Unternehmen will 500 Stellen streichen: Unsicherheit bei Henkel
VON BERND BUSSANG UND MATTHIAS ROSCHER - zuletzt aktualisiert: 09.07.2008Düsseldorf (RPO). Eine Belegschaftsversammlung am Donnerstag soll Klarheit über den Abbau von 500 Stellen bringen. Die Gewerkschaft fordert Unterstützung bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen.
Der Betriebsrat des Henkel-Konzerns hat als erste Reaktion auf den angekündigten Stellenabbau für den morgigen Donnerstag eine außerordentliche Belegschaftsversammlung angesetzt. Während ein Unternehmenssprecher gestern versicherte, dass die in Düsseldorf geplante Streichung von 500 Arbeitsplätzen gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung „sozialverantwortlich“ angegangen werden soll, wurden vor dem Holthausener Werkstor kritische Stimmen laut.
„Von den guten, alten Henkel-Zeiten ist nichts mehr zu spüren“, sagte Anne Schauerte. Die 44 Jahre alte kaufmännische Angestellte arbeitet seit 25 Jahren bei Henkel. „Sprudelnde Gewinne und Stellenabbau passen nicht zusammen“, kritisierte der Düsseldorfer Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie, Rolf Erler, das Vorgehen der Konzernspitze.
Von 10000 Arbeitsplätzen will Henkel in Deutschland 1000 streichen. Insgesamt ist dies Bestandteil eines weltweiten Einsparprogramms, von dem 3000 Stellen betroffen sind.
Der Düsseldorfer Konzern will seine Forschung und Entwicklung zukünftig dort bündeln, wo die Nähe zu den Konsumenten und den Kunden gegeben ist. Daher wird die bisher bereichsunabhängige Forschung weitgehend in Bereiche wie Wasch-/Reinigungsmittel oder Kosmetik/Körperpflege integriert.
Bisher habe man Stellenstreichungen bei Henkel „relativ human“ abgewickelt, jetzt stelle man „eine andere Gangart“ fest. Unter einer sozialverträglichen Lösung verstehe die Arbeitnehmervertretung nicht nur hohe Abfindungen, sondern auch eine Unterstützung bei der Suche nach Arbeitsplätzen und Investitionen in Qualifizierungsmaßnahmen.
Die geplante Stellenreduzierung betrifft in Düsseldorf die zentrale Grundlagenforschung. Sie soll den einzelnen Unternehmensbereichen organisatorisch neu zugeordnet werden, für die sie bereits arbeitet.
Die Absicht, deutschlandweit 1000 Arbeitsplätze zu streichen, traf den Betriebsrat nicht überraschend. „Allerdings wird jetzt ersichtlich, wie sehr der Standort Düsseldorf tatsächlich betroffen ist“, sagte Betriebsratsvorsitzender Wilfried Zander. Gerade nach dem Wechsel an der Konzernspitze von Ulrich Lehner an Kasper Rorsted herrsche große Unsicherheit in der Belegschaft. „Wir müssen jetzt gemeinsam mit der Unternehmensleitung versuchen, den Umbau erträglich zu gestalten, und alle Mittel ausschöpfen.“
Neben Altersteilzeit und Vorruhestand für die Älteren seien auch Dienstaufhebungen mit Abfindungen denkbar. „Da über Düsseldorf hinaus alle Unternehmensbereiche betroffen sind, werden Versetzungen schwierig. Wir können betriebsbedingte Kündigungen derzeit nicht ausschließen“, sagte Zander. Das angekündigte Einsparprogramm läuft bis 2011und hatte seinen Vorläufer in den Jahren 2004 bis 2006. Auch damals waren weltweit 3000 Stellen im Einvernehmen mit dem Betriebsrat gestrichen worden.
Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Gerhard Eschenbaum, nannte die beabsichtigen Arbeitsplatz-Reduzierungen „bedauerlich“. Angesichts der Kostenentwicklung im Energie- und Rohstoff-Bereich müsse Henkel jedoch sehen, wie man sich gegen die internationale Konkurrenz positionieren kann.
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