Düsseldorf: Unregelmäßigkeiten bei U-Bahn-Bau
zuletzt aktualisiert: 23.02.2010 - 18:31Der Pfusch an der U-Bahn-Baustelle in Köln ist offenbar kein Einzelfall. Auch beim Bau der Düsseldorfer U-Bahn hat es Unregelmäßigkeiten gegeben. Bei der Auswertung der Akten zum Bau der Schlitzwände an der geplanten "Wehrhahn-Linie" seien gefälschte Protokolle entdeckt worden, sagte Baudezernent Gregor Bonin in Düsseldorf. Die Stadt habe Strafanzeige erstattet.
Nach Angaben der Stadt hat die Baufirma Bilfinger Berger bisher 413 Messprotokolle untersucht. Bei 27 davon wurden Auffälligkeiten festgestellt. Offenkundig seien die Protokolle von den Arbeitern gefälscht worden, die auch in Köln aktiv gewesen seien.
Die Arbeiter waren nach Angaben der Stadt am Südast der Wehrhahn-Linie tätig. Damit betreffen die Unregelmäßigkeiten die Baustellen am Corneliusplatz und an der Benrather Straße.
Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass die Bauarbeiten möglicherweise nicht korrekt ausgeführt wurden. Konkret könnte bei sechs von insgesamt rund 500 Schlitzwandlamellen nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden, dass einige Schubhaken zur Verbindung von Bewehrungskörben fehlten.
Für die Unregelmäßigkeiten sind nach Angaben von Bilfinger Berger Mitarbeiter verantwortlich, die bereits unmittelbar nach Bekanntwerden der Kölner Vorwürfe freigestellt wurden.
Düsseldorfer Bezirksregierung plant große Überprüfung
Die Düsseldorfer Bezirksregierung kündigt nach den neuen Pfusch-Vorwürfen gegen die Baufirma Bilfinger Berger weitreichende Konsequenzen an. Nach Informationen unserer Redaktion, will die Bezirksregierung nun auch die bereits abgenommenen Bauwerke, an denen Bilfinger Berger beteiligt war, nachträglich auf ihre Sicherheit prüfen.
"Der Straßenbetrieb Straßen NRW ist beauftragt worden, alle Bauwerke, an denen Bilfinger Berger beteiligt war, zu melden", sagte ein Sprecher unserer Redaktion. Auch die Städte, in denen in den vergangenen 40 Jahren U-Bahn-Strecken errichtet wurden, seien aufgerufen worden, eine Beteiligung von Bilfinger Berger zu melden. Betroffen sind möglicherweise Strecken in Bielefeld, Dortmund, Mülheim, Oberhausen, Duisburg, Krefeld, Bochum, Gelsenkirchen und Witten, sagte ein Sprecher.
Stadt bestellt Gutachter
Die Stadt Düsseldorf will nun einen unabhängingen Gutachter beauftragen, der die Protokolle überprüfen soll. Wie lange das dauern wird, ist noch unklar. Die Baufirma solle nun nachweisen, dass die Wände trotz der möglicherweise falschen Bauausführung in jedem Fall stabil seien. Sei das nicht der Fall, werde unter Aufsicht eines Gutachters nachgebessert.
Nach Angaben der Stadt besteht auch dann keine Gefahr für die Düsseldorfer Bürger, wenn die Schlitzwände tatsächlich nicht korrekt gebaut wurden. Die betroffenen Wände würden ohnehin erst bei der Fertigstellung der U-Bahnhöfe belastet.
Die Situation beim Bau der Wehrhahn-Linie in Düsseldorf ist Bilfinger Berger zufolge nicht mit der Situation in Köln zu vergleichen. Da das Projekt erst am Anfang stehe, könnten im Zuge des weiteren Aushubs bei Bedarf zusätzliche Verstärkungen eingebaut werden, betonte das Unternehmen. Die Standsicherheit sei jederzeit in vollem Umfang gewährleistet.
Bilfinger Berger hatte den Skandal um den U-Bahn-Bau in Köln zum Anlass genommen, auch die bislang erfolgten Vorarbeiten für das U-Bahnprojekt Wehrhahnlinie in Düsseldorf zu untersuchen.
Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) hat völlige Offenheit und Transparenz beim Umgang mit den Unregelmäßigkeiten angekündigt. "Hier wird nicths beschwichtigt und verharmlos. Jeder Unregelmäßigkeit wird konsequent nachgegangen und diese gegebenenfalls den Ermittlungsbehörden gemeldet", so Elbers.
Bauarbeiten gehen weiter
Die Bauarbeiten für die "Wehrhahn-Linie" gehen wie geplant weiter. Am Montag, 1. März, wird die Tunnelbohr-Maschine im Startschacht in Bilk in Betrieb genommen. Sie soll den Tunnel in Richtung Benrather Straße bohren. Die Bohrarbeiten stehen in keinem Zusammenhang mit der Funktionsfähigkeit der Schlitzwände, wie die Stadt betont.
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