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Demonstration am Dienstag: Studenten rufen zu Protest auf

VON STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 17.11.2009 - 06:52

Düsseldorf (RPO). Als Zombies verkleidet haben Düsseldorfer Studenten die Hörsäle gestürmt. Sie wollen für den Bildungsstreik mobilisieren. Doch das Protestpotenzial ist geringer als in anderen Uni-Städten. Aktiv sind vor allem die Fachhochschüler, die Studiengebühren fürchten.

Die Jagd nach "Credit Points", den Leistungspunkten im Bachelor- und Masterstudium, symbolisierten die Aktivisten mit einem Ball, den sie durch die Hörsäle warfen.  Foto: Goettert, Christoph
Die Jagd nach "Credit Points", den Leistungspunkten im Bachelor- und Masterstudium, symbolisierten die Aktivisten mit einem Ball, den sie durch die Hörsäle warfen. Foto: Goettert, Christoph

Bislang hatten sie sich still verhalten, während in anderen Städten Hörsäle besetzt und Proteste laut wurden. Gestern aber bekannten immerhin rund 20 Düsseldorfer Studenten Farbe. Als Zombies verkleidet – das Gesicht weiß bemalt, die Augenränder schwarz – stürmten sie sämtliche Hörsäle der Universität und Fachhochschule.

Für die Aktion trieben sie einen Ball mit der Aufschrift "Credit Point" vor sich her. Überall flogen Hörsaal-Türen auf und wurde der Ball in die Menge geworfen. Zugespitzt wollten die Studierenden damit zeigen, wie sie im Bachelor- und Mastersystem ihren Leistungspunkten hinterherjagen. Laut und außer Atem brüllten sie dazu "Credit Points!" und verteilten Flyer mit dem Aufruf zur Demonstration.

Maret Zepernick (21), eine der Aktionistinnen erklärt: "Studierende degenerieren zu hirnlosen Zombies, wenn sie keine Zeit mehr haben, nach links und rechts zu sehen." Auch Konkurrenzdenken würde durch die neuen Studiengänge gefördert. "Niemand engagiert sich mehr, jeder denkt nur an sich", sagt die Germanistik-Studentin. Symbolisch dafür versuchten sich die Zombies immer gegenseitig abzudrängen.

Professoren wie der Humangenetiker Harald Rieder wurden von der Aktion in ihrer Vorlesung überrascht. Sein erster Gedanke: "Jetzt verlassen alle den Hörsaal und streiken." Doch nichts geschah, manche Studenten klatschten. Alle lernten anschließend weiter. "Das war eigentlich eine liebenswerte Art, auf die Zustände aufmerksam zu machen", fand Rieder. Vielen seiner Kollegen ging es ähnlich. Manche unterstützen die Aktionen der Studenten: "Letzte Woche hat uns ein Dozent 20 Euro gespendet", sagt Marc Leger (24), der den Aktionsstand auf dem Campus betreut.

Vor Plakaten mit der Aufschrift "Wieso, weshalb, warum?" hielt er gestern die Stellung, wärmte die Hände am Kaffee. "Gerade in Düsseldorf ist es schwierig, die Leute zu einer politischen Aktion zu bewegen", sagt er. Woran das liegt? "Keine Ahnung, aber jedes Mal wenn wir ein Plakat aufhängen, hoffen alle, dass wir die nächste Party ankündigen", sagt er. Leger hat sich in diesem Jahr bereits an Streiks in Frankfurt, Bochum und Berlin beteiligt. "Wahnsinn, da versammeln sich spontan 1000 Leute zu einer Demo", sagt er und wäre glücklich, wenn heute ähnlich viele kommen.

Angekündigt haben sich rund 100 Studenten der Fachhochschule Niederrhein. Weitere rund 300 Aktive hat Christoph Slominski, Asta-Vorsitzender der Fachhochschule, hinter sich versammelt, denn die FH-Studenten fürchten, dass auch bei ihnen bald Studiengebühren eingeführt werden. Und auch die Zombies hoffen auf Erfolg. "Auf jeden Fall kommen mehr Leute als im Sommer", sagt Maret Zepernick. Beim letzten Mal wäre die Beteiligung "fast schon peinlich" gewesen.

Info

Streik-Geschichte

1968 Die Studentenbewegung erfasst Düsseldorf kurz nach der Gründung der Universität. Acht Stunden nach dem Attentat auf Rudi Dutschke im April 1968 kommt es in der Altstadt zu Unruhen mit Sprechchören „Wir wollen diskutieren!“. Am Tag darauf demonstrierten 200 Studenten, am 17. April sind es 400. Der Künstler Joseph Beuys beteiligt sich und trägt ein Brot durch die Stadt. Hinter ihm folgt ein Schild: „Brot und Spiele reichen nicht ...“ Die Studenten demonstrieren gegen „Missstände der Demokratie“ und die Springer-Presse. Im Mai gehen 6000 auf die Straße und blockieren zeitweise den Verkehr der Innenstadt. Im Juni verbrennen sie ein Auto auf der Königsallee - als Warnung an das Establishment. Weitere große Demos folgen im „Heißen Herbst“.

1974 Rund 5000 Studenten ziehen im Mai von der Philipshalle zum Schauspielhaus und kritisieren das „Bildungs-Sparprogramm“ der Regierung Schmidt/Genscher. Im November sammeln sich 8000 und ziehen mit roten Fahnen und Beat-Rhythmen durch die Stadt.

1975 In der Philipshalle protestieren Studenten gegen die Umwandlung der Unis in „Erziehungsanstalten“. Sie demonstrieren gegen Bafög-Kürzungen und Dozentenmangel.

1993 Studenten sperren Hörsäle ab und verteilen Schokoladen-Taler, um gegen Studiengebühren zu protestieren. Rund 10000 gehen auf die Straße und protestieren gegen die „Studien-Deform“.

1997 Protestwelle für mehr Personal an den Hochschulen, eine bessere Ausstattung der Bibliothek und Verzicht auf Studiengebühren.

2006 Zehntausende gehen in Düsseldorf gegen Studiengebühren auf die Straße.

Quelle: RP

 
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