Familienkongress: Stephanie zu Guttenberg in Düsseldorf
zuletzt aktualisiert: 14.06.2010 - 09:23Düsseldorf (RPO). Kleinkinder haben nicht die Möglichkeit, ihren Eltern zu sagen: „Hallo, ich möchte mir meine Zukunft nicht verbauen“. Viele Jahre sind sie auf elterliche Entscheidungen angewiesen, sagte Neurobiologe Kristian Folta beim Familienkongress, den das Familiennetzwerk Deutschland organisierte.
Mehrere Forscher aus dem In- und Ausland diskutierten, was denn eigentlich das Geheimnis eines erfolgreichen Lebens ist, wo sich doch die Bildung längst zu einem gesellschaftlichen Schlüsselthema heraus geputzt hat. Nicht ein lückenloser Werdegang, eine gute Matura und ein entsprechender Universitätsabschluss sind demnach wegweisend. Der Grundstein liegt in der frühkindlichen Erziehung - so jedenfalls der Grundtenor: Keine Bildung ohne Bindung, hieß es.
Hohen Besuch gab es am zweiten Kongresstag aus Berlin von Stephanie zu Guttenberg, die die Schirmherrschaft des Kongresses übernommen hatte. Immerzu gehe es - wenn man doch eigentlich über seine Kinder spricht - vielmehr um einen selbst, sagte die Frau des Verteidigungsministers: „Wie geht es dem Kind mit meiner Scheidung?“, fragten sich viele, oder: „Wie vereinbare ich das Kind mit meinem Beruf?“.
Dabei müsste das Kind eigentlich vielmehr ins Zentrum gerückt werden, ist die Mutter von zwei Töchtern überzeugt. Sie plädierte für die drei Z’s, die da heißen: Zeit, Zärtlichkeit, Zuwendung. Schuld sei aber auch die Gesellschaft, so Guttenberg, die eine Frau in der heutigen Zeit schräg anschaue, wenn sie zu Hause bleibt und sich um den Haushalt und die Erziehung der Kinder kümmert. „Dabei ist es ein so großes Geschenk, das Mutterglück erleben zu dürfen“, gab sie den Zuhörern mit auf den Weg. Das solle man nicht vergessen auf dem Selbstverwirklichungspfad, nur der besseren Story wegen. Damit vertrat sie im Grunde genommen den gleichen Standpunkt wie die Wissenschaft, die unter dem mehrfach gefallenen Dogma der „Bildung durch Bindung“ darauf verwies, dass für die Herausbildung der Persönlichkeit mit einem gesunden Selbstbewusstsein die Lebensjahre eins bis drei von größter Bedeutung sind.
„Die Bindung zur Mutter ist ein elementares Bedürfnis“, stellte Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz fest. Zudem spüre ein Kind, ob es gewollt ist oder nicht und ob es vor allem auch in seiner Begrenztheit akzeptiert wird - in der heutigen Leistungsgesellschaft sei dies völlig verloren gegangen, mahnte Maaz. Genauso verlustig gegangen ist nach Meinung des Frankfurter Sozialpsychologen Tilman Allert der Wert der Familie, die aber, wie auch Stephanie zu Guttenberg betonte, nicht ersetzt werden könne - auch und gerade nicht vom Staat.
Allert beobachtet eine Entwertung der Familie, die schon in der Nachkriegszeit begonnen habe. Für die Entwicklung des Kindes sei die Liebe des Paares jedenfalls der Schlüssel für eine gesunde Entwicklung. Und letztlich nutzen gesunde Persönlichkeiten im Umkehrschluss auch wieder der Gesellschaft.
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