Wehrhahn-Linie: U-Bahn-Anlieger erwägen Klage
VON LESLIE BROOK - zuletzt aktualisiert: 19.12.2009 - 13:06Düsseldorf (RPO). Ein Düsseldorfer Richter hat durchblicken lassen, dass er die Baustelle der Wehrhahn-Linie als Grund für Mietminderung anerkennen könnte. Nun hoffen weitere Betroffene auf Entschädigungen von der Stadt.
Mehrere Anlieger der Wehrhahn-Linie erwägen nach ersten positiven Anzeichen im Prozess von Manes Meckenstock, Klage gegen die Stadt einzureichen. Sollte die U-Bahn-Baustelle als Grund für Mietminderungen anerkannt werden, wird das voraussichtlich eine Welle von Forderungen auslösen. Händler und Vermieter beklagen, dass sich die Baustelle negativ auf Einnahmen und die Zahl der vermieten Wohnungen und Ladenlokale entlang der U-Bahn auswirken.
Seit einem halben Jahr klafft das Bauloch an der Wagnerstaße auf Seiten der Wagner-Apotheke. Inhaber Jürgen Deckert sagt: „Seitdem ist es schlagartig viel schlechter geworden.“ Zwei Ärzte seien in Folge der Baustelle weggezogen, die Kundenzahl sei um 30 bis 35 Prozent zurückgegangen. „Das schluckt man nicht so eben. Wir haben versucht, das Beste draus zu machen, aber irgendwann geht es nicht mehr.“ Noch zahlt der Apotheker die volle Miete - aber wenn Meckenstock vor Gericht Erfolg haben sollte - werde auch er sich an die Stadt wenden und eine Ausgleichszahlung fordern. Das sei dann gutes Recht, für das sich niemand zu fein sein brauche. Deckert: „Wir wollen überleben, durch die Baustelle werden wir stark beschnitten.“
Auch Eckhart Görner, Inhaber von Foto Koch an der Schadowstraße, sagt: „Wenn wir in unserer Existenz bedroht werden sollten, werden wir an die Stadt herantreten.“ Sie solle auf die Einzelhändler zukommen und ein faires Angebot unterbreiten, zum Beispiel die Gewerbesteuer senken.
Meckenstock hatte die Miete für seine Gaststätte an der Ecke Bilker Allee und Elisabethstraße herabgesetzt, nachdem der Umsatz infolge der Baustelle stark zurückgegangen war. Sein Vermieter hat ihn deshalb auf 25000 Euro verklagt. Die ersten Aussagen von Richter Thorsten Rettig stimmen den Kabarettisten optimistisch. „Es ist wichtig, dass jemand den ersten Schritt macht, einer muss der erste Ritter sein“, sagt Meckenstock. „Noch erstarren viele in Respekt vor einer Stadt Düsseldorf, die ihnen das Leben schwer macht. Aber wenn die Sache entschieden ist, werden sicher andere nachziehen.“
Vor zwei Jahren erfolgte der Spatenstich für den Bau der WehrhahnLinie. Sollte sich Meckenstock vor Gericht durchsetzen, werden voraussichtlich viele Vermieter versuchen, sich die Mietausfälle bei der Stadt Düsseldorf wiederzuholen. Mehrere Vermieter sind bereits mit Mietern konfrontiert, die weniger Miete zahlen. Einige von ihnen versuchen, sich mit den Mietern zu einigen. „Ich bin meinen Ladenmietern im Preis entgegen gekommen“, sagt ein Vermieter von zwei Ladenlokalen am Wehrhahn. Das sei besser, als Leerstand in Kauf zu nehmen. Bei einer Dauer der Bauarbeiten von fünf Jahren würde das Ausfälle in Höhe von 125000 Euro pro Ladenlokal bedeuten. Er sagt: „In Düsseldorf muss man wohl Platane sein, um geschützt zu werden.“
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