OPs mussten verschoben werden: Uniklinik: Narkoseärzte fehlen
zuletzt aktualisiert: 18.12.2006 - 08:42Bereits mehrfach mussten am Klinikum der Heinrich-Heine-Universität Operationen verschoben werden. Grund: Es gab nicht genug Anästhesisten, die die Patienten fachgerecht in den Tiefschlaf hätten versetzen können.
Eigentlich hätte Hermann Melcher vergangene Woche operiert werden sollen. Der 68-Jährige hat einen Tumor in der linken Niere. 19 Millimeter groß. Für ihn war alles klar. Er lag bereits in der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums. Am folgenden Morgen sollte der Tumor entfernt werden. Sollte. Denn die Operation wurde abgesagt. „Es hieß, sie hätten keine Anästhesisten für die OP“, erzählt Hermann Melcher, der inzwischen wieder zu Hause ist. Mit Tumor. Und mit Wut im Bauch. „Das kann doch nicht sein, dass die Uniklinik zu wenig Anästhesisten hat“, schimpft er.
Wolfgang Raab, ärztlicher Direktor der Uniklinik, räumt die Probleme ein: „Wir haben einen Engpass bei den Narkoseärzten.“ Acht der 73,5 Anästhesie-Stellen sind derzeit nicht besetzt. Dadurch kommt es immer wieder zu Verzögerungen bei den Operationen. „Wie viele genau, kann der OP-Manager jedoch nicht sagen“, so Kliniksprecherin Susanne Dopheide. „Es liegt aber auch in den Händen der einzelnen Abteilungen, welche Eingriffe verschoben werden.“
Hermann Melcher wurde von einem Arzt glaubhaft versichert, die verschobene Operation gefährde seine Gesundheit und sein Leben nicht. „Das glaube ich ihm auch“, sagt der 68-Jährige. „Und ich habe im Moment auch keine Schmerzen. Aber das heißt ja nicht, dass ich mich wohl fühle mit dem Tumor.“
Für den Mangel an Narkoseärzten - der nicht nur die Klinik für Urologie, sondern alle chirurgischen Kliniken des Universitätsklinikums trifft - führt der ärztliche Direktor zwei Gründe an: den bevorstehenden Wechsel an der Spitze der Klinik für Anästhesiologie - Direktor Jörg Tarnow geht in den Ruhestand - und das Abwandern von Fachärzten ins Ausland. Mehrere von ihnen zog es nach Großbritannien oder in die Niederlande. „Wer eine Chance hat wegzugehen, der geht“, heißt es unter den deutschen Ärzten.
Viele sind unzufrieden mit der Bezahlung an deutschen Kliniken. In den Niederlanden verdienen sie zwei- bis dreimal so viel wie hierzulande. Wenn dann noch ein Chef-Wechsel ansteht, ist es vielen zu unsicher für die Karriere zu bleiben.
Wolfgang Raab verspricht, das Problem werde nicht von Dauer sein: „Wir sind schon auf der Suche nach Ärzten für fünf freie Stellen.“ Die restlichen drei können erst im April besetzt werden, wenn die alten Verträge auslaufen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Facharztmangel generell groß ist.
Mit dem neuen Operationszentrum, das 2008 fertig werden soll, werde es keine solchen Engpässe mehr geben, hofft die Klinikverwaltung. Dann wären alle unter einem Dach, nicht wie derzeit über die einzelnen Gebäude verteilt, und könnten in benachbarten OP-Sälen flexibler eingesetzt werden.
So lange kann Hermann Melcher nicht warten. Er hat einen neuen OP-Termin bekommen. Da er über Weihnachten zu Hause sein wollte, kam ein Dezember-Termin nicht in Frage. „Jetzt soll ich am 11. Januar operiert werden“, sagt er. „Und die Ärzte auf der Station haben mir versprochen, dass es dann auch ganz sicher klappt.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





