Erfolgs-Revue in der Komödie: Thorsten Hamer gibt den Erhardt
RP - zuletzt aktualisiert: 09.11.2010 - 08:12Da saß doch neulich diese Dame in der zweiten Reihe. Die kannte jeden Reim und jeden Witz von Heinz Erhardt. Und kriegte sich bei Thorsten Hamers Ankündigung „Jetzt kommt der Stier“ vor Lachen gar nicht mehr ein. „Wollen Sie das vielleicht erzählen?“ ermunterte sie der Schauspieler, bereit, die Bühne kurz freizugeben.
Allmählich wundert ihn in der „Komödie“ gar nichts mehr. Seine kongeniale Revue „Was bin ich wieder für ein Schelm“ pflegt sich an manchen Abenden zu verselbständigen. Das Publikum spricht mit, oft sogar im Chor. Wer die Gedichte von Heinz Erhardt kennt und sich an seinen Sprachschöpfungen ergötzt, erlebt bei Thorsten Hamer sein blaues Wunder. Der 28-Jährige ist ein hinreißender Wiedergänger des großen Humoristen. Seit vier Jahren perfektioniert er diese Rolle, die ihm als spontane Eingebung zuflog und ihn nie mehr losließ.
2006 schlug er einem Solinger Kleinkunst-Theater vor: „Ich könnte euch den Erhardt machen.“ Erst danach stellte er sich die Frage: „Rezitierst du nur seine Texte oder versuchst du die Figur zu erwischen?“ Gegen jeden Rat nahm er die Herausforderung an, seinem Vorbild möglichst nahe zu kommen. Er informierte sich genau über Erhardts Leben und Wirken, studierte täuschend echt dessen Stimmlage, Gestik und Mimik ein. „Erst sollten es nur zwei Vorstellungen werden“, berichtet Thorsten Hamer und schmunzelt.
Weit über hundert Mal hat er den Humoristen allein in diesem Jahr schon gegeben. Für die Düsseldorfer „Komödie“ entwickelte er eine ganz neue Show, wird auf der Bühne unterstützt von der Schauspielerin Hella-Birgit Mascus und Daniel Große Boymann am Klavier. Das begeisterte Publikum feiert den auferstandenen Heinz Erhardt mit Ovationen. „Es trägt mich durch den Abend“, schwärmt Thorsten Hamer, der mit seiner Freundin in Wuppertal lebt.
Die Erinnerung an den 1979 verstorbenen Unterhaltungskünstler flammte 2009 erneut auf - da wäre er 100 Jahre alt geworden. Jetzt soll sogar Erhardts legendäre Hornbrille neu aufgelegt werden. „Er trug sie ohne Gläser“, weiß Hamer. „Sein Lampenfieber war so stark, dass er seine Zuschauer lieber nicht sehen wollte.“ Hin und wieder versucht der Schauspieler seiner Rolle zu entkommen, spielt Klassisches oder tritt mit Soloprogrammen in seinem kleinen Wuppertaler Theater auf.
Schon mal überlegt, wann Schluss ist mit dem Erhardt? Er schüttelt entschieden den Kopf. „Die Revue wird mir so schnell nicht langweilig. Dafür macht sie mir zu viel Spaß. Jeder Abend ist frisch und spannend. Bei mir kippt der Schalter um, sobald ich aus der aufrechten Haltung in Erhardts gebückte Position rutsche. Dann falle ich gleichsam in meine Figur.“ Was bin ich wieder für ein Schelm, bis 25. November in der „Komödie“, Steinstraße 23, Karten: Tel. 133707
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