Evangelisches Krankenhaus: Tumor bei Achtjähriger entfernt
VON DIRKE KÖPP - zuletzt aktualisiert: 28.05.2009 - 08:11Düsseldorf (RPO). Shabana litt unter einem Gesichtstumor. Doch der Verein "Kinder brauchen uns" holte die kleine Afghanin nach Düsseldorf. Bei einem Eingriff im Evangelischen Krankenhaus wurde ein Großteil des Tumors wegoperiert.
Dass alle noch mal von ihr wissen wollen, wie sie sich jetzt fühlt und ob sie Angst hat vor dem Zahnarzt-Termin, ist Shabana eher lästig. Das Mädchen liegt zwar bereits im Untersuchungsstuhl, aber sie hat nur Augen für den Bildschirm über ihrem Kopf, auf dem ein Zeichentrickfilm flimmert. Den Himbeersaft mit dem Narkosemittel, damit ihr die Schmerzen erspart bleiben, trinkt sie gleichgültig.
Shabana ist nur vorübergehend in Deutschland. Die kleine Afghanin litt unter einem Gesichtstumor: einem Lymphaniom, das sich in der rechten Gesichtshälfte vom Unterkiefer bis zur Schädelbasis streckte. Da es in ihrer Heimat nicht operiert werden konnte, holte der Verein "Kinder brauchen uns" sie nach Düsseldorf; Adam Kurzeja, Chefarzt der HNO-Klinik am EVK, operierte sie. Vor ihrer Rückreise nach Afghanistan stand der Besuch bei den Plus-Zahnärzten mit der Zahnsanierung an – ebenso gratis wie die Operation im EVK.
In einem neunstündigen Eingriff hatten Kurzeja und sein Team Shabana den größten Teil des Tumors entfernt. "Leider war er aber auch hinters Auge gewachsen", sagt Kurzeja. "Daher konnten wir nicht alles wegnehmen, um das Augenlicht nicht zu gefährden. Da der Tumor aber nicht bösartig war, konnten wir das riskieren." In Afghanistan wird sie regelmäßig von Ärzten von "Kinder brauchen uns" kontrolliert werden, und in zwei bis drei Jahren soll sie zur Nach-Operation wieder nach Deutschland kommen.
Seit rund 15 Jahren behandelt HNO-Chef Kurzeja Kinder aus Ländern, in denen die medizinische Versorgung nicht so gut ist wie in der Bundesrepublik. "Es ist erstaunlich zu sehen, wie alle mitziehen", sagt er. "Denn schließlich muss das Bett gestellt werden, brauchen wir Materialien und Medikamente. Aber alle ziehen mit, auch Pharmafirmen spenden regelmäßig." Er selbst sammelt unter anderem bei der Oldtimer-Charity-Rallye "Classics à la carte" Spenden – und fährt auch selbst mit.
Das so entstandene Netzwerk sorgte auch dafür, dass die PlusZahnärzte sich bereit erklärten, für etwa 8000 Euro Kinder zahnmedizinisch zu behandeln. "Wir wollten auf kurzem Weg und unbürokratisch helfen", so Marcel Hoffmann, einer der Praxisgründer. Eine Hilfe, die Mehraban Mehrain, Unfallchirurg aus Düsseldorf und Vorstandsmitglied des Vereins "Kinder brauchen uns", zu würdigen weiß: "Es ist immer ein großes Problem, Spenden zu bekommen."
In enger Absprache mit HNO-Arzt Kurzeja – immerhin war der Tumor ja an der Wange entfernt worden – hatten die Plus-Zahnärzte Shabana gegen Karies behandelt und ihr Füllungen gemacht. Dem Mädchen sieht man den Eingriff kaum noch an. Da der Tumor den Gesichtsnerv geschwächt und auch das Jochbein angegriffen hatte, ist Shabanas rechte Geschichtshälfte derzeit noch ein wenig schief – "aber das wird sich geben", so Kurzeja. Und auch ihr Lächeln – mit Milch- und bleibenden Zähnen – ist nun wieder strahlend.
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