeit unterscheidet sich nicht von der ihrer männlichen Kollegen – und darauf legt Chi Sarah Bartel, Hauptbrandmeisterin an der Wache 4 an der Behrenstraße, viel Wert. "Eine Extrawurst, nur weil ich eine Frau bin, das kommt überhaupt nicht in Frage", sagt die 36-Jährige, die im Oktober 2008 als zweite Frau überhaupt ihre Arbeit bei der Düsseldorfer Feuerwehr begonnen hat.
Obwohl seit dem ersten Arbeitstag von Chi Sarah Bartel fast zwei Jahre verstrichen sind, hat es seitdem keine Frau mehr in die Düsseldorfer Feuerwehr geschafft. Geht es nach Feuerwehrdezernentin Helga Stulgies, ändert sich dies schon bald: "Es gibt das grundlegende Problem, dass es immer weniger geeignete Bewerber für den Feuerwehrberuf gibt. Unter anderem deswegen werben wir verstärkt dafür, dass sich auch mehr Frauen bewerben."
Daten und Fakten
Pro Jahr stellt die Feuerwehr Düsseldorf bis zu 50 Nachwuchskräfte ein.
In NRW sind 45 der rund 8300 hauptamtlichen Feuerwehrleute Frauen.
Der Eignungstest umfasst einen schriftlichen Teil, bei dem Rechtschreibung und logisches Denken abgefragt werden, und eine medizinische Prüfung.
Wie wenige Frauen sich für den Beruf interessieren, zeigen die Bewerberzahlen von 2009. Von den 1984 Bewerbungen kamen nur 91 von Frauen. "Viele schreckt der Einstellungstest ab, der für Frauen und Männer gleich ist", so die Feuerwehrdezernentin. Um den weiblichen Interessenten zu helfen, können sie in der Trainingsphase vor dem Einstellungstest nun ihre Fitness überprüfen lassen.
Hartes Training für den Test
Diese Hilfe hatte Chi Sarah Bartel nicht. Bevor sie vor elf Jahren in Osnabrück als Feuerwehrfrau anfing, nahm sie für den Test 15 Kilogramm ab, ging ins Fitnessstudio und nahm Mathenachhilfe. "Vor zehn Jahren, bevor es einheitliche Tests gab, war der Berufseinstieg für Frauen viel schwieriger. Nach Osnabrück bin ich damals gegangen, weil dort der Einstieg leichter war", so Bartel. 2008 gelang schließlich die Versetzung nach Düsseldorf – dorthin, wo sie immer schon arbeiten wollte.
Auf der Wache wird sie von ihren Kollegen geschätzt. "Wir sind ein Team und erledigen unsere Aufgabe, da spielt es absolut keine Rolle, welches Geschlecht der andere hat", sagt ihr Kollege Oberbrandmeister Stephan Langefeld. Dennoch trifft Chi Sarah Bartel auch auf Vorurteile. "In der Wache werde ich absolut akzeptiert, aber anderswo muss ich etwas mehr leisten", so die Hauptbrandmeisterin.
Dass der Beruf trotz 24-Stunden-Schichtdiensts für Frauen attraktiv ist, davon ist Feuerwehrchef Peter Albers überzeugt. "Der Beruf bietet gute Perspektiven für Frauen, die sich für technische Tätigkeiten interessieren." Das Düsseldorfer Schichtdienstmodell biete außerdem die Möglichkeit, Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Um das Risiko bei den Einsätzen zu minimieren, werde viel Wert auf die Ausbildung gelegt.
Erste Auswirkungen der Bemühungen um mehr Frauen in der Feuerwehr zeigen sich schon jetzt. Im Oktober tritt laut Helga Stulgies die dritte Frau ihren Dienst bei der Düsseldorfer Wehr an.
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