Tödlicher Straßenbahn-Unfall: Trauer um Youssef
VON JULIA BRABECK - zuletzt aktualisiert: 30.10.2008 - 07:58Düsseldorf (RPO). Am Tag nach dem Tod eines Schülers an der Haltestelle Rather Broich versammelten sich Freunde und Nachbarn am Unglücksort. Bezirkspolitiker und Anwohner fordern eine Entschärfung des unübersichtlichen Haltepunkts.
Rath steht unter Schock. An der Haltestelle „Rather Broich“ stehen Kerzen. Blumen und Trauerbriefe liegen auf dem Pflaster. „Wir wollen die Unfallstelle erkennbar machen, damit das Unglück nicht so schnell in Vergessenheit gerät“, sagt Isa (15). Die Menschen stehen schweigend beisammen oder trösten sich, einige weinen oder beten.
Es ist der Tag nach dem tödlichen Straßenbahn-Unfall, bei dem am Dienstagmorgen der 14-jährige Youssef R. von einer Straßenbahn erfasst wurde. Er hatte versucht, noch eine Bahn zu erreichen, obwohl die Warnlampen blinkten. Dabei war er vom einfahrenden Gegenzug mitgerissen worden.
Julian, der mit Youssef im gleichen Fußballverein spielte, wollte eigentlich in die Kirche gehen. „Die war aber geschlossen – da hatte ich einfach das Bedürfnis, herzukommen“, sagt der 14-Jährige. Familie Kott zündet Kerzen an, denn ihr Sohn Maurice ging zusammen mit Youssef aufs Goethe-Gymnasium. Sein kleiner Bruder Marius besucht mit Youssefs jüngstem Bruder die gleiche Klasse.
„Wir hatten heute normalen Unterricht. Ich hätte mir gewünscht, das die Lehrer mehr mit uns über das Unglück sprechen“, sagt Maurice. Das Gymnasium wird in einer Woche eine Trauerfeier für Youssef R. halten. Der für heute geplante Lehrerausflug wurde abgesagt. „Wir versuchen, das Unglück aufzuarbeiten“, heißt es von Seiten der Schule. So war gestern ein Notfallseelsorger vor Ort, der auch Einzelgespräche anbot.
"Warum bekommt Youssef die Schuld?"
Doch es gibt auch Anklagen. „Warum bekommt Youssef die Schuld?“, hat eine Mutter auf ein Tuch geschrieben. „Die Bahnen fahren hier viel zu schnell in die Haltestelle. Es war nur eine Frage der Zeit, dass etwas passiert“, erklärt Augenzeuge Georg S.
Diese Ansicht wird aber nicht von allen Anwohnern geteilt. „Ich habe in der Unglücksbahn gesessen, die war nicht zu schnell“, sagt Hans-Jürgen Eichhorn. Er sieht das Problem in den nicht abgestimmten Fahrplänen der Busse und Bahnen: „Wenn man wüsste, dass die auf einen warten, bräuchte keiner unbedacht über die Schienen zu rennen.“
Ulla Hönsch hält die Ampelschaltung für gefährlich: „Oft ist die Fußgängerampel grün, aber die Warnlichter am Überweg blinken. Wenn man im Gedanken ist, übersieht man das leicht. So ist das eine ganz gefährliche Situation.“
Diese Einschätzung teilt auch Marcus Münter, Fraktionschef der CDU in der Bezirksvertretung 6 und Anwohner der Unfallstelle. „Vor drei Jahren hat die Bezirksvertretung die Verwaltung aufgefordert, den Bereich der Haltestelle sicherer zu gestalten.
Es hat dann eine Ortsbegehung gegeben, aber danach leider nur kleine Maßnahmen, etwa Bodenmarkierungen auf dem Überweg und eine Warnbake“, sagt Münter, der einen viel größeren Handlungsbedarf sieht: „Die gesamte Situation ist unbefriedigend und unübersichtlich. Es ist verwunderlich, dass nicht schon früher etwas passiert ist.“
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