Kundgebungen sind zu laut: Verbot für Tamilen-Demos?
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 18.05.2009 - 07:25Düsseldorf (RPO). Hungerstreik, brutale Spielszenen und jetzt eine Bahn-Blockade: Immer drastischer werden die Mittel der Demonstranten, die seit Wochen in Düsseldorf gegen die Regierung Sri Lankas protestieren. Gestern hat die Polizei ihnen die Nutzung von Lautsprechern vor dem Landtag untersagt.
Am Nachmittag reichte es der Polizei: Nachdem hunderte Anrufer sich gestern über die wieder lautstark am Landtag protestierenden Tamilen beschwert hatten, wurde den etwa 250 Demonstranten die Benutzung von Lautsprechern untersagt. Zuvor hatten die Tamilen stundenlang lautstark gegen die Regierung Sri Lankas protestiert, die am Wochenende den Bürgerkrieg in Sri Lanka für beendet und die rebellischen Tamilen für besiegt erklärt hatte.
Dass die "Tamilischen Tiger" gestern ihrerseits ankündigten, die Waffen ruhen zu lassen, hatte ihre Landsleute in Düsseldorf offenbar ebenfalls nicht beeindruckt. Bereits am Samstag blockierten mehrere Hundert von ihnen die Fernzug-Gleise im Düsseldorfer Hauptbahnhof und legten so den gesamten Zugverkehr für mehr als eine Stunde lahm. "Tut uns leid für die Leute, die jetzt nicht mit der Bahn fahren können", sagte eine Sprecherin der Demonstranten. "Aber in unserer Heimat werden jeden Tag Menschen ermordet."
Mehrere Gespräche nötig
Während über dem Hauptbahnhof ein Polizeihubschrauber kreiste, zeigten im Foyer nur wenige Düsseldorfer Verständnis für die Demonstranten. "Das ist ein strafbarer Eingriff in den Bahnverkehr – da hört's doch auf", sagte ein Reisender, dessen Zug ins Wochenende um 15.30 Uhr gleich ganz gestrichen wurde. Die Polizei hatte noch ganz andere Sorgen: Tausende Anhänger der Bundesligavereine Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen, die in der Arena gegeneinander antraten, wurden zur Heimfahrt im Bahnhof erwartet.
Mehrere eindringliche Gespräche mit den Demonstranten waren nötig, dann zogen die Tamilen aus dem Bahnhof ab. Bis dahin waren 92 Züge um insgesamt 45 Stunden verspätet, 53 ganz oder teilweise ausgefallen. Bevor sie sich erneut zum Landtag begaben, wo die Tamilen seit mehreren Wochen gegen den Bürgerkrieg in ihrem Land protestieren, forderten sie vor dem US-Konsulat am Bertha-von-Suttner-Platz die Vereinigten Staaten auf, gegenüber der srilankischen Regierung Stellung zu beziehen.
Mit drastischen, höchst brutalen Spielszenen, die den Umgang der Regierungstruppen mit tamilischen Zivilisten darstellen sollten, hatten Tamilen bereits vorige Woche auf der Rheinuferpromenade vor allem Kinder verstört, die mit ihren Eltern zum Europafest wollten und die blutigen Szenen nicht als Spiel identifizieren konnten.
Eine ähnliche Aktion vor dem Bahnhof wurde vorige Woche von erschrockenen Passanten als vermeintliche Massenschlägerei an die Polizei gemeldet, die mit einem Großaufgebot anrückte. Jetzt hat die Polizei die Demonstranten aufgefordert, auf solche Aktionen zu verzichten. Mit derartigen Störungen der öffentliche Sicherheit und Ordnung, riskierten sie ein Verbot ihrer Demonstration.
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