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Wehrhahn-Linie: U-Bahn-Bau hilft der Archäologie

VON MICHAEL BROCKERHOFF - zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 - 07:04

Düsseldorf (RP). In den Baugruben für die Wehrhahn-Linie und für den Kö-Bogen konnten Historiker im großen Umfang nach Zeugnissen der Stadtgeschichte graben. Die Funde sind jetzt in einer Broschüre und in einer Ausstellung dokumentiert. Für die bedeutendsten Teile wird ein Schauraum gebaut.

Andreas Kupka, Stephan Keller und Andrea Blome (v.r.) präsentieren Wasserflaschen, Austernschalen, Tabakpfeifen und Senftöpfchen, die in der Nähe des Kö-Grabens gefunden worden sind. Foto: Hans-Juergen Bauer
Andreas Kupka, Stephan Keller und Andrea Blome (v.r.) präsentieren Wasserflaschen, Austernschalen, Tabakpfeifen und Senftöpfchen, die in der Nähe des Kö-Grabens gefunden worden sind. Foto: Hans-Juergen Bauer

Von den Mauerresten der Stadtbefestigungen, von Palisaden, Brunnenschächten und Kellermauern, von Kanonengranaten und zigtausenden Geschirrscherben, die beim Graben für die Wehrhahn-Linie und die Tiefgarage für den Kö-Bogen ans Tageslicht befördert wurden, ist längst nichts mehr zu sehen.

Stabile Betondecken für die unterirdischen Bauwerke sind über die Fundstellen eingezogen worden, die archäologischen Dokumente sind in Sicherheit gebracht oder zumindest penibel dokumentiert worden. Dass sie nicht vollends von der Bildfläche verschwinden, dafür hat die Stadt gesorgt und jetzt eine Broschüre herausgegeben sowie im Internet Informationsseiten mit Texten, Bildern und Karten eingestellt.

"Die U-Bahn-Baustelle und die Arbeiten für den Kö-Bogen haben archäologische Grabungen im großen Stil ermöglich", sagte Verkehrsdezernent Stephan Keller. Wenn auf dem geschichtsträchtigen Gebiet rund um die Altstadt gegraben werde, seien Funde fast unausweichlich. "Aufgrund alter Karten über Bastionen und Befestigungen, die die Stadt schon im 16. Jahrhundert schützen sollten, war abzuschätzen, was auf uns zukam", erklärte Alfred Kupka, archäologischer Grabungskoordinator. An der Oberfläche sei davon kaum noch etwas zu sehen, weil die Mauern ab 1801 geschleift wurden. Spannend waren die Grabungen trotzdem.

Der überraschendste Fund sind laut Kupka die im Zuge der Elberfelder Straße entdeckten gemauerten Pfeiler und Bögen einer Brücke zwischen den vorgelagerten Befestigungen. "Normalerweise sind sie aus Holz, damit sie bei einem Angriff zerstört werden können, um den Feind aufzuhalten", erklärte Kupka. Möglicherweise sei nur ein Teilstück der Brücke über den Graben aus Holz gebaut worden.

Die besterhaltensten Funde sind ein 20 Meter langes Mauerstück der Flinger Kontergarde vor dem Flinger Tor – ausgegraben am Jan-Wellem-Platz – sowie die massiven Naturstein-Verblendungen der Flinger Bastion am heutigen Breidenbacher Hof. "Sie wurden auf Wunsch des Landesamtes für Bodendenkmalpflege geborgen und zwischengelagert. Sie sollen später an geeigneter Stelle wieder aufgebaut und gezeigt werden", sagte Kupka.

Der gefährlichste Fund ist eine sieben Kilogramm schwere Granate für Kanonen, die noch mit Schwarzpulver gefüllt war. "Sie hat den Feuerwehrleuten anfangs Kopfzerbrechen wegen der Entschärfung gemacht", erinnert sich Kupka. Das Geschoss, das in der Nähe des Graf-Adolf-Platzes zutage gefördert wurde, stammt nach Schätzung Kupkas wahrscheinlich von einer Belagerung der Stadt im Jahr 1758.

Die größte Masse der Funde sind die Scherben von Geschirr, Tonflaschen und Tabakspfeifen. "Insgesamt sind etwa 40 000 Scherben und große Teile zusammengekommen, die von Fachleuten nach Fundorten katalogisiert und gereinigt wurden", berichtet Kupka. Sie werden in Kisten bei Stadtarchäologen gelagert und können als Grundlage für wissenschaftliche Arbeiten dienen. Sie könnten einiges über die damalige Lebensweise verraten. "Das Geschirr zeigt, dass der Lebensstandard hoch war. Wasserflaschen waren teuer, und Austern zeugen von gehobenen Tafelfreuden", so der Archäologe.

Alle großen Mauerreste, die nicht in Regale passen und entfernt werden mussten, sind durch Zeichnungen, Vermessungen und Laserscan genau dokumentiert werden. Einige wenige herausragende Teile werden in einem Raum im U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee präsentiert und mit didaktisch aufbereiteten Informationen erklärt werden. "Die Planungen dafür laufen bereits", sagte Andrea Blome, Leiterin des Amtes für Verkehrsmanagement, unserer Zeitung.

Quelle: RP/anch/ila


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