Es kann zu Verzögerung kommen: Victoria setzt fest auf Neubau
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 27.09.2007 - 08:19Düsseldorf (RPO). Ein drohendes Bürgerbegehren, ein Urteil zu EU-Recht, das möglicherweise eine weitere zeitliche Verzögerung für den Erweiterungsbau nach sich ziehen könnte - der Versicherungskonzern gibt sich dennoch zuversichtlich.
Beim Kö-Bogen ist klar: Die Stadt wird das zum Verkauf stehende Grundstück auf dem Jan-Wellem-Platz europaweit ausschreiben und folgt damit einem Urteil des Oberlandesgerichts (OLG). Für die Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt, die dort zwei Neubauten errichten will, bedeutet das mehrere Monate Verzögerung. Falls nicht ein anderer Investor den Zuschlag bekommt.
40 Grundstücksverkäufe hat Planungsdezernent Gregor Bonin wegen des Urteils gestoppt. Noch offen ist, ob auch das knapp 10000 Quadratmeter große Areal an der Fischerstraße, das die Victoria-Versicherung für eine Erweiterung bebauen möchte, ausgeschrieben wird. „Wir lassen das derzeit prüfen, die Stadt auch“, sagt Michael Rosenberg, Vorstandsvorsitzender der zur Ergo-Gruppe gehörenden Victoria. Er sieht Unterschiede zum Kö-Bogen: An der Fischerstraße gebe es keine Probleme mit einem Verkehrskonzept, dem Victoria-Bau sollen nicht weitere Abschnitte folgen (beim Kö-Bogen ist später der Abriss des Tausendfüßlers geplant). Und selbst wenn es zur Ausschreibung käme, müsse die Victoria kaum Konkurrenz fürchten. „Für uns ist das ein Filet-Grundstück, wegen der Nähe zum Mutterhaus“, sagt Rosenberg. Ob sich andere Investoren um die derzeit als Parkplatz genutzte Fläche reißen würden, sei mehr als fraglich.
Zumal sie den Ärger gleich mit kaufen würden: Seit Monaten versucht die Initiative „Rettet den Golzheimer Friedhof“ den Neubau zu verhindern. Man fürchtet, der denkmalgeschützte Friedhof könnte dadurch Schaden nehmen, verschatten und vermoosen. Kritiker vermuten jedoch, der Initiative gehe es eher um den Erhalt der 200 Parkplätze. Zuletzt hatte der Rat ein Bürgerbegehren, für das 14000 gültige Unterschriften abgegeben wurden, für unzulässig erklärt. Nun sollen die Gerichte entscheiden.
Rosenberg versichert, dass der Friedhof, um den sich 30 Jahre lang kaum jemand gekümmert habe, durch den Neubau nicht beeinträchtigt werde. „Im Gegenteil, wir werden einen sechsstelligen Betrag für seinen Erhalt zur Verfügung stellen.“ Denkbar sei eine Stiftung, damit das Geld langfristig für den Friedhof verwendet werden könne. Zudem wurde der geplante Neubau um eine Etage von 28 auf 25 Meter Höhe abgespeckt und soll nun 26 statt 19 Meter Abstand zum Künstlerhaus haben - das kostbare Nordlicht bliebe somit erhalten. In der neuen Tiefgarage können 80 Plätze von Anwohnern angemietet werden.
Ob Bürgerbegehren oder Ausschreibung - der Faktor Zeit könnte dem Versicherungsunternehmen einen Strich durch die Rechnung machen. Der erste Spatenstich war eigentlich für November geplant, Ende 2009 sollen die ersten Mitarbeiter einziehen. „Drei bis sechs Monate Verzögerung, ab dann wird’s für uns schon eng“, sagt Rosenberg. Vor allem wegen des Rechenzentrums. „Im schlimmsten Fall müssen wir das Rechenzentrum anderswo bauen. Das wäre mit einem deutlichen Verlust an Arbeitsplätzen verbunden.“
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