Ausstellung im Filmuseum: "Tatort" – Kunst des Verbrechens
VON SEMIHA ÜNLÜ - zuletzt aktualisiert: 10.10.2010 - 14:20Düsseldorf (RPO). Mit "Im Fadenkreuz – 40 Jahre Tatort" widmet das Filmmuseum der Fernsehreihe die bundesweit erste Ausstellung. Das Besondere: Besucher können sich als Verbrecher, Ermittler und Opfer versuchen.
Sonntag, 20.15 Uhr, in deutschen Wohnzimmern: Millionen Menschen verfolgen die Verbrecherjagd in "Tatort". Die Fernsehreihe ist längst zum Ritual geworden. Eine Ausstellung über 40 Jahre "Tatort" braucht daher vor allem eins: Emotion und Nähe. In der Ausstellung, die das Filmmuseum heute eröffnet, können sich Besucher daher nicht nur Fotos von den Produktionen, Kostüme, Requisiten, Drehbücher und Filme ansehen, sondern auch selbst aktiv werden.
In einer nachgestellten Fernsehkulisse können sie in einem Verhörraum mit Spiegelscheibe, Aufnahmegerät und grellem Licht Platz nehmen, sich vor einer großen Gegenüberstellungswand positionieren oder sich im Münchener Kripo-Büro als Ermittler an den grauen Schreibtisch setzen und Akten wälzen. Auch Aschenbecher und Kaffeetassen stehen bereit.
Die Ausstellung
Eröffnung Freitag, 18.30 Uhr
Öffnungszeiten 9. Oktober 2010 bis 2. Januar 2011, dienstags sowie donnerstags bis sonntags 11 bis 17 Uhr, mittwochs 11 bis 21 Uhr.
Eintritt vier, ermäßigt zwei Euro
Ausstellungsort Filmmuseum Düsseldorf, Schulstraße 4
„Tatort“-Filme Im Black Box- Kino werden 22 Folgen gezeigt. Der Düsseldorfer Tatort-Film „Mord in der Akademie“ (1994) wird am 23. Dezember, 18 Uhr, gezeigt.
Um die erfolgreichste und langlebigste Filmreihe im deutschen Fernsehen ins Museum zu holen, musste Filmmuseums-Leiter Bernd Desinger selbst zum Ermittler werden. Rund 600 Fotos, Filmlizenzen, zahlreiche Requisiten und Kostüme wie Schimanskis leicht schmuddeligen Anorak und grünen "Dienstausweis" hat er bei öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten wie dem WDR, der Kooperationspartner der Ausstellung ist, und bei privaten Sammlern in gut einem Jahr zusammengetragen.
Der Blick auf die chronologisch angelegten Bildergalerien und erläuternden Texttafeln zeigt, was die Krimireihe am Sonntagabend von Anfang an war: nicht nur Unterhaltungs-, sondern auch kritisches Fernsehen. Als Pendant zur erfolgreichen ZDF-Serie "Der Kommissar" (1969 bis 1976) mit Horst Tappert angelegt, holte "Tatort"-Erfinder Gunther Witte die aktuellen gesellschaftlichen Probleme Deutschlands vor die Kamera.
In der ersten Folge "Taxi nach Leipzig" (29. November 1970) mit Walter Richter alias Kommissar Trimmel war es das Ost-West-Problem. Später kam die Entführung eines Flugzeugs durch Terroristen dazu, aber auch Tabu-Themen wie Kindesmisshandlung.
So hart und kritisch wie die Macher sind die Zuschauer. So führte die Folge "Wem Ehre gebührt" (2007), in der es um Zwangsehe, sexuellen Missbrauch und Ehrenmord im Migrantenmilieu geht, zu Protesten von alevitischen Muslimen. Folgen wie "Drei Schlingen" (1977) werden wegen ihrer Brutalität nicht mehr wiederholt.
Wer in der Ausstellung den Düsseldorfer "Tatort" sucht, wird enttäuscht. "Um den Bogen von 1970 bis heute zu spannen, bieten wir dazu keinen Schwerpunkt", sagt Desinger. So dokumentieren wenige Fotos und der Film "Mord in der Akademie", der 1994 in der Kunstakademie gedreht wurde und im Black Box-Kino gezeigt wird, den Düsseldorfer Beitrag zu "Tatort" von 1992 bis 1997.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







