Freiburger Theater-Chefin soll Intendantin in Düsseldorf werden: Theaterstreit zwischen Düsseldorf und Freiburg?
zuletzt aktualisiert: 19.12.2003 - 16:27Düsseldorf (dto). Die Intendantin des Stadttheaters Freiburg, Amélie Niermeyer, soll neue Chefin des Düsseldorfer Schauspielhauses werden. Der Verwaltungsrat des Schauspielhauses will nach Angaben eines Sprechers am Samstag auf einer Sitzung die Nachfolge der derzeitigen Intendantin Anna Badora beschließen. In Freiburg führte das Bekanntwerden des möglichen Wechsels seiner Intendantin nach Düsseldorf bereits zu heftiger Kritik.
Die 1965 in Bonn geborene Regisseurin und Bühnen-Leiterin würde damit zur Spielzeit 2006 Nachfolgerin der Düsseldorfer Generalintendantin Anna Badora (52). Die hatte in dieser Woche vei einer Versammlung den Mitarbeitern und Ensemble-Mitgliedern mitgeteilt, dass ihr Vertrag als Generalintendantin vereinbarungsgemäß nach der Spielzeit 2005/06 ausläuft.
Ihr potenzielle Nachfolgerin Amélie Niermeyer ist mit ihren Inszenierungen von Gegenwartsstücken und von Klassikern wie Shakespeare oder Kleist von Publikum und Kritik bundesweit gefeiert worden. Die Stadt Freiburg reagierte verärgert auf den geplanten Wechsel Niermeyers zum Düsseldorfer Schauspielhaus . "Das halten wir für einen nicht besonders freundlichen Umgang von Theatern untereinander", sagte am Freitag der Freiburger Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach. Niermeyer stehe in Freiburg bis 2007 unter Vertrag.
"Wir können sie nicht ohne weiteres aus diesem Vertrag entlassen. Wenn ein Intendant aus einem laufenden Vertrag herausgelöst werden soll, ist es üblich, das betreffende Theater darüber zu informieren", sagte von Kirchbach. Dies habe das Düsseldorfer Schauspielhaus bisher aber versäumt. Erst von Niermeyer selbst habe das Stadttheater Freiburg von dem möglichen Wechsel erfahren. "Verträge sind zu halten. Ein Aufhebungsvertrag kann nur einvernehmlich geschlossen werden", betonte der Kulturbürgermeister.
Niermeyer bekannt für eigenwillige Inszenierungen
Zusammen mit Karin Beier und Thirza Brunken zählen Theaterexperten Niermeyer zu den jüngeren Regisseurinnen, die in den vergangenen Jahren mit ihren eigenwilligen Inszenierungen dem deutschen Theater wichtige Impulse gegeben haben. Niermeyer ist seit 2001 Intendantin in Freiburg, wo sie unter anderem mit der Inszenierung von Theodor Fontanes "Effi Briest" und der Regie des spartenübergreifenden Stückes "Surrogate Cities" von Heiner Goebbels für Aufmerksamkeit gesorgt hat.
Der nordrhein-westfälische Kulturminister und Bühnen- Aufsichtsratsvorsitzende Michael Vesper (Grüne) sagte am Freitag der dpa, Niermeyer verkörpere "ein junges, ambitioniertes Theater wie kaum eine andere". Daher habe er sich um die 38 Jahre alte Bühnenkünstlerin für Düsseldorf bemüht. Es sei sicher, dass sie dem Schauspiel in der Landeshauptstadt "ein unverwechselbares Profil geben wird".
Bühnen-Fachblätter charakterisieren die Regisseurin, die ihren künstlerischen Weg 1990 am Staatsschauspiel in München begonnen hat, als "neugierig, selbstkritisch, marktbewusst". In der Folgezeit arbeitete Niermeyer als Oberspielleiterin in Dortmund und kehrte nach München zurück, wo sie 1995 als deutsche Erstaufführung Thomas Jonigks Groteske "Rottweiler" inszeniert hat. Am Frankfurter Schauspiel widmete sie sich etwa mit Goethes "Stella" oder der "Weibervolksversammlung" des Aristophanes theatralisch dem Frauenthema. Als Uraufführung brachte sie im Jahr 2000 am Main Simone Schneiders "Kameliendame" auf die Bühne.
Vesper: Badora war "eine gute Periode"
Die mit Ende der Spielzeit 2005/2006 zu Ende gehende zehnjährige Theaterleitung der aus Polen stammenden Düsseldorfer Generalintendantin Anna Badora nannte Kulturminister Vesper "eine gute Periode für unser Land". Man trenne sich im gegenseitigen Bewusstsein einer "kreativen Schaffensperiode" am Schauspielhaus Düsseldorf.
Die 52-Jährige agierte lange Zeit ohne große Erfolge agierte. doch gerade in der letzten Spielzeit hatte sie gleich mehrere Erfolgs-Inszenierungen gelandet. Das schaffe die "ideale Voraussetzung" für die noch verbleibenden zweieinhalb Jahre am Düsseldorfer Schauspielhaus, sagte sie diese Woche ihrem Ensemble und den Mitarbeitern.
NRW-Kulturminster Vesper und Düsseldorfs Oberbürgermeister Erwin wollen direkt nach der Sitzung des Verwaltungsrates Einzelheiten der Entscheidung bekanntgeben und dann wohl auch die Irritationen des Freiburger Kulturbürgermeisters ausräumen.
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