Flingern: Streit um Heroin-Ambulanz
VON ANANDA MILZ UND MARTIN OBERPRILLER - zuletzt aktualisiert: 28.10.2010 - 08:56Düsseldorf (RPO). Die Bezirksvertretung Flingern/Düsseltal lehnte eine Anlaufstelle für Süchtige an der Flurstraße ab. Für das Gesundheitsamt wäre die Gegend aber ohnehin nicht in Frage gekommen. Nun sucht man eine Stelle in der Nähe der Drogenszene. Doch auch an dem Plan gibt es Kritik.
Geht es nach der Bezirksvertretung 2 (Flingern, Düsseltal), wird es an der Flurstraße auf jeden Fall keine Heroin-Ambulanz geben. Mit den Stimmen von CDU und FDP nahmen die Stadtteil-Politiker jetzt einen Antrag der Union an, der eine solche Anlaufstelle für Drogensüchtige dort ablehnt. "Die wäre an der Flurstraße sozusagen Wand an Wand mit einem Kindergarten und einer Grundschule", begründete Bezirksvorsteherin Annelies Böcker (CDU) gestern die Entscheidung.
Standort nicht im Wohngebiet
Heiko Schneitler, Leiter des Gesundheitsamtes, betont indes, dass Flingern von Anfang an nicht der geeignete Standort für die geplante Heroin-Ambulanz gewesen sei. "Der Stadtteil ist gleich aus mehreren Gründen dafür ungeeignet", erklärte Schneitler gegenüber der Rheinischen Post. "Der größte Punkt, der dort gegen die Ambulanz spricht, ist, dass es zu viele Anwohner gibt." Generell seien für die Eröffnung der Ambulanz eine Reihe von Auflagen zu beachten.
So muss die Immobilie nach Aussage des Gesundheitsamtes etwa über einen großen Tresor für die Aufbewahrung des Heroins sowie über einbruchsichere Fensterscheiben verfügen. "Am besten wäre eigentlich ein altes Bankgebäude", erklärt der Amtsleiter.
Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Lage. Nicht im Wohngebiet, dafür am besten an einem Ort, der nahe der hiesigen Drogenszene gelegen ist. "Wir suchen gemeinsam mit dem Amt für Immobilienmanagement unter Hochdruck in der Innenstadt nach so einer Immobilie", betont Schneitler. Doch wann letztlich der Startschuss für die neue Heroin-Ambulanz fallen wird, ist noch nicht gewiss. "Ich bin von Hause aus Optimist, aber für die Methadon-Ambulanz an der Graf-Adolf-Straße haben wir auch ein, zwei Jahre bis zur Eröffnung gebraucht", gibt Schneitler zu bedenken.
Allersdings, gerade was die Nähe zur Drogenszene angeht, erntet Schneitler Widerspruch von Bezirksvorsteherin Böcker. Für sie gehört eine solche Ambulanz prinzipiell nicht in die Innenstadt. "Das wäre der falsche Weg", meinte die Bezirksvorsteherin. Ihr schwebt vielmehr eine Stelle vor, die auch weit draußen liegen kann. "Die Süchtigen bekommen bei einer solchen Ambulanz qualitativ reines Heroin und würden darum auch weitere Wege in Kauf nehmen, begründete Annelies Böcker.
Laut Statistik sind es aktuell rund 1300 Drogenabhängige, die in Düsseldorf kontrolliert Methadon bekommen. Für eine gezielte neue Heroin-Abgabe gab es seitens der Bundesregierung nun grünes Licht. Die Gründe: Nicht alle Betroffenen vertragen Methadon und sollen deshalb durch kontrolliert verabreichtes Heroin – in Fachkreisen: Diamorphin genannt – den Weg zurück in ein geregeltes Leben ermöglichen. Zudem soll durch die Abgabe die Beschaffungskriminalität minimiert werden. Ein Konzept, das in der Ambulanz in Bonn bereits angelaufen ist und mit dem, so die Stadt, gut gefahren wird.
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