Düsseldorf: Standesamt traut nicht am 10. 10. 10
VON ANDREAS PANKRATZ - zuletzt aktualisiert: 01.10.2010 - 07:12Düsseldorf (RPO). Für Brautpaare ist der 10. Oktober in diesem Jahr ein attraktives Datum, um sich das Ja-Wort zu geben. Deswegen öffnen viele Städte ihre Standesämter ausnahmsweise auch am Sonntag. Düsseldorf macht nicht mit, weil die Mitarbeiter großen Wert auf den gesetzlichen Ruhetag legen.
Am 10. Oktober wird Dirk Elbers von seinem oberbürgermeisterlichen Privileg Gebrauch machen und seinen Freund Michael Fröhlich pünktlich um 10.10 Uhr mit dessen Verlobter Lilia Sabantina vermählen. Die Hochzeit des prominentesten Autohändlers der Stadt wird an diesem symbolträchtigen 10.10.2010 jedoch die einzige in Düsseldorf sein.
Denn das Standesamt der Landeshauptstadt bleibt wie an jedem Sonntag geschlossen. Trotz Schnaps-Zahl, die bei vielen Heiratswilligen buchstäblich die Alarmglocken läuten lässt, machen die Beamten auch dieses Mal keine Ausnahme.
"Der Sonntag ist uns als Ruhetag heilig", begründet Klaus Bachtenkirch, Leiter des Düsseldorfer Standesamtes, die Entscheidung, an dem arbeitsfreien Tag festzuhalten. Außerdem will das Amt keinen Präzedenzfall für Brautpaare liefern, die künftig an freien Tagen heiraten wollen – weil etwa die Eltern an jenem Tag ihre goldene Hochzeit feiern. Nur in Notfällen, wenn etwa ein Partner im Sterben liegt, werde in Düsseldorf auch sonn- und feiertags geheiratet.
Viele Standesämter geöffnet
Ohnehin sei die Nachfrage nach dem 10.10. bei den Anmeldungen gering gewesen. In vielen anderen Städten des Bundeslandes können Paare und die jeweiligen Standesämter diesem Termin mehr abgewinnen. Allen voran in Köln. So werden in der Domstadt zehn Standesbeamten fast 60 Paare in den heiligen Stand der Ehe begleiten – an normalen Tagen sind es maximal 40. "Weil Köln eine jecke Stadt ist, bieten wir unseren Bürgern ein jeckes Datum an", sagt Günter Stommel, stellvertretender Leiter des Kölner Standesamtes. Ähnlich groß ist die Resonanz in Mönchengladbach, wo 22 Paare am 10.10. heiraten werden. "Wir sind damit vollständig ausgebucht", sagt Stadt-Sprecher Wolfgang Speen.
"Medial aufgebauscht"
Auch die Neusser machen mit. "Für solche Tage haben wir traditionell viele Anfragen", sagt Peter Fischer, Pressesprecher der Stadt Neuss, wo sich 20 Verlobte in mehreren Trauräumen das Ja-Wort geben wollen. "Alle unsere Standesbeamten sind dabei", so Fischer. Duisburg, Aachen und beispielsweise Essen sind weitere Städte, die dem speziellen Wunsch entsprechen und ihr Personal zum Ringe-Tausch antreten lassen. Krefeld, Kaarst und auch Münster folgen hingegen dem Beispiel Düsseldorfs. Immerhin bietet das hiesige Standesamt zweimal im Monat Vermählungen an eigentlich arbeitsfreien, dafür bei Hochzeitsgesellschaften umso beliebteren Samstagen und Freitagnachmittagen an.
Ob 1. Januar 2010, 5. Mai 2005 oder eben der 10. Oktober 2010 – aus Sicht des Standesamtsleiters Bachtenkirch werden Schnaps-Daten medial stark aufgebauscht. Die Hochzeit bekomme einen "Eventcharakter", der den eigentlichen Festtag noch einmal überhöhen muss. Er erinnert sich an einen Extremfall, als ein junger Mann um jeden Preis am 09.09.99 heiraten wollte: "Als der zur Anmeldung kam, hatte er noch nicht mal eine Partnerin zum Heiraten."
Allerdings beobachtet Bachtenkirch, dass durch die Inflation der symmetrischen Hochzeitstermine der Trend inzwischen nachgelassen hat. Vor allem im nächsten Jahr werde aber ein ganz besonderes Datum bei vielen Paaren beliebt sein – und das nicht nur, weil es ein Freitag ist. "Für den 11.11.2011 rechnen wir mit einem großen Ansturm und werden versuchen, alle Trauungswünsche zu berücksichtigen", verspricht Bachtenkirch. Trotz Hoppeditz-Erwachen trauen die Standesbeamten jedoch streng nach Vorschrift nur nüchterne Paare. Bunte Kostüme sind hingegen erlaubt.
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