„Libussa“ in Düsseldorf: Sternstunde des Theaters
VON A. BOSETTI - zuletzt aktualisiert: 09.05.2008 - 11:57Düsseldorf (RPO). Gelb-gold glüht die Bühne. Im Strudel des Wasserfalls droht ein feengleiches Wesen zu ertrinken, das ein Bauer rettet. Das Schicksal setzt der Königstochter weiter zu: Sie wird Regentin von Böhmen werden und den Versuch unternehmen, das Zusammenleben der Menschen durch Vertrauen und Milde zu organisieren. Doch sie wird scheitern mit ihrem Modell der Harmonie, weil ihre Utopie vom Glück nicht aufgeht in einer an Besitz, Recht und Macht orientierten Gesellschaft. Diese sagenhafte Frau heißt „Libussa“ wie das Trauerspiel von Franz Grillparzer, das 1874 am Burgtheater Wien uraufgeführt und seitdem nicht oft gespielt wurde.
Vor zehn Jahren habe ihr Claus Peymann den Text empfohlen, erzählt die Regisseurin. Und „Libussa“ lohnt fürwahr die Entdeckung, weil der Stoff gedanklich besticht, bildlich betört und sprachlich erbaut. Über seine Zeit hinaus ist er historisch gültig, wahrhaftig, politisch und kritisch.
Jetzt setzte Konstanze Lauterbach „Libussa“ für das Düsseldorfer Schauspielhaus in Szene, und der vielfach ausgezeichneten Regisseurin gelang mit der Premiere am Samstag eine Sternstunde des Theaters. Dicht bespielt sie über fast drei Stunden die Bühne; steuert bei mehr als 30 Schauspielern die Bewegungsabläufe wie die Sprechkultur vom einfachen Ton bis hin zu Entrückung und Ekstase. Darüber hinaus erfindet sie ungeahnte, hinreißende Bilder für die Funken schlagenden Emotionen. Das Ensemble überzeugt ausnahmslos in den inspirierten Bühnenbildern von Andreas Jander, in fantasievollen Kostümen von Daniela Villaret.
Libussa, so wie die zarte Janina Sachau sie verkörpert, tritt uns ganz nah; sie wird als komplexe Frauenfigur verstanden, die sich letztlich ans Menschliche verliert. Ihren Mann, der sich vom Bauern zum verzweifelten Gegenspieler entwickelt, gibt Michele Cuciuffo hochdramatisch. Die Schwestern spielen kühl und weise Katherina Lange und Anne Knaak; satirisch genug und doch menschlich: die Vladiken von Heiko Raulin, Daniel Graf und Herbert Schäfer. Die Amazonen markieren geschmeidig und lustbetont das kurz herrschende Matriarchat – wie auch seinen Niedergang.
„Libussa“ ist ein politisches Märchen von gestern für heute, lehrreich, erbaulich, anregend. Es gab lang anhaltenden Applaus.
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