Maritim-Hotel: Stars kämpfen für Nachhaltigkeit
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 07.11.2009 - 10:11Düsseldorf (RPO). Zahlreiche Prominente aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur haben sich gestern beim Deutschen Nachhaltigkeitstag in Düsseldorf für mehr Umweltschutz und bürgerschaftliches Engagement ausgesprochen – und auch gezeigt, wie dies praktisch umsetzbar ist.
Umweltschutz und soziale Verantwortung hatten gestern zwischenzeitlich schlechte Karten. Sie sollten beim Deutschen Nachhaltigkeitstag im Düsseldorfer Maritim-Hotel eigentlich im Mittelpunkt stehen, Gesprächsthema Nummer eins aber war Jane Fonda. Wie gut sie aussieht, wie mutig sie für Frauenrechte kämpft – und welchen charmanten Witz sie beim Nachhaltigkeits-Symposium gemacht hatte. Von der Bühnenkante hatte sie die Menschen fotografiert, die sie fotografierten. "Das ist für meinen Blog", sagte die 71-Jährige.
Mit Jane Fonda hat der Deutsche Nachhaltigkeitspreis schon in seinem zweiten Jahr ein wichtiges Markenzeichen entwickelt. Starke Frauen prägen Symposium und die festliche Verleihung des Nachhaltigkeitspreises. So wie Hollywood-Schauspielerin Fonda in diesem Jahr hatte 2009 Sängerin Annie Lennox den stärksten Eindruck bei den Gästen hinterlassen.
Initiator Stefan Schulze-Hausmann will mit Symposium und Gala zugleich Monitor und Motor für nachhaltige Entwicklung sein. Unternehmen, Institutionen und Verbände zeigen, welche neuen Ideen sie entwickelt haben, und inspirieren dadurch andere. Bei der abschließenden Gala erhielten neben den Unternehmern auch Stars Ehren- und Sonderpreise, die sich besonders für eine zukunftsfähige Gesellschaft engagieren (siehe Info).
Für sein Projekt hat Schulze-Hausmann in diesem Jahr Bundeskanzlerin Angela Merkel als Schirmherrin gewonnen und einen beachtlichen Auflauf an Prominenten in der Landeshauptstadt verursacht. Über den roten Teppich liefen am Abend unter anderem Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung, Kabarettist Eckart von Hirschahusen, Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick (inzwischen stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Schwimmhilfe), der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, Moderatorin Birgit Schrowange und Wissenschaftsjournalist Jean Pütz.
Einige der prominenten Gäste in der Landeshauptstadt beteiligten sich bereits am Nachmittag rege an den Debatten über Nachhaltigkeit. Für den früheren Außenminister Joschka Fischer und den Vorsitzenden des Weltklimarates, Ottmar Edenhofer, stand dabei der Kopenhagener Klimagipfel im Dezember im Mittelpunkt. Edenhofer erläuterte die Probleme der Verhandlungen über Emissions-Grenzen mit einem Bild: "Zehn Menschen sitzen in der Wüste, zwei von ihnen haben schon die Hälfte der Wasservorräte getrunken und verlangen nun von den anderen, den Rest gleichmäßig zu teilen." Die zehn Menschen würden voraussichtlich nicht an Wassermangel, sondern an ihren Konflikten sterben, sagte Edenhofer.
Fischer blieb im Bild und verschärfte das Problem: "Die zwei haben vielleicht ein schlechtes Gewissen, aber sie denken beide auch, dass sie weiter trinken sollten." Diese diplomatischen Schwierigkeiten zwischen Europa, den USA und dem Rest der Welt nutzte Fischer aber auch für einen Appell an die Unternehmensvertreter in Düsseldorf: "Nutzen sie die politische Blockade als Chance, zu beweisen, dass die Privatwirtschaft den Mut hat voranzugehen."
Der neue Finanzminister Wolfgang Schäuble übermittelte den Besuchern des Symposiums in einer Videobotschaft seine Vorstellung von Nachhaltigkeit. Sein Motto sei "nichts im Übermaß", weil der Mensch seine Errungenschaften stets dadurch zerstört habe, dass er übertrieben habe. Deshalb sei es auch so wichtig für die Bundesregierung, die jetzige Neuverschuldung so bald wie möglich zurückzuführen und einen für alle Generationen gerechten Bundeshaushalt aufzustellen.
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