Wohnungen statt Zellen: Ulmer Höh' - eine feine Adresse?
VON MATTHIAS ROSCHER - zuletzt aktualisiert: 26.09.2007 - 09:03Düsseldorf (RPO). Nachdem die Stadt Ratingen offiziell dem Bau einer neuen Justizvollzugsanstalt auf ihrem Gebiet zugestimmt hat, beginnt die Diskussion um die Planung für das bisherige Gefängnis-Gelände. Statt Zellen demnächst Wohnungen?
Düsseldorfs berühmtes Gefängnis Ulmer Höh’ in nicht allzu ferner Zeit eine der feinsten Wohnadressen ? „Das kann ich mir sehr gut vorstellen, die Lage boomt“, sagt Immobilienunternehmer Wulff Aengevelt. „Super“, meint auch Marcel Abel von Jones LangLaSalle, der sich wie Aengevelt sofort an Vorbilder in Schweden, England und Mecklenburg-Vorpommern erinnert. Dort wandeln in denkmalgeschützten Gemäuern gutbetuchte Hotelgäste auf den Spuren früherer Gefängnis-Insassen. Da will sich Alexander Fils, der Planungsexperte der CDU-Fraktion, lieber an die bisher diskutierten Vorgaben halten: Wohnen habe Priorität. Und wenn die alte Bausubstanz es hergibt, könne auch darüber nachgedacht werden, sie in die Planung eines solchen Projektes einzubeziehen.
2010 ist Schluss
Das Gefängnis Ausgelegt ist die Ulmer Höh’ für 550 bis 560 Strafgefangene. Der seit langem geplante Neubau soll Platz für mindestens 800 Untersuchungs- und Strafgefangene bieten. Der Zeitplan 2010 soll das alte und marode Gefängnis geräumt werden, nächstes Jahr beginnt der Bau der neuen Haftanstalt in Ratingen.
Nach einem Jahre währenden Nachbarschaftsstreit hat Ratingen einer neuen Justizvollzugsanstalt - so die offizielle Bezeichnung - auf seinem Stadtgebiet formell zugestimmt. Für die Stadt Düsseldorf bedeutet dies, dass sie das Gelände an der Ulmenstraße endlich als Wohngebiet verplanen kann - ein lang gehegter Wunsch nach den Vorbildern Tannenstraße/Roßstraße und ehemaliges Rheinmetallgelände. Hier wie dort entstehen Wohnungen und attraktive Büros in zum Teil denkmalgeschützten ehemaligen Kasernen und Industriegebäuden. Die einzelnen Objekte werden den Investoren „aus den Fingern gerissen“ (Abel).
Die Ulmer Höh’ gehört zum Stadtteil Derendorf. „Und Derendorf steht für Wohnen, individuelle Büro-Kultur und witzige Gastronomie, wie sie im Hafen nicht schöner sein kann“, sagt Renate Kölbel (Trombello Kölbel). Ein solches Projekt passe deshalb gut in diesen Stadtteil. Es sei stadtnah und liege „auf dieser Rheinseite“. Zudem müssten sich potenzielle Projektentwickler nach der Brüsseler Direktive, Grundstücke ab einer bestimmten Größe europaweit auszuschreiben, verstärkt Gedanken darüber machen, was in Düsseldorf an Flächen ohne größere Umstände für sie noch übrig bleibe.
Viele denken schon intensiv über das „potenzielle Filetstück“ nach. So auch Wulff Aengevelt: Die Lage in gut erreichbarer Entfernung zu Roßstraße/Tannenstraße und dem wachsenden Bürostandort Kennedydamm biete Vorteile von unschätzbarem Wert. „Von der Wohnung zu Fuß ins Büro und ins Restaurant, das ist das Besondere am attraktiven Leben in der Stadt.“ Mit den Denkfabriken Grey an der Roßstraße und Mediacom auf dem Rheinmetall-Gelände entstehe eine neue Kreativmeile, prophezeit Aengevelt. Was sagt Gregor Bonin, der zuständige Stadtplaner? „Unser Ziel sind Wohnungen. Inwieweit wir dabei die Ulmer Höh’ einbeziehen können, müssen wir intensiv untersuchen.“ Im übrigen gebe es noch keinen Bebauungsplan, und das Gelände gehöre dem Land.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





