Standort Krefeld wächst: ThyssenKrupp schließt Walzwerk in Düsseldorf
VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 17.09.2010 - 16:21Düsseldorf (RPO). Der Konzern ThyssenKrupp wird sein Edelstahl-Walzwerk in Düsseldorf-Benrath schließen. Betroffen sind 565 Mitarbeiter. Das erfuhr unsere Redaktion aus Kreisen der Düsseldorfer Stadtverwaltung. Den Mitarbeitern sollen sozialverträgliche Lösungen sowie Ersatz-Arbeitsplätze in Krefeld angeboten werden, wo ThyssenKrupp ebenfalls ein Edelstahl-Werk betreibt.
Der Betriebsrat von ThyssenKrupp macht die Energiepolitik der Bundesregierung mitverantwortlich für die angekündigte Schließung. "Mit ihrer Energiepolitik lässt uns die Politik schon seit Jahren im Stich", sagte der Betriebsratschef der Edelstahlsparte des Konzerns, Bernd Kalwa, unserer Redaktion. In der Edelstahlproduktion habe der Strom einen Anteil von etwa 40 Prozent an den gesamten Produktionskosten, so Kalwa.
In Deutschland liege der Strompreis aber aus politischen Gründen wie etwa Umweltauflagen um das Doppelte über dem Weltdurchschnitt. "Das erzeugt gerade in der energieintensiven Edelstahlbranche einen Kostendruck, der dann auch zu Werksschließungen führen kann", sagte Kalwa, der auch Aufsichtsrat des Gesamtkonzerns ist.
Eine eher gute Nachricht
So paradox es klingt: Die Entscheidung von ThyssenKrupp zur Schließung des Edelstahl-Werkes in Düsseldorf-Benrath ist unter dem Strich für die meisten ThyssenKrupp-Mitarbeiter eine eher gute Nachricht. Denn für die Verlagerung der Edelstahl-Kapazitäten von Düsseldorf nach Krefeld wird ThyssenKrupp einen deutlich dreistelligen Millionenbetrag in die Hand nehmen, wie unsere Redaktion aus Konzernkreisen erfuhr. Davon verspricht ThyssenKrupp sich einen jährlichen Ergebnisbeitrag in zweistelliger Millionenhöhe.
Die Investition ist ein klares Bekenntnis des Dax-Konzerns zu seinen deutschen Edelstahl-Arbeitsplätzen, nachdem ThyssenKrupp den Geschäftsbereich Edelstahl ursprünglich hatte verkaufen wollen. Außer in Benrath und Krefeld betreibt ThyssenKrupp in Deutschland noch Edelstahlwerke in Bochum und Dillenburg.
Das weltweite Edelstahl-Geschäft von ThyssenKrupp war 2008 in tiefrote Zahlen gerutscht, und ThyssenKrupp suchte nach einem Käufer. Mangels geeigneter Angebote entschied sich der Konzern im vergangenen Jahr zwar offiziell, das Geschäft auf eigene Faust zu sanieren. Angesichts der Überkapazitäten vor allem wegen der starken Produktions-Ausweitung der chinesischen Wettbewerber gilt der Markt aber als weiterhin schwierig.
Rückkehr in die schwarzen Zahlen
Hinzu kommt die hohe Abhängigkeit der Edelstahl-Produktion vom Werkstoff Nickel, den ThyssenKrupp zuletzt mit kaum noch kalkulierbaren Anstrengungen auf dem Weltmarkt zusammenkaufen musste. Ein weiteres Problem sind die in Deutschland besonders hohen Strompreise. Trotzdem schaffte die Sparte im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2009/10 die Rückkehr in die schwarzen Zahlen.
In Benrath sind im Zuge der Werksschließungen keine Kündigungen vorgesehen. Die 565 Mitarbeiter bekommen entweder Jobs in Krefeld oder andere sozialverträgliche Lösungen angeboten. Der Betriebsrat, der bereits über die Pläne informiert ist, hat zu Benrath ein Standort-Gutachten bei der Beratungsgesellschaft PCG in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollen in der kommenden Woche vorgelegt werden. Danach soll der Aufsichtsrat die Schließung Werks absegnen.
Werft HSY wird verkauft
Unterdessen hat sich ThyssenKrupp mit Griechenland über den Verkauf der griechischen Werft Hellenic Shipyards (HSY) geeinigt. Wie die ThyssenKrupp AG am Donnerstagabend mitteilte, haben ThyssenKrupp Marine Systems, Abu Dhabi MAR und die griechische Regierung Einigkeit über die Vertragstexte zur Umsetzung des Rahmenabkommens von Mitte März erzielt.
Eine Sprecherin von ThyssenKrupp sagte, dass das Rahmenabkommen nun vertraglich ausformuliert worden sei. Demnach verpflichtet sich Griechenland zur Abnahme der vier bestellten U-Boote und zur Zahlung von rund 320 Millionen Euro. Des weiteren sei statt der ursprünglich vorgesehenen Modernisierung zweier alter Boote die Bestellung zweier neuer vereinbart worden, ergänzte sie. Die Kosten dafür bezifferte das griechische Verteidigungsministerium auf 175 Millionen Euro.
ThyssenKrupp kann damit wie vereinbart 75,1 Prozent von HSY an Abu Dhabi MAR abgeben, sofern der Vertrag die parlamentarische Zustimmung erreicht. Im nächsten Schritt muss der Vertrag im griechischen Parlament ratifiziert und von den Vertragsparteien unterschrieben werden. "Ziel ist es, für die Werft eine langfristige Beschäftigungsperspektive zu schaffen", sagte Hans Christoph Atzpodien, Vorsitzender des Vorstands der ThyssenKrupp Marine Systems AG.
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