Ulrich Tukur kommt mit den "Rhythmus Boys“ nach Düsseldorf: "Venedig ist mein Lebensgefühl"
zuletzt aktualisiert: 16.02.2007 - 08:46Düsseldorf (RPO). Interview mit dem Schauspieler und Sänger Ulrich Tukur, der mit seiner Tanzkapelle „Die Rhythmus Boys“ nach Düsseldorf kommt. Im Moment touren Sie mit Ihrer Tanzkapelle „Die Rhythmus Boys“ durch Deutschland und spielen Musik aus dem Zirkusmilieu der 20er und 30er Jahre. Ist das Ihre Zeit?
Tukur Ja, es gibt Menschen mit alter und welche mit neuer Seele. Ich glaube, dass ich eine alte Seele habe. Vielleicht hab ich mal in dieser Zeit gelebt. (lacht)
Und warum gefällt Ihnen eine 20er-Jahre-Seele besser?
Tukur Ich liebe die Eleganz, die Leichtigkeit, die Gekonntheit der Musik und den Witz der Texte von Liedern aus dieser Zeit. Die gesamte Unterhaltungsbranche hatte in den 20er und 30er Jahren ein enorm hohes Niveau, das man leider nicht halten konnte.
Das klingt jetzt aber sehr melancholisch.
Tukur Die tollen Dinge verschwinden, das ist leider eine alte Wahrheit. Die Musik, die heute gemacht wird, gefällt mir einfach nicht so gut, die entspricht nicht meinem Lebensgefühl.
Was bestimmt Ihr Lebensgefühl?
Tukur Venedig ist mein Lebensgefühl. Die Stadt ist wie ein geheimnisvolles, surreales Bühnenbild. Allerdings muss man vor diesem Bühnenbild sein eigenes Theater spielen, sonst ist die Stadt tot.
Sie haben ja gleich Ihren Wohnsitz auf diese Bühne verlegt. Warum sind Sie 1999 nach Venedig gegangen?
Tukur Weil ich nach 16 Jahren Hamburg noch einmal etwas Neues anfangen wollte - auch mit einer neuen Sprache. Zuerst wollte ich nach Frankreich, aber meine Partnerin fand, die Franzosen seien uns zu ähnlich, sie seien wie Deutsche, die Italiener spielen. Also wollten wir lieber gleich nach Italien und sind im Land herumgereist, um einen Ort zu finden, der uns gefiel. Und Venedig hat uns gleich gefallen.
Also keine Flucht?
Tukur Nein, aber es ist ganz schön, immer wieder Distanz zu Deutschland zu gewinnen und dann wieder sehr gern nach Hamburg oder Berlin oder wo auch immer hin zurückzukehren.
Eigentlich sollten Sie ab April in Düsseldorf in einem neuen Film über Robert Schumann die Hauptrolle spielen, haben aber abgesagt. Warum?
Tukur Termingründe. Die Anfrage kam spät, es wäre zu viel geworden.
Sie spielen Theater, sind am 26. Februar auch wieder in einer Hauptrolle im Fernsehen zu sehen, in Dieter Wedels „Mein alter Freund Fritz“. Warum schieben Sie auch noch Musikauftritte dazwischen?
Tukur Weil es unglaublich viel Spaß macht, in einem Klangkörper zu spielen, der swingt und sich selbst nicht so furchtbar ernst nimmt. Außerdem müssen meine Jungs aus der „Rhythmus-Boys-Tanzkapelle“ auch ihr Geld verdienen.
Und Dieter Wedel? Wie lief denn die erste Zusammenarbeit mit ihm?
Tukur Ich hatte richtig Manschetten vor ihm. Er hat ja einen Ruf wie Donnerhall. Aber die Zusammenarbeit war wunderbar. Wedel ist ein Perfektionist, der die Schauspieler führt und auch respektiert - man fühlt sich also sehr gut aufgehoben.
Weil Sie auch ein Perfektionist sind?
Tukur Nein, ich habe Dinge gemacht, auf deren vollendete Ausführung ich besser hätte achten sollen. Ich bin kein Perfektionist. Aber ich hab es schon gern, wenn das Endprodukt meiner Vorstellungen entspricht. Mit „Salto mortale“ sind wir an diesem Punkt angekommen.
Dorothee Krings führte das Gespräch.
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