350 Feuerwehr-Einsätze: Unwetter legt Düsseldorf lahm
VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 03.07.2009 - 22:03Düsseldorf (RPO). Sperrung der A44, Wassereinbruch im Keller des Dominikus-Krankenhauses, der Terminalbahnhof am Flughafen unter Wasser, Blitzeinschläge, Verzögerungen im Bahn- und Flugverkehr: Polizei und Feuerwehr hatten nach dem Gewitter am Abend alle Hände voll zu tun.
Gegen 18 Uhr verdunkelte sich der Himmel über Düsseldorf: Nach Tagen drückender Hitze brachte das zweite Gewitter des Tages, das von Westen über Düsseldorf zog, zwar die lang ersehnte Abkühlung mit sich allerdings auch zahlreiche Einsätze für Feuerwehr und Polizei. „Land unter” habe nach dem Unwetter geherrscht, so Feuerwehrsprecher Hans-Jochen Hermes.
So musste die A 44 zwischen dem Kreuz Meerbusch und der Ausfahrt Stadion/Messe am Abend wegen Überflutung voll gesperrt werden. Mehrere Tunnel seien überflutet worden, auch die Betriebsgebäude für die Tunnel, in denen sich die Pumpen befinden. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, diese freizubekommen, damit wir das Wasser abpumpen können”, sagte Ingrid Scholtz vom Landesbetrieb Straßen NRW unserer Zeitung am Abend.
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Stromausfall im Krankenhaus
Am Flughafen lief der Terminal-Bahnhof voller Wasser. „Wir mussten die Oberleitungen abschalten, auch mehrere Sicherungskästen sind beeinträchtigt”, so Stefan Beckmann von der Bundespolizei. 40 bis 50 Zentimeter Wasser seien eingedrungen, bestätigte Bahnsprecher Torsten Nehring, die S-Bahn-Linie 7 konnte aus Richtung Solingen nur bis Unterrath fahren.
Durch unwetterbedingte Störungen in Essen sowie zwischen Krefeld und Viersen kam es auch in der Landeshaupstadt zu Verzögerungen im Bahnverkehr. Am Flughafen selber waren zwischen 18 und 19.20 Uhr die Start- und Landebahnen gesperrt, erst um 19.50 Uhr konnten beide wieder in Betrieb genommen werden. Eine Maschine aus London musste nach Bonn umgeleitet werden. Der Airport erhielt Ausnahmegenehmigungen für Starts bis 23.30 Uhr und Landungen bis 0.30 Uhr. Es kam zu zahlreichen Verspätungen, bis in den späten Abend musste Wasser aus den Tiefgaragen und aus der Ankunftsebene abgepumpt werden. Auch zwei Messehallen standen zeitweise unter Wasser. Weitere Informationen über Abflug- und Landezeiten erhalten Sie hier.
Straßen unpassierbar
Der Keller des Dominikus-Krankenhauses lief voll Wasser. Patienten kamen nicht zu Schaden. In mehreren Tiefgaragen, darunter ein Parkhaus in Lörick, standen Autos bis zur Windschutzscheibe unter Wasser. An der Straße Sonnenacker in Wittlaer schlug der Blitz in ein Haus ein, wodurch der Dachstuhl in Brand geriet.
Durch einen weiteren Blitzeinschlag in ein Wohnhaus an der Ludenberger Straße wurde ein Mann leicht verletzt, er musste mit dem Notarzt in ein Krankenhaus gebracht werden.
Mehrere Straßen im Norden und im Westen der Stadt, darunter die Danziger Straße und die Brücke am Nordstern, waren für mehrere Stunden unpassierbar, weil sie bis zu 50 Zentimeter unter Wasser standen. Auch andere wichtige Hauptverkehrsadern wie die Theodor-Heuss-Brücke waren von dem Starkregen betroffen. „Zeitweise gab es auch mit dem Telefonnetz Probleme”, so Hermes.
Im Schlauchboot durch den Supermarkt
An der Wiesenstraße lief ein 1000 Quadratmeter großes Chemielager voll. Das Wasser wurde bereits herausgepumpt. Gefahrstoffe wurden bis jetzt nicht frei. Weitere Keller von Nachbargebäuden sind ebenfalls betroffen. In eine Tiefgarage in Höhe der Hausnummer 70 liefen mehrere Tausend Liter Regenwasser ein. Im Gebäudekomplex befindet sich auch ein Restaurant, wovon die Kühlung im Keller ausfiel. Ein gemeldeter Brand im Dachstuhl der Rochuskirche entpuppte sich hingegen als Falschmeldung.
An der Schiessstraße drang Regenwasser in den Real-Markt ein und flutete das Ladenlokal, eine Tiefgarage und das Parkhaus. Auf einer Fläche von 1500 Quadratmetern war das Wasser stellenweise 1,5 Meter hoch angestaut. Die Feuerwehr kontrollierte mit einem Schlauchboot ob Menschen betroffen waren, da der Einkauf zu diesem Zeitpunkt noch lief. Der Markt wurde parallel geschlossen. Das Technische Hilfswerk Düsseldorf übernahm das Auspumpen der über 2.000.000 Liter Wasser.
Auch im Keller der Firma Teekanne standen etwa 5.000 Liter Wasser, die abgepumpt wurden. Auf der Messe waren die Hallen 12 und 14 mit insgesamt 1.200.000 Liter Wasser betroffen. Das Technische Hilfswerk Solingen wurde dorthin entsendet.
Insgesamt musste die Feuerwehr am Abend zu über 300 Einsätzen ausrücken. 250 Feuerwehrleute waren zeitgleich unterwegs, um die Einsätze nach Dringlichkeit abzuarbeiten. Die Leitstelle alarmierte alle Feuer- und Rettungswachen, die Löschgruppen der Freiwilligen Feuerwehr, dienstfreie Mitarbeiter sowie das Technische Hilfswerk. In der Leitstelle wurde eine technische Einsatzleitung gebildet.
Schadenshöhe noch nicht bezifferbar
Bereits am Nachmittag war ein erster Sturm über die Stadt gezogen, hatte jedoch nur geringe Schäden angerichtet und die City komplett verschont. In Stockum und Lörick waren einige Keller voller Wasser gelaufen. An der Ecke Dreher-/Torfbruchstraße stürzte ein Kamin, zerstörte eine Gartenlaube und fiel auf die Torfbruchstraße.
Nachdem als Folge des extremen Regens bis Samstagmorgen rund 500 Einsatzstellen abgearbeitet werden konnten, ebbte die Flut der Anrufe mittags ab, meldet die Feuerwehr. Bis 11 Uhr gingen rund 30 weitere Anrufe von Betroffenen ein, die Wasser im Keller, Aufzugsschacht oder der Tiefgarage meldeten. Diese Wasserschäden seien erst an diesem Morgen bemerkt worden, als die Bewohner ihre tiefer gelegenen Räumlichkeiten aufsuchten.
Gegen Mittag standen noch acht Adressen auf der Warteliste der Feuerwehr, während zeitgleich an neun Einsatzstellen Wasser gepumpt worden ist. Zu den entstandenen Sachschäden können von der Feuerwehr keine Angaben gemacht werden.
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