Dinge, die man in Düsseldorf erlebt haben sollte: Urdenbacher Fest ist international bekannt
VON SONJA SCHMITZ - zuletzt aktualisiert: 21.01.2012 - 11:56Düsseldorf (RPO). Wenn das Dorf im Süden Düsseldorfs das Erntedankfest feiert, kommen die Schaulustigen auch von weit her. Die Urdenbacher legen sich mächtig ins Zeug und schmücken herbstlich das Dorf. Alt und Jung laufen mit Blotschen, Lederhosen und Dirndl beim Umzug mit.
Früher, als es noch nicht jeden Tag im Jahr alle Arten von Obst und Gemüse im Supermarkt zu kaufen gab, da war die Ernte im Dorf ein Riesenfest. Heute gibt es in Urdenbach gar keine Bauern mehr, die die Ernte einfahren. Aber das Riesenfest und die damit verbundene Freude ist den Urdenbachern geblieben. Über vier Tage dauern die Feierlichkeiten, die vom Allgemeinen Bürgerverein Urdenbach organisiert werden. Zum Umzug, der auf den Sonntag nach dem 29. September fällt, säumen mehrere Tausend Zuschauer die Straßen des alten Ortskerns.
Nicht nur Düsseldorfer besuchen das traditionelle Fest. Auch aus anderen Winkeln Deutschlands und sogar dem Ausland haben Freunde des Brauchtums davon gehört, dass es in Urdenbach ein besonderes folkloristisches Spektakel zu erleben gibt. Das wissen die Urdenbacher und legen sich auch mächtig ins Zeug. Frauen und Mädchen tragen Dirndl, die Männer und Jungen Lederhose. Einige klackern mit Holzschuhen - auch Blotschen genannt - durch das Dorf.
An die 40 Gruppen beteiligen sich an dem Umzug. Sie haben Namen wie Odebache Heckedrisser, Pompeflitzer oder Pützeschwengel und bieten alles auf, was das Dorf an schmuckvollem Landleben zu bieten hat. Oldtimer-Traktoren werden noch einmal auf Glanz poliert, Kaltblüter eingespannt und wer beides nicht zu bieten hat, der zieht einen Bollerwagen oder nimmt einfach einen alten Schubkarren zur Hand, der dann Schürreskarren heißt.
Wenn der Zug sich in Bewegung setzt, fährt auf dem ersten Wagen immer der katholische Pfarrer mit. Schließlich geht es bei dem ländlichen Ritual darum, Gott für die Gaben der Ernte zu danken. Nicht nur Brauchtumsgruppen, auch das Benrather Krankenhaus beteiligt sich mit einem Wagen.
Immer wieder stoßen zu den Mitwirkenden auch Gäste hinzu. Manche sind sogar weit gereist. Großen Anklang fand eine Gruppe Norweger, die statt traditioneller Marschmusik lustige Lieder wie „Probier?s mal mit Gemütlichkeit“ aus dem Dschungelbuch zum Besten gab.
Einen wichtigen Anteil an der besonderen Atmosphäre dieses Tages haben auch die Anwohner des Umzugs. Die Häuser am Wegesrand sind mit Blumenkübeln und -kränzen, Girlanden, Strohpuppen oder üppig ausgestatteten Gemüsekörben reich geschmückt, als sei ein Wettbewerb unter den Nachbarn ausgebrochen.
Nach dem Ende des zweieinhalbstündigen Umzugs können sich Mitwirkende und Zuschauer nach ländlicher Manier stärken. Auf dem Festplatz wird traditionell ein Ochse am Spieß gebraten. Am Tag darauf klingt das Erntedankfest in Urdenbach mit dem Blotschenball aus, wo das Blotschenkönigspaar gewählt wird.
Nachschub für durchgetanzte Schuhe gibt es dann im August auf dem Handwerker- und Töpfermarkt in Urdenbach, wo ein Blotschenmacher aus dem Münsterland seinen Stand hat. Überhaupt arbeiten die Urdenbacher - allen voran der Allgemeine Bürgerverein Urdenbach - daran, dass der einstige Fischer- und Töpferort lebendig und attraktiv bleibt. Bei Dunkelheit werden die Kirchen und Denkmäler angestrahlt.
Zu den historischen Schätzen zählt an der Urdenbacher Dorfstraße das alte Gerichtsgebäude aus dem Jahr 1535, das zu den ältesten Gebäuden der Landeshauptstadt zählt. Die niedrige Bauweise erinnert daran, dass die Menschen damals noch ein Stückchen kleiner waren. Ein altes Wahrzeichen ist auch die Böke Pomp, die Pumpe an den Buchen, die 1874 an der Hochstraße errichtet wurde. Dort startet nach dem Erntedankumzug das Schürreskarrenrennen.
Nicht weit davon steht ein kleines Spritzenhaus, das 1784 dort erbaut wurde. Richtig urtümlich wird es in Urdenbach auch, wenn Hochwasser herrscht und der Rhein die Urdenbacher Kämpe überflutet. Diese Besonderheit der Landschaft bietet für selten gewordene Pflanzen und Tieren den Lebensraum. Und so wird in Urdenbach tatsächlich mehr als anderswo eine ländliche Idylle bewahrt.
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