Düsseldorf gibt 200.000 Euro: Verein stärkt den Modestandort
VON MATTHIAS ROSCHER - zuletzt aktualisiert: 03.07.2009 - 07:43Düsseldorf (RPO). Die Stadt steuert zum jährlichen Budget von Fashion Net Düsseldorf 200.000 Euro bei, 300.000 Euro sollen als Fördermittel vom Land NRW kommen. Die Messe und die Modefirmen halten sich dagegen bedeckt. Was sie finanziell leisten wollen, bleibt noch offen.
Auf dem Papier der Stadt ist alles klar: Noch in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause hat der Rat die in Aussicht gestellten 200.000 Euro für den geplanten Verein zur Stärkung des Modestandortes Düsseldorf freigegeben. Dass bis zur Modemesse CPD Ende Juli dennoch nicht mehr passiert als die Eintragung ins Vereinsregister, gilt allerdings als sicher.
"Mir hat das auch alles etwas lange gedauert, aber als Unternehmer muss man sich wohl daran gewöhnen, dass in der Politik die Mühlen etwas länger mahlen ", sagt der Präsident des Modeverbands German Fashion, Klaus Brinkmann. Der Chef der gleichnamigen Unternehmensgruppe (unter anderem Bugatti) ist jedoch sicher, "dass es den Verein Fashion Net Düsseldorf und das notwendige Geld geben wird". Auch der Chef des städtischen Wirtschaftsförderungsamtes, Uwe Kerkmann, gibt sich zuversichtlich.
Auch wenn seit dem ersten Treffen der Vertreter von Messe, Stadt und Modebranche am 1. April nach außen wenig Erkennbares passiert ist, wertet Kerkmann die Zusammenkunft an sich schon als Erfolg: "Wenn sich die Protagonisten, die lange Zeit überhaupt nicht miteinander geredet haben, jetzt an einen gemeinsamen Tisch setzen, ist das schon ein Gewinn." So gesehen reiche es "als positives Signal", wenn der neue Verein bis zum CPD-Start am 26. Juli eingetragen wird.
Darum geht es: In und um Düsseldorf versammeln sich Modemarken, -messen und Designer zum führenden Modestandort in Deutschland. Alleine 1400 Unternehmen des Textileinzelhandels erwirtschaften 14,8 Milliarden Euro an Umsatz. Dennoch ist die Messe-gesellschaft Igedo unter Druck geraten: Aussteller- und Besucherzahlen sinken.
Gleichzeitig mieten sich immer mehr Modefirmen außerhalb der Messe in Showrooms ein, weil die CPD als Vertriebsbasis für mehrere Kollektionen im Jahr nicht mehr ausreicht. Viele Showrooms werden ganzjährig betrieben und Messestände weniger gebraucht. Schließlich: Auch in anderen Städten entstehen Modezentren mit Ordermöglichkeiten. Die Konkurrenz in- und ausländischer Modemesse-Standorte wächst.
Nicht nur die Messetochter Igedo arbeitet vor diesem Hintergrund an neuen, eigenen Konzepten. Gemeinsam mit den über die Stadt verteilten Showroom-Betreibern, Herstellern und Händlern sollen die unterschiedlichen Interessen gebündelt werden. Die Stichworte dazu: Sponsorensuche, übergreifende Marketingkampagnen, gemeinsame erstklassige Mode-Events und Fashionshows sowie Fachveranstaltungen für ausländische Einkäufer auch aus Ländern wie Russland oder Indien – dies alles von internationalem Format.
Für den neuen Verein, der dies stemmen soll, ist zunächst ein Jahresbudget von 600 000 Euro geplant. Die Stadt geht davon aus, dass zu ihren 200 000 Euro noch 300 000 Euro vom Land kommen. In einer auf Forderung der FDP-Fraktion nachgebesserten Beschlussvorlage heißt es, die Stadt gehe "zwingend davon aus, dass alle Vereinsmitglieder einen "angemessenen finanziellen Beitrag leisten".
Mit anderen Worten, Messe und Modebranche als Nutznießer der gemeinsamen Anstrengungen werden nicht unwesentlich zur Kasse gebeten. Die Politiker zeigen Konsequenzen für den Fall auf, dass dies nicht gelingt. Dann wird die Förderung der Stadt "Ende 2010 auf den Prüfstand gestellt".
Beim Thema Geld tun sich die künftigen Vereinsmitglieder noch schwer. Von der Messe kommen nur allgemein gehaltene Aussagen. Am konkretesten wird Verbandspräsident Klaus Brinkmann. "Wenn der Verein eingetragen ist, muss für die Modemesse 2010 ein Konzept erarbeitet werden. Dann wird sich auch die Industrie zeitnah mit Geld beteiligen."
Die Bedenken von Showroom-Manager Hans Wiethoff (Fashion Square), von den Fördergeldern könnte allzu viel bei der ungeliebten Konkurrenz Igedo landen oder im Verwaltungsapparat versickern, versucht Uwe Kerkmann zu zerstreuen: "Das Geld geht nicht in die Strukturen, sondern in Maßnahmen. Wir wollen einen kleinen, schlagkräftigen Verein."
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