Stadtverwaltung zweifelt an Nutzen: Umweltzone: mehr Fahrverbote
VON MICHAEL BROCKERHOFF - zuletzt aktualisiert: 13.09.2010 - 07:35Düsseldorf (RPO). Nach den Bestimmungen des Luftreinhalteplans für Düsseldorf dürfen ab Januar 2011 keine Fahrzeuge mit roter Plakette in die Innenstadt fahren. Die Stadtverwaltung zweifelt am Nutzen der Einschränkung.
Die Einschränkungen in der Düsseldorfer Umweltzone werden ab 2011 größer. Von diesem Zeitpunkt an werden wahrscheinlich Fahrzeuge mit roter Plakette nicht mehr im Innenstadtbereich fahren dürfen. Das sieht der Luftreinhalteplan für Düsseldorf vor, wenn die Belastung mit Feinstaub nicht unter die vorgeschriebenen Grenzwerte sinkt.
Und das ist nach den neuen Analysen nicht abzusehen. "Die Zahl der Tage, an denen an der Corneliusstraße die zulässige Konzentration von Feinstaub überschritten wurde, ist zwar in den zurückliegenden Jahren geringer geworden, ist aber nach wie vor höher als erlaubt", beschreibt Umweltamtsleiter Werner Görtz den Trend. Die genauen Zahlen des Umweltberichtes für Düsseldorf will die Verwaltung Ende des Monats dem Umweltausschuss des Rates vorlegen.
Wirkungsanalyse steht noch aus
Die Bestimmungen für die Umweltzone werden allerdings nicht automatisch strenger. Vor der endgültigen Entscheidung stehen noch Beratungen der Stadt Düsseldorf mit der Bezirksregierung an. "Eine Erweiterung der Umweltzone hängt auch von der Wirkungsanalyse des Landesumweltamtes ab", sagt Verkehrsdezernent Gregor Bonin. Eine Verschärfung sei nur sinnvoll, wenn sich die Luftqualität aufgrund der Fahrverbote für Autos verbessert habe.
Diese Wirkungsanalyse wird vom Landesumweltamt zurzeit noch erarbeitet. "Die Berechnungen nehmen viel Zeit in Anspruch, weil nicht nur die Situation in Düsseldorf, sondern generell die Wirkung von Umweltzonen im Land untersucht wird", sagt Eberhard Jacobs, Sprecher des Landesumweltamtes. Ziel sei es, der Politik eine Grundlage für umweltpolitische Entscheidungen zu liefern. Die ersten Erfahrungen hätten aber gezeigt, dass sich die Umweltzone positiv auswirke, so Jacobs. "Auch an der Corneliusstraße in Düsseldorf war die Belastung vor den Einschränkungen viel größer."
Aufgrund dieser Erfahrung geht nach Einschätzung von Dirk Jansen, NRW-Geschäftsführer des Bundes Umwelt- und Naturschutz Deutschland (Bund), kein Weg an einer Verschärfung der Umweltzone vorbei. "Über kurz oder lang muss ein Fahrverbot auch für Autos mit gelber Plakette verhängt werden, muss zudem die Umweltzone auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt werden", ist er überzeugt.
Umweltamtsleiter Görtz geht allerdings nach den bisherigen Entwicklungen nicht davon aus, dass mit Verkehrsbeschränkungen allein die Grenzwerte eingehalten werden können. Der Autoverkehr werde wachsen, die Mobilität könne nicht über Gebühr eingeschränkt werden. "Andere Schadstoffquellen müssen gestopft werden, etwa in der Industrie, durch Auflagen für Einzelheizungen mit Holz oder Kohle oder durch Schadstofffilter für Schiffsmotoren, die viel Feinstaub freisetzen", sagt er. Der Luftreinhalteplan für Düsseldorf, in dem die Umweltzone nur ein einzelner Bestandteil sei, gebe dafür Ansatzpunkte. Ein umfassendes Konzept sei nötig.
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