Gaslaternen: Streit um Gaslicht mit Strom
VON MICHAEL BROCKERHOFF - zuletzt aktualisiert: 26.04.2010 - 07:00Düsseldorf (RPO). Die neuen LED-Einsätze für Gaslaternen sind so perfekt, dass sie zum Patent angemeldet wurden. Die große Ähnlichkeit verschärft die Auseinandersetzung zwischen Gegnern und Befürwortern einer Umrüstung.
Die Fronten bei der Auseinandersetzung um den Erhalt der Gaslaternen in Düsseldorf verhärten sich. Die Initiative Pro Gaslicht beklagt, dass der Stadtrat immer noch keine Entscheidung gefällt hat, den Gasbetrieb zu erhalten. Sie sieht die Gefahr, dass die alten Gehäuse verrotten, wenn auf die Energieart Strom umgestellt wird. Dagegen sind die Befürworter eines Wechsels froh, dass jetzt rund ums Rathaus Alt-Düsseldorfer Lampen aufgestellt worden sind, die mit LED-Leuchten ausgestattet sind und deren Lichtfärbung so gut wie nicht von dem warmen Schein der Gasstrümpfe zu unterscheiden ist.
Bestellungen aus Berlin
Seit 1848 werden Straßen und Wege in Düsseldorf mit Gaslaternen beleuchtet.
Mehr als 16 000 Gaslaternen sind noch in Betrieb. Es gibt verschiedene Typen. Die Altdüsseldorfer und die Frankfurter Leuchten (etwa 4500 Stück) sind historisch bedeutsam. Auch die Aufsatzlampe gilt als erhaltenswert.
"So können sich alle davon überzeugen, dass vom Charme und von der schönen Atmosphäre nichts verloren geht", erklärt Uwe Isenbügel, Inhaber der Firma Industrielle Computertechnik, der mit Elektrotechnikermeister Georg Eickholt die Technik entwickelt hat. Sie ist soeben zum Patent angemeldet worden. Die Technik sei so überzeugend, "dass wir schon aus vielen Städten in Deutschland, selbst aus Berlin, Bestellungen bekommen haben", berichtet Eickholt. Die Ersparnisse bei den Betriebskosten und die Vorteile für den Umweltschutz seien enorm. Der Energieverbrauch sei um 95 Prozent geringer, der Ausstoß von CO2 etwa 85 Prozent.
Umgerechnet auf die 17.000 Gaslaternen in Düsseldorf "ist das jährlich soviel CO2, das 6000 Autos ausstoßen würden, wenn sie pro Jahr 15000 Kilometer in der Stadt fahren würden", hat Isenbügel errechnet. Ein weiterer Vorteil: "Die Wartung ist einfacher, mit 50 000 Stunden gegenüber 4000 Stunden eines Gasstrumpfes hat LED eine sehr viel längere Lebensdauer", so Eickholt. Und die Laternen würden nicht so schnell verschmutzen.
Das aber bestreitet Georg Schumacher von der Initiative pro Gaslicht. "Die Alt-Düsseldorfer Leuchten, in denen schon vor Jahren einfach Energiesparlampen montiert wurden, sind verrottet und rosten, weil das Kondenswasser nicht mehr durch die Gasverbrennung getrocknet wird", sagt er. Beispiele für den Zustand seien an der Schneider-Wibbel-Gasse zu sehen. Das zeige, dass nach einem Umrüsten das originale Laternensystem nicht erhalten werden könne. Schumacher: "Wir brauchen dann Nachbauten wie in Disneyland." Befürworter der umweltfreundlichen LED-Technik sind froh, dass sich jetzt jeder selbst ein Bild über die Wirkung am Rathaus machen kann.
"OB Elbers hat für die Lampen aber keine Gaslaternen umrüsten lassen, sondern es wurden kaputte modernere Elektro-Laternen im Stil der Altstadt ersetzt", betont Ratshaussprecher Kai Schumacher. Mit der Montage sei auch noch keine Entscheidung für oder gegen LED-Technik gefallen. Die wird erst bei der Verabschiedung des Masterplans Straßenbeleuchtung getroffen, der den Ausschüssen im Sommer vorgelegt werden soll.
Perfekter Nachbau
Der LED-Einsatz für die Altdüsseldorfer Leuchten ist dem Original täuschend ähnlich, weil auch die Apparate für den Gas-Zündmechanismus nachgebaut werden, obwohl sie für Stromtechnik keine Rolle spielen. Sie wird aber genutzt, um die Kabel unsichtbar zu den LED-Leuchten zu führen. Mehrere dieser winzigen Leuchten sind jeweils unter einer Kunststoff-Glocke, die dem Gasstrumpf nachempfunden ist. Durch diese Glocke verschwimmen die Lichtpunkte in der Dunkelheit zu einer erleuchteten Fläche.
Die Leuchtmittel können laut Hersteller so angeordnet werden, dass das Licht asymmetrisch strahlt, so dass etwa ein direktes Hineinleuchten in Wohnungsfenster vermieden wird. Zudem sei eine Einstellung möglich, die bei gleicher Lichtfärbung eine intensivere Lichtausbeute ermöglicht.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







