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Lange Nacht der Museen: Ungewöhnliche Begegnungen im Museum

VON LINA UNTERBÖRSCH - zuletzt aktualisiert: 10.05.2009 - 14:16

Wenn Pinguine zu Countrymusik einschlafen und sich einander völlig fremde Menschen im Theatermuseum anschreien – ja dann ist wohl wieder einmal  "Nacht der Museen".

Wer wollte, konnte am Samstagabend mit allen Sinnen genießen. Da gab es schnörkellose Kunst fürs Auge, Workshops für den Körper oder reiche musikalische Auswahl für die Ohren. Die Qual der Wahl bildete dabei den Anfang einer langen Nacht: Für einen einmaligen Kartenpreis von zwölf Euro standen in diesem Jahr über 40 Schauplätze mit rund 180 Veranstaltungen im Programmheftchen. Schier unmöglich, alles in dem kurzen Zeitrahmen von 19 Uhr bis 2 Uhr nachts zu schaffen. Gut beraten war, wer sich da gleich zu Beginn einen groben Plan mit seinen persönlichen Highlights zurechtgelegt hatte.

Langes Schlangestehen vor den Kassenhäuschen auf dem Grabbeplatz: Mit dem Zusammentreffen aller drei Linien des Bus-Shuttles der Dreh- und Angelpunkt des Abends. Von dort aus waren es nur ein paar Schritte zu vielen in der Altstadt gelegenen Museen.

Bei manch einem frisch Angereisten machte sich auf dem Burgplatz gleich nackte Panik breit. Angesichts Tausender von Menschen stellt sich die Frage: "Wollen die etwa alle ins Museum?"  „Dann geh' ich sofort wieder nach Hause“, beschwert sich die 17-jährige Marina, die sich gerade eben erst mit ihren Freunden Karten gekauft hat. Aber es gibt Entwarnung: "Museumsnacht? Kenn isch net!" Den Menschen auf dem Burgplatz geht es genauso, nur umgekehrt. WDR 4 feierte nämlich sein Jubiläum und hatte dazu viele Schlagerstars auf den Burgplatz geladen.

Vielleicht ganz ungewollt kam jedoch manch ein Museumsbesucher dafür in ungewöhnlichen Musikgenuss. Je nach Museum sah das dann so aus: Während die Besucher des Schifffahrtsmuseums im Burgturm gegen 20 Uhr plötzlich und gemeinschaftlich anfingen, in der Enge der Wendeltreppe zu Heinos "Sierra Madre" zu schunkeln, schaute doch der ein oder andere Markus Lüpertz-Fan etwas indigniert aus den Fenstern der Akademie-Galerie, die ebenfalls direkt am Burgplatz gelegen ist.

Zum ersten Mal in diesem Jahr bei der Nacht der Museen dabei: der Landtag NRW. Grund genug, auch hier einmal vorbeizuschauen. Gegen 21 Uhr waren die Shuttle-Busse noch nicht richtig voll, der Busservice funktionierte aber tadellos. Höchstens zehn Minuten, länger musste keiner warten, um eine der drei verschiedenen Linien zu erwischen, die in alle Richtungen Düsseldorfs direkt zu den teilnehmenden Museen und Galerien fuhren.

Am Landtag angekommen überraschten viele Buden mit Würstchen, Süßigkeiten und Kaffee. Dazu auch eine große Bühne, auf der Künstler Hits aus den beliebtesten Musicals sangen. Schon wieder ein Grund, den Zeitplan zu vergessen. Schnell aber losgeeist und in das Landtagsgebäude hinein. Es ist 21.30 Uhr. Ein Aufgebot an Polizei und Security hatte sich zwar hier versammelt, aber die Stimmung war dank Pantomime Nemo und Bands eher beschwingt. Im Vordergrund standen neben der Architektur Landtags vor allem die Gemälde, etwa von Jörg Immendorff oder Günther Uecker, und eine Fotoausstellung zur Zeit des Parlamentarischen Rates 1948/49. Einmal da sitzen, wo sonst die Abgeordneten sitzen? Kein Problem, ein paar Stühle waren für Politikfans freigegeben.

Vor dem Monkey's East am Graf-Adolf-Platz bildete sich eine riesige Schlange mit jungen Leuten. „Nein, ins Museum will ich eigentlich nicht“, sagt Max aus Düsseldorf. Aber das, was hier geboten wird, findet er gut: „Super Hip-Hop gibt’s hier“, sagt der 19-Jährige. Die Künstler sind ebenfalls junge Leute, und zwar Preisträger des „EigenARTig-Awards“ der Stadt Düsseldorf.

Nächste Station: Das Theatermuseum. Mittlerweile ist es 23 Uhr und Sprechtrainerin Barbara Moraidis fordert etwa 20 Menschen auf, sich gegenseitig anzuschreien. „Das ist jetzt Lautstärke Fünf“ sagt sie und bittet dann, sich auf den Bauch und auf die Oberschenkel zu klopfen. Erstaunlich, wie schnell Menschen miteinander in Kontakt kommen können. Es scheint so, als ob sich um diese vorgerückte Stunde alle Museumsnacht-Besucher immer mehr und schneller miteinander bekannt machen.

Es ist fast Mitternacht. Nur noch zwei Stunden Zeit für zwei weitere Punkte auf der Liste. Es geht in den Aquazoo. Der Busfahrer tritt aufs Gas und das ist gut so. Im Aquazoo macht die 14-jährige Theresa etwas, woran sie eigentlich im Traum nicht gedacht hätte: Sie streichelt eine mexikanische Rotkniespinne. Die ist fast so groß wie eine Handfläche und ziemlich behaart. Dr. Stephan Loksa, der Spinnenfachmann des Hauses, erklärt den Besuchern, was für faszinierende Tiere Spinnen eigentlich sind. Auch andere Tiere, die allgemein als eklig gelten, standen im Aquazoo hoch im Kurs: Wer wollte, konnte tatsächlich beim Schabenrennen mitmachen. Das interessierte die Pinguine jedoch herzlich wenig: Während im Foyer Countrymusik gespielt wurde, versuchten die kleinen Herren im Frack, ihre Nachtruhe einzuhalten.

Um kurz vor zwei Uhr ist die letzte Station erreicht: der Ehrenhof. Neben den großen Museen lockte vor allem die große Videoinstallation des Künstler-Kollektivs "Studio Azurro". Mit riesigen leistungsstarken Beamern wurde ein Wasserbecken an die Fassade des NRW Forums projeziert – und ein Schwimmer zog seine Bahnen, immer und immer wieder. Dazu wurde meditative Musik gespielt, kein Wunder, dass viele Menschen auf Strandliegen Platz genommen hatten und sich ganz von der Atmosphäre zu der späten Stunde einfangen ließen.

 „Das ist unglaublich meditativ“, schwärmt die 43-jährige Brigitte aus Ratingen. Zusammen mit ihrem Mann wollte sie hier eine gelungene Nacht der Museen ausklingen lassen. „Die Füße tun uns ganz schön weh“, klagt Ehemann Hans. Eines waren sie sich am Ende einer langen Nacht jedoch gewiss: „Nächstes Mal kommen wir auf jeden Fall wieder.“


 
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