Oberbilker Gerichtszentrum wächst: Täglich 350 Kubikmeter Beton
VON MICHAEL BROCKERHOFF UND THOMAS BUSSKAMP (FOTOS) - zuletzt aktualisiert: 27.10.2008 - 08:01Düsseldorf (RPO). Das neue Gerichtszentrum am Oberbilker Markt wächst schnell in die Höhe. Ende des Jahres soll der Rohbau beendet, Ende 2009 das gesamte Gebäude bezugsfertig sein. Erdluftregister für sparsames Heizen wird entwickelt.
Noch rollt im Durchschnitt alle 20 Minuten ein Lastwagen heran, um Beton für den Rohbau des Land- und Amtsgerichts zu liefern. Denn es fehlen die beiden letzten Obergeschosse, die vierte und fünfte Etage. Aber der Blick der Bauherren und Architekten geht schon sehr viel weiter in die Zukunft.
Kürzlich haben sie an einem Musterstück der Fassade, das im Baustellenbereich eigens aufgebaut wurde, ihre Zustimmung für die hellgrauen Kirchheimer Muschelkalk-Platten und die Aluminium-Rahmen für die Fenster gegeben. Schon in wenigen Wochen werden sie geliefert und angebracht, „weil Ende 2009 die Gerichtsgebäude eröffnet werden sollen“, so Projektleiter Wolfgang Stock vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW.
Atrium am Eingang
Dieser Terminplan ist zwar eng und ehrgeizig, aber Stock sieht alles gelassen und mit einem sportlichen Ehrgeiz: „Wir werden das Ziel erreichen.“ Die nächste wichtige Etappe auf dem Weg ist das Ende der Rohbauarbeiten, wenn aller Voraussicht nach „kurz vor Weihnachten das letzte Stücke der Betondecke gegossen sein wird“, prognostiziert Stock. Bis dahin muss der Gerichtsbau, dessen Grundriss einem Paragraphenzeichen gleicht, noch um zwei Geschosse wachsen, werden im Schnitt pro Tag im Durchschnitt 350 Kubikmeter Beton verbaut.
Trotz der fehlenden Geschosse ist das architektonische Konzept schon nachzuvollziehen. Die 175 Meter lange Front entlang der Werdener Straße ist gegliedert. Ein breites Eingangs-Atrium teilt das Gebäude in zwei Flügel und öffnet es in der Nähe zum Oberbilker Markt zur Straße hin. „Von diesem Atrium kommen die Besucher des Gerichtes, mit etwa 3000 wird gerechnet, in den Eingangsbereich“, erklärt Architekt Andreas Reichau, Geschäftsführer des Büros agn. Er kann sich auch schon gut den grünen Innengarten neben dem Atrium vorstellen, auf den das Casino ausgerichtet ist und in dem die Angestellten essen können.
Es ist nicht das einzige Grün am Gerichtsgebäude. Ein zweiter Innenhof liegt vor den beiden Schwurgerichtssälen neben einer Außenhalle. „Von hier aus gibt es einmal Ausblicke auf einen kleinen Park“, erklärt Reichau und weist auf den Grundstücks parallel zur Mindener Straße. Dort liegen jetzt noch die Fahrwege für die Betonlastwagen und Berge von Erdreich, mit denen später einmal die tiefen Erdlöcher vor den noch freiliegenden Mauern der Tiefgarage aufgefüllt werden.
Die Natur nutzen Reichau und das Team von agn aber auch für ein Kosten sparendes Heizsystem mit Erdluftregister. Damit greifen sie auf die Erfahrungen der alten Römer zurück. Sie leiteten schon Luft unter Kanälen eines Hauses zur Kühlung und Heizung. Dieses Prinzip wird auch beim Gerichtsgebäude angewandt. „Wir saugen Luft an, die in einem etwa 800 Meter langen Gangsystem aus Beton zur Technikzentrale geleitet wird“, erläutert Reichau.
Im Sommer werde die warme Luft gekühlt, umgekehrt die kalte Luft im Winter erwärmt. Verstärkt wird dieses Prinzip durch einen Latentwärmespeicher mit speziellen Salzen und Wachs, der noch einmal Wärme aus der Luft speichert und bei Bedarf wieder abgibt. Der BLB als Bauherr hat sich für dieses System entschieden, „weil wir pro Jahr etwa 90 000 Euro an Betriebskosten sparen werden“, sagt Stock. Die Technik, die zusammen mit dem Forschungszentrum Jülich entwickelt wird, ist so wegweisend, dass Reichau und Stock Zuschüsse vom Bundeswirtschaftsministerium erwarten.
Die Technikzentrale im Untergeschoss wird bereits gebaut, ebenso sind die Wände der Tiefgarage schon gestrichen, werden die Leitungen für Licht und Entlüftung gelegt. Denn bis zum Ende des Rohbaus kann mit diesen Arbeiten nicht gewartet werden, sonst – so Stock – „können wir den Termin für die Eröffnung nicht halten“.
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