Gema-Gebühren: Streit um die "Stahlwerksinfonie"
VON MICHAEL WENZEL - zuletzt aktualisiert: 28.04.2010 - 07:43Düsseldorf (RPO). Jürgen Engler von der Band "Die Krupps" reagiert erstmals auf die Vorwürfe, Bandmitglieder um Einnahmen betrogen zu haben. Es droht ein Prozess, bei dem die Frage verhandelt werden könnte, ob die berühmte "Stahlwerksinfonie" korrekt bei der Gema angemeldet wurde.
Am 20. März 1981 waren sie noch Freunde. "Alle haben unterschrieben, ohne sich darüber im Klaren zu sein, was das bedeutet", erinnert sich Jürgen Engler an den Tag vor 29 Jahren. Und an das Schriftstück, präsentiert von Bandkollegin Eva-Maria Gössling, das alle fünf Musiker aus Düsseldorf unterschrieben haben. Alle Einkünfte aus Rechten und Nebenrechten der gemeinsamen Aufnahmen sollten geteilt werden. Danach spielten Die Krupps die "Stahlwerksinfonie" ein – jenes Stück, das die Karriere der Band begründete.
Seitdem ist viel Zeit vergangen. Gössling und der inzwischen in den USA lebende Engler haben lange nicht mehr miteinander gesprochen. Es droht möglicherweise ein Prozess, bei dem die Frage verhandelt werden könnte, ob das Werk der Krupps korrekt bei der Verwertungsgesellschaft Gema angemeldet wurde.
Es wäre nicht die erste gerichtliche Verhandlung in dieser Sache. Gössling fühlt sich um einen Teil der Einnahmen betrogen, listet die wirtschaftlichen und rechtlichen Ungereimtheiten in ihrem Blog evaresken.de auf. Nun verteidigt sich Engler erstmals gegen die Vorwürfe.
Der Streit reicht weit zurück. Da Jürgen Engler und Bernward Malaka die "Stahlwerksinfonie" konzipiert hatten, wurde das Stück bei der Gema mit ihnen als Komponisten und Urhebern eingetragen. Die Urbesetzung der Band war – künstlerisch wie privat – bereits Geschichte, als Gössling im Januar 1985 ihren Anteil an den Gewinnen aus der "Stahlwerksinfonie" einklagte.
"Dummerweise war ich bei der Verhandlung damals nicht anwesend", sagt Engler, der zu jenem Zeitpunkt in England arbeitete. "Wir hätten ein gebuchtes Studio samt Produzenten bezahlen müssen, wenn wir den Termin abgesagt hätten." Engler verlor den Prozess und musste einen dreistelligen D-Mark-Betrag an die ehemalige Weggefährtin zahlen.
Anfang der 90er Jahre trat Engler seinen Anteil der Rechte an der "Stahlwerksinfonie" an den Musikverlag Discoton ab – heute ein Teil von Sony BMG. In der Folge übernahm das Label die rechtlichen Angelegenheiten. Engler konnte sich ganz auf die Musik konzentrieren. Die Krupps wandelte sich von der Elektronik- zur Metal-Band, beeinflusste Bands wie Rammstein.
2007 erhielt Engler eine Nachricht von Eva-Maria Gössling, wonach es eine Veränderung in der Gema-Anmeldung der "Stahlwerksinfonie" gegeben hatte. 1991 hatte es durch den Verlag Discoton – fälschlicherweise und ohne sein Wissen – eine Ummeldung als englisches Stück "Stahlwerksymphony" zugunsten aller fünf Beteiligten gegeben, sagt Engler.
"Ich schickte daraufhin der Gema eine E-Mail – mit Gössling und Schlagzeuger Frank Köllges in Kopie – und bat, das ursprüngliche Werk wieder auf alle Urheber umzumelden." Die Gema antwortete, dass die entsprechenden Änderungen vorgenommen werden, sobald eine von allen Beteiligten unterzeichnete Einverständniserklärung vorliegen würde. Eine entsprechende Nachricht von Gössling und Köllges lässt indes bis heute auf sich warten.
"Das Werk ist Vergangenheit"
"Das Werk ist für mich Vergangenheit", sagt Engler. Der 49-Jährige lebt in Austin, Texas, arbeitet dort als Musikproduzent mit Künstlern wie Funk-Legende Sly Stone oder Punk-Urvater Iggy Pop. Die Krupps ist in anderer Besetzung weiter aktiv: Über das Internet steht Engler in engem Kontakt mit seinem Düsseldorfer Bandkollegen Ralf Dörper , mit Marcel Zürcher und Chris Lietz, um sich untereinander neue Aufnahmen zuzuschicken. So kam Material für über 20 neue Songs zusammen, die bald in ein neues Album münden sollen.
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