Oberbilk: Tag der Treffen und der Tänze
VON GÖKÇEN STENZEL - zuletzt aktualisiert: 18.08.2008Düsseldorf (RPO). Der erste Tag der Kulturen brachte gestern Tausende auf die Beine – zum Helfen und zum Gucken, zum Reden und aus Neugier strömten die Menschen auf den Oberbilker Markt. Dort erwartete sie ein Bühnenprogramm mit Musik, Gesprächen und Überraschungen.
Hätte Raimund Klingner geahnt, dass der Tag der Kulturen so eine „dolle Sache“ wird, er hätte seinen Verein schon zum Mitmachen motiviert. Klingner ist Vorsitzender des Oberbilker Bürgervereins, und der wollte die Premiere des Tages lieber abwarten und dann entscheiden, ob man sich künftig beteiligt. „Es ist eine gelungene Sache“, befand Klingner. „Kaum zu glauben, wie viele verschiedene Vereine wir so haben. Ich kannte kaum einen Bruchteil von ihnen vorher.“
Tatsächlich haben Hunderte mitgemacht, um Tausende anzusprechen. Die Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft etwa, koreanische und japanische Verbände, Gruppen aus Eritrea und Ghana, aus Lateinamerika und der Türkei – so bunt war es in Oberbilk noch nie, zumal viele in Trachten oder landesüblicher Kleidung ihrer Herkunftsländer gekommen waren. Wie viel die Vereine für die Integration ihrer Mitglieder wirklich leisten, lässt sich erahnen: Mehr als 500 Kinder hat allein der deutsch-russische Förderverein „KinTop“ inzwischen, der in eindrucksvoller Weise zeigte, wie professionell er in Bildung und Erziehung arbeitet: Tanzlehrerin Olga Diel präsentierte Schaubilder mit insgesamt 60 Kindern, die tanzten, als hätten sie nie etwas anderes getan.
Einige Meter weiter warb das Türkische Volkshaus in Benrath für seine Arbeit. „Wir haben inzwischen etliche Aktionen und Projekte, zu denen auch viele Deutsche kommen“, erzählt Erdal Oguz. „Bei uns kann man einander begegnen – das ist unser wichtigstes Ziel.“
Das war auch Ziel des ersten Tags der Kulturen, der geprägt war von Begegnung und Beobachtung. „In der Vielfalt, die wir in dieser Stadt haben“, so Organisatorin Anke Fabian, „liegt eine große Stärke. Wir sollten in Migration kein Problem sehen, sondern eine Bereicherung.“ Fabian verstand die Premiere mit viel Folklore und Musik als einen ersten Schritt für mehr Miteinander, um die politischen Forderungen ging es gestern nur am Rande: Ein „Haus der Kulturen“ soll entstehen in Düsseldorf, und für das kommunale Wahlrecht für Ausländer streiten die Spitzenverbände der Wohlfahrtspflege. Ums Geld wurde auch kurz gestritten: Wie soll Integration finanziert werden? Wer bekommt Geld wofür? Klaus Mauersberger, Vorsitzender des Integrationsausschusses, ließ offen, ob es demnächst fest angestellte Mitarbeiter geben wird, die sich um den „Tag der Kulturen“ kümmern und wie viel Geld in die Veranstaltung fließt. „Die 100 000 Euro, die Frau Fabian beantragt hatte, wird es nicht geben“, sagt er; der politische Streit um die richtige Finanzierung von Integration geht weiter.
Der gemeinsame Nenner aller Beteiligten am ersten Tag der Kulturen hieß nämlich Integration: Keiner, der sich nicht dazu bekannte. Die anderen kamen erst gar nicht.
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