Naherholungsgebiet: Stadt will Aaper Wald notfalls kaufen
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 11.02.2011 - 08:35Düsseldorf (RPO). Wenn der ehemalige Truppenübungsplatz von einem privaten Eigner übernommen wird, fürchten Anwohner, aber auch Spaziergänger und Sportler, dass das Naturschutzgebiet nicht mehr zugänglich bleibt. Dem will die Stadt entgegen wirken – und das Gelände möglicherweise selbst erwerben.
Die künftige Nutzung des früheren Truppenübungsplatzes im Aaper Wald beunruhigt die Bewohner der benachbarten Viertel, aber auch viele weiter entfernt lebende Spaziergänger und Sportler: Das gesamte Areal ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Anlass der Beunruhigung ist die Frage , ob ein neuer Eigentümer – auch wenn er Landwirtschaft oder Pferdezucht betreibt – die Wege sperren dürfte, die bislang allen offen stehen. Die Stadt hat versucht, dies mit einer Veränderungssperre im Baurecht zu verhindern. Aber ob das wirklich wirkt, ist längst nicht sicher.
Gestern machte FDP-Frakions-Chef Manfred Neuenhaus erneut einen Vorstoß, um auch künftig zu gewährleisten, dass das Areal für alle offen bleibt. Die Stadt solle das Geld für einen Ankauf bereitstellen, falls die Verwaltung den Eindruck gewinne, eine weiterhin freie Zugänglichkeit sei nicht zu garantieren.
Wer? Sportler der Agentur actiondates rufen am Sonntag unter dem Motto „Wir wollen Wald“ Läufer und Wanderer zu einer fünf Kilometer langen, leisen Demonstration im Wald auf.
Wann? Sonntag, 13. Februar, ab 10 Uhr
Wo? Treffpunk Parkplatz Rennbahn-/ Ecke Fahnenburgstraße
Neuenhaus hatte bereits Mitte Dezember gefordert, das Geld für einen Ankauf des Waldes bereitzustellen, falls OB Dirk Elbers bei Verhandlungen mit potenziellen Käufern den Eindruck bekommt, der freie Zugang zu dem Naherholungsgebiet sei nicht gesichert. Jetzt drückt der Liberale aufs Tempo und fordert, dass die Stadt sich möglichst schnell und klar positioniert: "Wir müssen das Geld bereitstellen, sonst wird der Preis für das Grundstück noch weiter nach oben getrieben."
Neuenhaus denkt dabei an 12,6 Millionen Euro, das sei das Doppelte des Schätzwerts. "Das muss es uns wert sein", so Neuenhaus. "Das ist ein Naherholungsgebiet für alle Bürger, alle Düsseldorfer sind da mal Schlitten gefahren." Deshalb sei er für den Bürgerprotest sehr dankbar. Mit CDU-Fraktionschef Friedrich G. Conzen sei er sich in dieser Sache einig. Conzen drückt das allerdings etwas vorsichtiger aus: Man müsse darüber nachdenken, wie man das Gebiet für die Bevölkerung offen halte, sagte er. Dass Neuenhaus jetzt mit dem Vorschlag nach draußen geht, die Stadt wolle das Gelände selbst kaufen, hat die CDU irritiert. Damit bringe man sich in eine ungünstige Verhandlungsposition, meint CDU-Ratsherr Andreas Hartnigk, der aber inhaltlich hinter der Idee steht, dass die Stadt selbst einspringt.
Auch SPD und Grüne befürworten einen Ankauf des Bundes-Areals durch die Stadt. Wolfgang Gruß, Sprecher der Bürgerinitiative Aaper Wald, bleibt jedoch skeptisch: "Das Engagement des Stadtrats ist okay, aber mit der Stadtverwaltung haben wir einfach schon zu schlechte Erfahrungen gemacht." So habe Planungsdezernent Gregor Bonin anfangs keinen Handlungsbedarf gesehen und die Bedeutung des Waldes für die Bevölkerung völlig unterschätzt. Deshalb sammelt die Initiative weiter Unterschriften für ein entsprechendes Bürgerbegehren.
18 000 sind dafür nötig, bis gestern waren es mehr als 10 000. Gruß rechnet fest damit, dass es am Montag, nach dem Solidaritätslauf (siehe Info-Kasten) 13 000 sein werden. "Wir wollen es so schwer wie möglich machen, an so viel Bürgerengagement vorbeizugehen." Gruß rechnet vor, dass die Stadt für 18 000 Quadratmeter Altstadtpflaster 5,7 Millionen Euro ausgebe. "Da sind doch 12,6 Millionen Euro für zwei Millionen Quadratmeter Landschaftsschutz- und Naherholungsgebiet nahezu ein Schnäppchen!"
Das Gelände des Aaper Waldes diente seit 1937 der Wehrmacht und später der Bundeswehr als Truppenübungsplatz. 2009 verließen die Soldaten das Areal. Eigentümer ist die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten. Das Gelände hat eine Größe von 202 Hektar. Es besteht aus Grünland, Ackerflächen und Forstbereichen. Für die Stadt ist diese Fläche ein Naherholungsgebiet und wird von Segel- und Modellfliegern, Laufgruppen, Walkern, Reitern und Spaziergängern genutzt.
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