Werkstatt "Das Gewand": Traumkleider für Buddy Holly
VON BIRGIT WANNINGER - zuletzt aktualisiert: 19.09.2009 - 11:26Düsseldorf (RPO). Wenn das Musical um die Rock’n’Roll-Legende am 6. Oktober in Essen Premiere feiert, dann hat die Werkstatt „Das Gewand“ maßgeblichen Anteil. Angelika Sproll und ihrer Mitarbeiterinnen haben die Kostüme geschneidert.
Mit Adleraugen beäugt Angelika Sproll noch mal die Naht an der rechten Taille. Sie rupft dort ein bisschen, zieht am Rücken ein wenig. Und wieder hat sie den Adlerblick drauf und wirkt ziemlich zufrieden. Derweil steht Myrthes Monteiro fast unbeweglich vor dem Spiegel und strahlt. „Ich fühle mich wie eine Prinzessin“, sagt die zierliche Brasilianerin. Kein Wunder bei dem Kleid - ein Traum in Rot und Gold. Enganliegend fließt der Rock bis auf den Boden und hat hinten eine lange in Gold eingelegte Schleppe. Es glitzert und glänzt bei jeder leichten Bewegung. Jede rote Paillette, gerade mal so groß wie ein kleiner Fingernagel, ist mit der Hand auf den weichen Stoff genäht. Die runden, goldenen Lederstückchen, daumennagelgroß, schimmern an Schleppe.
Rund 80 Arbeitsstunden haben Sproll und ihre Mitarbeiter allein an dieser Robe gearbeitet. Eine Maßanfertigung für die Künstlerin, die in diesem Kleid demnächst auf der Bühne stehen wird. Ein Meisterwerk. Seit Jahren arbeitet Stage Entertainment mit der Düsseldorfer Werkstatt für Kleider und Kunst „Das Gewand“ zusammen. Denn bei den prachtvollen Kostümen, alles Unikate, ist absolute Präzisionsarbeit ebenso gefragt wie Phantasie und Können.
Ob der Zuschauer die liebevolle Arbeit überhaupt gebührend anerkennen werden? „Wirkung ist alles - und die muss stimmen“, sagt Kostümbildnerin Miriam Busch. Gemeinsam mit der Düsseldorfer Gewandmeisterin hat sie die Kleider entworfen. Mehrere Kleider wohl gemerkt. Denn Myrthes spielt eine von drei Musikerinnen in dem Musical Buddy Holly, das am 8. Oktober im Colosseum in Essen Premiere feiert.
Auch wenn die drei Damen mal ganz in Rot, dann in viel Tüll und Pastelltönen auftreten - jedes Kleid ist anders. „Im Endeffekt soll das Gesamtbild stimmen“, sagt Miriam Busch. Zumal es in den 50er Jahren, also zu Zeiten Buddy Hollys, noch nicht die uniformen Kleider für Musikgruppen gab, wie sie heute oft auf der Bühne zu sehen sind.
Erscheint Myrthes Kleid als aufwändig, so kann Angelika Sproll darüber nur lächeln und zeigt in der Garderobe auf ein zweites rotes, mit kleineren Pailletten. „50 Meter Organza haben wir in Rüschen gelegt. Eine Sisyphus-Arbeit. Da bin ich froh, dass wir in unserem Haus an der Ronsdorfer Straße so viele geduldige Mitarbeiterinnen haben“, sagt sie, während sie bei Myrthes erneut Maß anlegt. Diesmal für goldene Stulpen, die bis über ihre Ellbogen reichen sollen. Doch die Lycra-Stulpen passen nicht. Sie glänzen nicht, wirken stumpf. „Wir sollten doch Pailletten nehmen“, sagt Kostümbildnerin Miriam Busch. „Kannst du uns die machen“, fragt sie. Sproll nickt. Die Perfektionistin will schließlich, dass ihre drei Apollo-Sängerinnen - denn als solche stehen Myrthes und ihre Kolleginnen auf der Bühne - grandios aussehen. Und was haben die Mädels mit dem Rocksänger zu tun?
Die Buddy Holly Story ist die kurze, packende Lebensgeschichte der Rock’n’Roll-Legende. Aus dem einfachen Jungen aus Texas wird ein umjubelter Weltstar, der mit seinen Liedern wie „Peggy Sue“, „Oh Boy“ oder „La Bamba“ Musikgeschichte schrieb. Das Musical zeigt seine wichtigsten Stationen - von bahnbrechenden Studioaufnahmen in Nashville bis zu seinem tragischen Tod bei einem Flugzeugabsturz,
Dazwischen tritt Buddy Holly als erster Weißer in den 50er Jahren im New Yorker Apollo Theater auf. Dort, wo vorher nur Farbige auf der Bühne standen. Denn Buddy Holly wird zunächst wegen seiner Musik mit einer schwarzen Band verwechselt - doch die verdutzten Zuschauer geraten bei seinem Auftritt außer Rand und Band.
Und dabei helfen ihm jene legendären Apollo-Girls, die damals in New York musikalisch überzeugten und sicherlich auch in ihren knallroten, maßgeschneiderten Paillettenkleider ab 8. Oktober im Esserner Colosseum überzeugen werden. Dann heißen sie aber Myrthes Monteiro, Anastasia Bain und Sidonie Smith.
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