Marbach: "Wir sind wieder wer": Vertriebsexperte übernimmt LTU-Steuer
zuletzt aktualisiert: 09.10.2003 - 17:04Düsseldorf (dto). Ein Flugzeug steuern zu können, ist ein lang gehegter Wunsch von Jürgen Marbach. Der 45-jährige Tourismus- Manager hatte für die aufwändige Pilotenausbildung bisher aber nicht die erforderliche Zeit. Daran wird sich so bald nichts ändern. Der gebürtige Duisburger steuert künftig eine komplette Airline, die LTU. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Sten Daugaard, geht von Bord.
Der Führungswechsel bei Deutschlands drittgrößten Ferienflieger zeichnete sich bereits seit längerem ab. Vor knapp zwei Jahren nahm Marbach im LTU-Führungscockpit neben Daugaard Platz. Die Bestellung gilt als Vertrauensbeweis des mächtigen REWE-Chefs Hans Reischl, der zugleich dem Aufsichtsrat der Airline vorsteht. "Co-Pilot" Marbach übernahm danach weitere Aufgabenbereiche in der Airline-Chefetage.
Mit Daugaard geht ein Finanzexperte von Bord, der die LTU durch die Existenz bedrohende Krise geführt hatte. Als die SwissAir vor drei Jahren zahlungsunfähig wurde, drohte mit dem größten Gesellschafter auch das Düsseldorfer Lufttransportunternehmen abzustürzen. Der Däne schnürte mit Banken, der REWE-Gruppe, Arbeitnehmervertretern und der Landesregierung ein Rettungspaket, das LTU zu neuem Auftritt verhalf.
Mit Marbach rückt ein Vertriebsexperte mit Detailkenntnis an die Spitze. Der Rheinländer war bei LTU schon auf verschiedenen Stationen tätig. In den 80er Jahren kaufte Marbach für die Tochter Jahn Reisen Hotelbetten und schnürte für die Schwester Tjaereborg Reisepakete. Anfang der 90er führte er die spanische Airline-Tochter LTE. Seit fünf Jahren ist er Geschäftsführer der größten deutschen Reisebürokette ATLASREISEN.
Der Vater dreier Kinder will zu Gunsten der LTU Aufgaben innerhalb der Touristikgruppe REWE abgeben, die mit 40 Prozent an LTU beteiligt ist. Bisher war er von REWE, die die LTU- Reiseveranstalter komplett übernommen hatte, nur an die Airline ausgeliehen. Als Vertriebschef der drittgrößten deutschen Touristik- Gruppe hat Marbach schon dafür gesorgt, dass die rot-weißen Ferienflieger besser ausgelastet werden.
Für gut gefüllte Maschinen werden auch verstärkt Kurzfristaufträge eingeholt. So flog LTU in der sechswöchigen Pilgersaison Anfang 2003 rund 30 000 Moslems aus Europa auf die arabische Halbinsel. Auch für Fußballfans ist LTU im Einsatz. Heftige Kritik rief eine Verbindung nach Kabul hervor. Die Pilotenvereinigung Cockpit äußerte massive Sicherheitsbedenken. Diese Route wird gegenwärtig auf Anraten des Auswärtigen Amtes nicht bedient.
Zum Abschluss der Flottenerneuerung Anfang Juli appellierte Marbach an die versammelte Mannschaft, dass die 24 neuen Maschinen zum Erfolg allein nicht ausreichten. Teamgeist und Flexibilität seien ebenso wichtig. 2004 soll mit hartem Sparkurs die Gewinnzone erreicht werden. "Wir sind wieder wer", rief Marbach unter Beifall. Seinen Schreibtisch stellte er in der LTU-Airporthalle dicht beim Flugzeugpersonal auf.
Von Volker Danisch
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