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Düsseldorf: Ulrike Arnold – Kunst mit Natur

VON REGINA GOLDLÜCKE - zuletzt aktualisiert: 04.01.2010 - 07:57

Düsseldorf (RPO). Die 1950 in Düsseldorf geborene und hier schaffende Künstlerin Ulrike Arnold arbeitet seit 30 Jahren mit Erde, Sand und Kohle – und fast immer unter freiem Himmel. Sie ist die weltweit einzige Künstlerin, die Meteoritenstaub verwendet. Derzeit stellt sie in der Handwerkskammer aus.

Zuletzt stand ihr Maltisch vor einer Höhle in der bizarren Felsenwelt Utahs. "Dort fühlt man sich wie der erste Mensch auf dem Planeten", sagt Ulrike Arnold. Bis zu zehn Stunden am Tag bündelte sie ihre künstlerische Kraft und lenkte sie auf großformatige Leinwände. Sie kapitulierte erst dann, wenn die Temperaturen auf über 40 Grad kletterten. Oder wenn gewaltige Stürme durch die Wüste fegten und den Sand aufpeitschten. Wolkenbrüche dagegen schreckten sie nicht. Sollte doch das Wasser über ihre Bilder strömen und neue, seltsame Strukturen hinterlassen!

Je wilder das Wechselspiel der Natur, umso mehr fühlt sich die 1950 in Düsseldorf geborene Malerin inspiriert. Ulrike Arnold arbeitet seit 30 Jahren mit Erde, Sand und Kohle. Nur unter freiem Himmel. Und immer dort, wo sie faszinierendes Material vorfindet. Das können auch Steine sein, die sie mit dem Hammer zerschlägt und dann geduldig zerbröselt. Oder Vulkanasche, wie man sie in Island findet. "Ich versuche die Essenz eines für mich magischen Ortes mit authentischen Mitteln einzufangen", beschreibt sie ihre Arbeitsweise.

Blickfang auf dem Boden ihres luftigen Düsseldorfer Ateliers ist eine Installation: weiße Leinensäckchen dicht an dicht, gefüllt mit vielfarbigen Erdproben aus aller Welt – Indien, Madagaskar, Island, Asien, Australien, dem Jemen, der Sahara. In jedem Land verbrachte Ulrike Arnold Wochen oder Monate und machte sich künstlerisch zunutze, was sie vorfand. Auf ihren bewusst einsamen, entbehrungsreichen Streifzügen lernte sie, wie man Ängste überwindet und dadurch neue Erkenntnisse gewinnt. "Ist es nicht eine wunderbare Erfüllung, genau das umzusetzen, was man in sich fühlt?" fragt sie.

Kaum vorstellbar, dass es für diese vitale Frau ein Leben davor gab, das sich zunächst wenig spektakulär anließ. Die Pfarrerstochter wuchs mit drei älteren Brüdern und einer musischen Mutter in Oberkassel auf. Sie unterrichtete lange Jahre Kunst und Musik, aber etwas in ihr gab keine Ruhe. Ulrike Arnold begann ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Klaus Rinke. Die Erleuchtung kam, als sie 1979 für ihre Diplomarbeit über prähistorische Höhlenmalerei in die Provence fuhr und von den ockerfarbenen Steinbrüchen schier überwältigt war. Was, wenn sie damit experimentieren würde?

Sie wusste, dass man schon im Mittelalter aus Erde Farbe gewonnen, die Steine aber herausgewaschen hatte. Sie jedoch wollte den gesamten Schatz der Natur nutzen. "Mach mal", ermutigte sie Rinke, bei dem sie bis 1986 Meisterschülerin war. Nach dem Akademie-Abschluss quittierte sie den Schuldienst, um ihre künstlerischen Visionen umzusetzen. Das bedeutete in ihrem Fall fortwährendes Reisen: "Für meine Malerei muss ich die Intuition einer Landschaft spüren" , sagt sie. "Ich will ihren paradiesischen Zustand ausfindig machen."  

Seit 1998 ist sie dem Paradies ganz nah. Arizona wurde ihr zur zweiten Heimat. Dort verbringt sie sechs Monate im Jahr und wird der Farben und Formen nicht müde, die ihr die Wüste beschert. Unversehens fiel ihr das Glück zu, bei einer Wissenschaftskonferenz in Flagstaff einen Forscher zu treffen, der ihr zu Meteoritenstaub verhelfen konnte. Heute ist Ulrike Arnold die weltweit einzige Künstlerin, die mit diesem Material arbeitet. "Meine zweite Erleuchtung", kommentiert sie zufrieden.

Ihre Bilder, die sich in keine Kategorie sperren lassen, wandern mittlerweile durch renommierte Museen und Ausstellungen. Die jüngste Aufrags-Arbeit in Utah diente dazu, Lobby, Spa und Suiten des luxuriösen Aman Resorts am Lake Powell mit "Kunst der Wüste und des Weltalls" auszuschmücken. Jetzt macht sie gerade wieder Station in Düsseldorf, genießt die Kultur, bereitet Ausstellungen vor, gibt Künstlerfeste im Atelier. Wenn die Zahl der "Sehnsuchtsmomente" zunimmt, wird sie wieder nach Arizona aufbrechen.

Ihre Wurzeln sitzen eher locker. "Heimat ist überall da, wo ich bin", sagt sie.

Quelle: RP

 
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