Nachfrage ist da: Streit um längeren Weihnachtsmarkt
VON LESLIE BROOK UND ANKE KRONEMEYER - zuletzt aktualisiert: 19.12.2009 - 09:43Düsseldorf (RPO). Die Idee, die Buden noch bis ins neue Jahr stehen zu lassen, wird diskutiert: Einige Händler - vor allem jene, die gastronomische Stände betreiben - würden sich freuen. Protest regt sich dagegen bei DMT, beim Hotel- und Gaststättenverband und bei den Einzelhändlern.
Einen Tag vor Weihnachten ist in Düsseldorf Schluss mit dem Bummel über den Weihnachtsmarkt, dann bauen die Händler ihre Buden ab. Das würden einige der Standbetreiber jetzt gerne ändern und den Weihnachtsmarkt generell bis Anfang Januar verlängern - die Hütten stehen, viele Besucher haben Ferien, die Stadt ist auch nach den Feiertagen oft rappelvoll. „Die Idee finde ich richtig gut“, sagt Liane Teichmann, Betreiberin des Glühwein-Pavillons vor dem Carsch-Haus. „Die Nachfrage ist auf jeden Fall da, unsere Kunden sprechen uns gezielt darauf an, ob wir nicht zwischen den Tagen aufmachen können. Dann haben sie Zeit und würden gerne über den Markt laufen und einen Glühwein trinken.“
Auch Karl-Heinz Ruf von der Käsealm auf dem Gustaf-Gründgens-Platz unterstützt die Idee: „Da würden wir sofort mitmachen, für unsere Stammkunden wäre das schön, und auch umsatzmäßig würde sich das sicherlich lohnen.“ Einzige Einschränkung: „Der Heiligabend ist ein Heiligtum, da müsste der Markt geschlossen haben, danach könnte es weitergehen - vielleicht sogar mit einer Silvesterfeier auf dem Markt.“
Das Echo der befragten Händler auf den sechs Märkten fällt unterschiedlich aus. Betreiber von Essens- und Getränkeständen befürworten größtenteils die Idee, Händler von Weihnachtsschmuck sowie auswärtige Standbetreiber sehen die Initiative skeptischer. „34 Tage Weihnachtsmarkt reichen“, sagt Ulrike Fischer, die Handarbeiten aus Holz und Papier auf dem Sternchenmarkt verkauft.
Die Düsseldorferin steht fünf Wochen lang jeden Tag neun Stunden in ihrer Hütte. „Irgendwann muss mal Schluss sein - und dann freue ich mich auf Weihnachten.“ An ein großes Umsatzplus durch elf weitere Tage glaubt sie nicht. Das sehen Ute und ihr Sohn Tobias Knell, Händler auf dem Rathaus- und Gustaf-Gründgens-Platz ähnlich. Sie befürchten, dass mehr Kunden kommen, die Waren zurückbringen, als Käufer. Zudem müssten die Pfälzer ihr Appartement länger mieten.
Die Meinung des Veranstalters, Düsseldorf Marketing Tourismus (DMT), des Einzelhandelsverbandes und des Hotel- und Gaststättenverbandes ist eindeutig: Sie sind dagegen, den Markt zu verlängern. Waltraud Loose spricht für die Einzelhändler: „Das heißt doch Weihnachtsmarkt - darum sollte er auch nur bis Weihnachten laufen.“ Pierre de la Motte spricht für die DMT: „Dann müssten wir ja all die Buden abbauen, die Weihnachtsartikel anbieten. Das sähe nicht schön aus und wäre logistisch schwierig.“
Außerdem seien die normalen Gastronomen in der Innenstadt froh, wenn alle Glühwein- und Bratwurstbuden wieder abgebaut wären. Rainer Spenke vom Hotel- und Gaststättenverband: „Verlängern? Bitte nicht.“ Irgendwann müsse es doch mal gut sein. Sascha Hauck betreibt mit seiner Familie vier Buden auf dem Schadowplatz. Sie wären froh über einen längeren Markt. „Warum kann man denn die Buden mit den Weihnachtsartikeln nach dem Fest nicht an andere Interessenten weitervermieten?“ Hauck rät den Veranstaltern, nach vorne zu gucken, sich weiterzuentwickeln und zu überlegen, wie man den Markt auch in den nächsten Jahren noch interessanter machen könnte.
Das Beispiel Berlin zeigt, dass Weihnachtsmärkte, die bis Januar dauern, gut angenommen werden. Der Weihnachtszauber an der Gedächtniskirche mit 100 Ständen hat bis zum 3. Januar geöffnet. Auch in Wetzlar - Markt-Ende ist ebenfalls der 3. Januar - gibt es nach Auskunft von Wirtschaftsförderer Rainer Dietrich keine Probleme mit der festen Gastronomie und dem Handel. Im Gegenteil: Der Adventsmarkt Schillerplatz lockt weitere Gäste in die Stadt, sagt Dietrich. „Es herrscht immer viel Betrieb - gerade zwischen den Tagen.“
In Belgien und Frankreich haben Weihnachtsmärkte häufig sogar noch länger geöffnet: Brügge lockt bis zum 3. Januar mit weihnachtlicher Atmosphäre, in Arles hat der Markt bis zum 10. Januar geöffnet und in Allauch sogar bis zum 24. Januar.
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