Bildungsstreik in Düsseldorf: Studenten demonstrieren in der City
VON JOHANNES BORNEWASSER - zuletzt aktualisiert: 17.11.2009 - 16:22Rund 2500 Schüler und Studenten haben am Dienstag in der Düsseldorfer Innenstadt für bessere Bildung demonstriert. In einem Protestmarsch zogen die Heranwachsenden vom Hauptbahnhof zum Burgplatz. Immer wieder wurden Zwischenstopps für kleine Kundgebungen eingelegt. In der Mittagszeit wurde zudem mit einer Sitzblockade der Verkehrsknotenpunkt Heinrich-Heine-Allee lahmgelegt.
„Wir haben heute die Chance, tausende Düsseldorfer zu erreichen“, sagte Benedikt Haumer von der „LandesschülerInnenvertretung NRW“ während des Protestmarschs, der sich aufgrund technischer Probleme mit leichter Verspätung in Bewegung setzte. Gegen 11.40 Uhr zogen die Schüler und Studenten über die Friedrich-Ebert-Straße in Richtung Königsallee und die Heinrich-Heine-Allee zum Burgplatz. Bei der dortigen Abschlusskundgebung sprach Haumer von einem „rundum gelungen Tag“.
Mit den bundesweiten Bildungsstreiks gehen die Schüler und Studenten der Forderung nach "selbstbestimmtem Lernen und Leben" statt eines starren Zeitrahmens und des Leistungs- und Konkurrenzdrucks nach, erklärte Jörg Rostek vom Organisationskomitee "Bundesweiter Bildungsstreik". Das Bildungssystem müsse mit öffentlichen Mitteln finanziert werden. Eine "Einflussnahme der Wirtschaft" dürfe es nicht geben.
Der Bildungsstreik
Wer hat gestreikt? Alle Düsseldorfer Schüler und Studenten
Wo wurde gestreikt? An allen Schulen der Stadt, der Fachhochschule und der Universität
Was wurde gefordert?
- kostenlose Bildung für alle
- Abschaffung der Kopfnoten, zentraler Prüfungen, des Turboabiturs und Bachelor- sowie Masterstudiengängen.
- Mehr Geld für (Hoch-)Schulsanierungen
- Mehr Lehrer/Professoren für kleinere Klassen/Hörsäle
"Studenten befinden sich in einem Teufelskreis"
Der Asta-Vorsitzende Andreas Jentsch sagte zudem, dass sich Studenten heute in einem Teufelskreis befänden: „Der Leistungsdruck ist sogar so groß, dass viele Studenten keine Zeit für den Streik finden.“
Etwa 1500 Schüler hatten an dem Bildungsstreik teilgenommen, von den Düsseldorfer Hochschulen waren nur rund 1000 Studenten anwesend. Dennoch war sich Jentsch sicher: „Mit solchen Aktionen können wir wirklich etwas bewegen.“
Der zentrale Vorwurf an die Politik lautete, dass Studiengebühren zu einer sozialen Selektion führten. Zudem seien die Studienbedingungen in maroden Universitäten mit zu wenig Studienplätzen katastrophal.
Solidarität mit kommenden Generationen
Während der 27 Jahre alte Jonas Egelkraut bereits an seiner Abschlussarbeit feilt und „vor allem aus Solidarität mit den Studenten der aktuellen und kommenden Generationen“ zum Streik kam, machten sich zahlreiche Schüler Sorgen um ihre Zukunft. „Ich möchte auf jeden Fall studieren“, sagte Daniel Lätzsch. Der 16-Jährige besucht das Berufskolleg in Krefeld-Uerdingen. „Vor allem in Physik und Mathematik fallen bei uns immer wieder Stunden aus. Die Situation ist allmählich nicht mehr tragbar“, sagt er.
In mehr als 50 Städten waren am Dienstag mehr als 85.000 Schüler und Studenten auf die Straßen gegangen. Nach ihrem Willen sollen die Proteste weitergehen: Für die Zeit vom 30. November bis zum 6. Dezember planen sie eine Aktionswoche. Bei der Kultusministerkonferenz in Bonn am 10. Dezember wollen die Streikenden die Zufahrtsstraßen blockieren.
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