Projekt für 13 jugendliche Straftäter: Theater hinter Gittern
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 10.02.2007 - 09:0813 jugendliche Straftäter hatten im Jugendarrest die Chance, an einem Theaterprojekt mitzuwirken. Duisburger Schauspielprofis sind nach drei Wochen Arbeit mit ihnen sicher: Die Jugendlichen haben fürs Leben gelernt.
Eines vorweg: Es geht hier nicht um Sozialarbeit. Die Duisburger Theatermacher, die drei Wochen lang in der Jugendarrestanstalt Gerresheim mit Straftätern gearbeitet haben, „machen Kunst“. Allerdings, sagt Regisseur Markus Schlappig, sei das Theaterprojekt hinter Gittern auch aus künstlerischer Sicht „hochspannend. So viel Authentizität hört man von gelernten Schauspielern sehr selten“.
Im Duisburger Brennpunkt Bruckhausen sind die Profis vom „Jungen Theater“ den Umgang mit schwierigen Jugendlichen gewöhnt. Ein Darsteller wurde kürzlich zu Jugendarrest verurteilt, den er in Düsseldorf verbüßte. Er war’s, der den Kontakt zwischen Sozialarbeiterin und Regisseuren herstellte. Vollzugsleiter Edwin Pütz war von der Idee sehr angetan. „Den Jugendlichen wird durch diese Arbeit ein neuer Horizont eröffnet, sie lernen viel für die Zeit nach der Entlassung.“
13 Jugendliche, die zu drei bis vier Wochen Dauerarrest verurteilt wurden, meldeten sich freiwillig zum Theater - nicht zuletzt wohl, weil der Arrest ohne Handy, Fernseher und Computer vor allem langweilig ist. In der ersten Woche der Zusammenarbeit „mussten wir die Jugendlichen erst einmal disziplinieren. Aber dann haben sie als Team zusammengefunden und Verantwortung für das Projekt übernommen“, sagt Schlappig.
Die Veränderungen sind auf Video zu sehen. Junge Straftäter in Macho-Pose vor der Kamera antworten mit coolen Sprüchen auf die Frage nach dem letzten Abend vor Strafantritt. Sie erzählen grinsend von wüsten Abschiedspartys. Drei Wochen später stehen dieselben Jungen vor der Leinwand, über die ihr Film flimmert, und sprechen darüber, wie furchtbar der Abschied von der Mutter war, über ihre Ängste und Gefühle. „Sie haben mit uns gelernt, ihre Wirkung zu hinterfragen, wie es jeder Schauspieler tut“, sagt Oleg Zkuov. Und darüber eben zu jener Authentizität gefunden, die Regisseure so schätzen.
Gemeinsam erarbeitete die Gruppe Spielszenen, die sich ums Ausgeschlossen- und Eingesperrtsein drehen. Einen Titel gibt’s noch nicht, aber einen Premieren-Termin - irgendwann im April. Dass die Jungs nach ihrer Entlassung tatsächlich zu den Proben nach Duisburg kommen, hoffen die Theaterleute. Bei vier von ihnen ist Dramaturg Stefan Schroer auch ganz sicher, dass sie zur Probe am 10. März nach Bruckhausen kommen. „Viele sind ja im Arrest gelandet, weil sie nichts zu tun hatten - die begreifen die Theaterarbeit auch als Möglichkeit, nicht mehr nur ,abzuhängen’.“ Edwin Pütz sieht nach dem Projekt seine Hoffnung bestätigt, dass die jungen Straftäter neue Perspektiven entdecken. Das Theater nimmt diese Aufgabe gerne wahr. Aber: „Wir sind nicht die Bewährungshelfer unserer Schauspieler.“
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